Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 9: Die freie Zinsbildung

In diesem Beitrag soll es nun um die Bildung des Zinssatzes ohne Manipulationen gehen, also darum wie das Steigen oder Sinken des Zinses entsteht. Dazu wenden wir uns den Bankzinsen zu, und da besonders dem Kontokorrentkredit als Beispiel für die Art und Weise, wie der Zins in der praktischen Wirtschaft ermittelt und berechnet wird.

LeitzinsenDE

Die naheliegende Antwort, dass er von dem Diskontsatz der Zentralbank abhängig sei, ist zwar grundsätzlich richtig, soll uns aber hier nicht ausreichen. Es geht mehr um das allgemeine Prinzip, mit dem die Zinsen der Bank vom Diskontsatz der Notenbank abhängen und wie wiederum der Diskontsatz selbst bestimmt wird.

Oder wie es Wilhelm Lautenbach recht treffend formulierte:

Und irgendein solches regulierendes Prinzip muß es ja geben, weil sonst die Willkür herrschte, die das Chaos gebiert.

Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 59

Weiterlesen…

Säkulare Stagnation und die Vermögensungleichheit

Der amerikanische Ökonom Alvin Hansen führte den Begriff der „säkularen Stagnation“ in den 1930er Jahren ein. Seine Hypothese wurde von Lawrence Summers im November 2013 während einer Konferenz des IWF wieder zur Sprache gebracht.

Lawrence Summers, Davos
Lawrence Summers 2007 in Davos

Summers‘ Rede erzeugte eine heftige Diskussion, und das aus einem gutem Grund. Seiner Ansicht nach war die Große Rezession symptomatisch für ein längerfristiges Problem:
eine nachweisbare, trotz niedriger Realzinsen permanent unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage

Weiterlesen…

Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 8: Lautenbachs Kritik an der klassischen Zinstheorie

Mit den getätigten Schlussfolgerungen aus den ersten sieben Teilen dieser Serie stellte Wilhelm Lautenbach die klassische Zinstheorie fundamental in Frage.

Money crunch (3209512811)

Die Grundlage seiner Kritik war dabei die Klärung der Behauptung, die klassische Theorie der Bildung und Leistung des Zinses könne für die geschlossene Wirtschaft irgendwelchen Erklärungswert haben.

Nach Lautenbach erklärt die klassische Zinstheorie den Begriff Kapital als sogenannte „vorgetane“ Arbeit, damit sind im weitesten Sinne die durch Arbeit entstandenen Produktionsmittel (Gebäude, Maschinen und Anlagen) gemeint.
Das Kapitalangebot soll dabei von der Gesamtmenge der Ersparnisse bestimmt werden, die auch als ein Vorrat an Mitteln zum Lebensunterhalt (Subsistenzmittel) verstanden werden, die von den Sparern nicht unmittelbar konsumiert wurden.

Weiterlesen…

Die erste Weltwirtschaftskrise 1857 und ihr erstaunlich schnelles Ende

Über die Ursachen der Wirtschaftskrise von 1857, aus der schließlich die erste echte Krise der Weltwirtschaft erwuchs, ist im Zuge der Aufarbeitung der globalen Wirtschaftskrise seit 2007 schon einiges geschrieben worden:

1857 panic

Der tickende Zusammenbruch | WOZ Die Wochenzeitung, Weltwirtschaft: Alles ist weg | ZEIT ONLINE oder sehr ausführlich in Die „erste“ Weltwirtschaftskrise 1857-1859 | Texte zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Weiterlesen…

Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 7: Die Elemente der Kreditmechanik

Nachdem wir uns in den ersten Teilen dieser Reihe (Teil 1 bis Teil 6) damit beschäftigt haben, welches Investitionsvolumen beschäftigungspolitisch in einer geschlossenen Volkswirtschaft wünschenswert wäre, soll es nun um die Faktoren gehen, die den Kreditbedarf zur Finanzierung eben dieses Volumens beeinflussen.

Geldschöpfung

Volkswirtschaftlicher Kreditbedarf / Finanzierungsbedarf der Unternehmen
Grafik: Wolfgang WALDNER & C.G.BRANDSTETTER

In seinem Werk „Zins, Kredit und Produktion“ (1952) zeigte sich Wilhelm Lautenbach überzeugt davon, dass eine solche Feststellung der Bestimmungsgründe des Kreditbedarfs nur durch die theoretische Konstruktion möglich sei.

Denn selbst wenn man zu einem gegebenen Zeitpunkt im Wege der Bilanzstatistik von sämtlichen Unternehmen eine genaue Statusanalyse über die Vorräte an Betriebsstoffen, liquiden Mitteln sowie ihren Produktionsplanungen und Investitionsabsichten habe, wüßte man doch nicht, wie hoch denn eigentlich ihr Kreditbedarf sei.
Weiterlesen…

Ein wohltuend sachlicher Beitrag zur Diskussion über die deutschen Exportüberschüsse

CMA CGM Christophe Colomb 01
Das Containerschiff CMA CGM Christophe Colomb auf der Elbe

Schuldenexporteur Deutschland

Lange duldete der Handelsweltmeister keine Nestbeschmutzung. Unter Druck der EU ändert sich nun die Tonlage der Regierung in der Exportdebatte. Sie sollte mehr tun, damit sich Deutsche öfter Autos von den Franzosen oder Urlaub bei den Griechen leisten können – und nicht nur deren Schulden in die Höhe treiben.

Ausfuhrüberschüsse – Schuldenexporteur Deutschland – Wirtschaft – Süddeutsche.de

Weiterlesen…

Moritz Schularik: Gefährliche Vereinfachungen in der Ökonomie

Große Auslandsvermögen sind immer eine schlechte Idee, meint der Bonner Ökonom Moritz Schularick. Die Deutschen sollten sich deshalb tunlichst nicht auf ihren gigantischen Auslandsüberschüssen ausruhen. Die Mär vom Exportweltmeister sei eher als Stammtisch-Parole aus Wirtschaftswunderzeiten zu betrachten.

„Das Verständnis ökonomischer Zusammenhänge in der deutschen Öffentlichkeit hinkt dem anderer Länder deutlich hinterher.“

Veröffentlichung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft auf YouTube

Die Krise der Schwellenländer: das alte Problem mit Carry Trades und flexiblen Wechselkursen

Krise war gestern? Von wegen! Wer die aktuellen Schlagzeilen der letzten Wochen zu den fast panischen Vorgängen in vielen Schwellenländern liest, bekommt wieder einmal vorgeführt, dass die Finanzkrise mitnichten schon vorbei ist:

Aktien: Anleger brauchen in Schwellenländern Nerven | ZEIT ONLINE
Kapitalabflüsse: Die Krise springt auf weitere Schwellenländer über – Devisen & Rohstoffe – FAZ

Euro exchange rate to ZAR
Aufwertung des Euro-Wechselkurses zum Südafrikanischen Rand

Wieder einmal schaut man verwundert auf das Verhalten vieler Anleger. Galten die sogenannten Emerging Markets nicht vor kurzem noch als die Wachstumsregion schlechthin?
Hatte nicht jeder Analyst diese Länder auf dem Schirm, wenn es darum ging, gewinnbringende Anlageformen zu „erschließen“?
Waren die Schwellenländer nicht die Verheißung für jeden Investor, der an der Niedrigzinspolitik der Industriestaaten förmlich verzweifelte?

Doch was ist daraus geworden?
Weiterlesen…

Sigmar Gabriels Jahreswirtschaftsbericht: Alles wird gut?

Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages (Martin Rulsch) 059

Gabriel erwartet Beschäftigungsrekord

Der deutschen Wirtschaft geht es gut und dadurch entstehen immer mehr Arbeitsplätze. 2014 wird ein Beschäftigungsrekord erreicht, wie Sigmar Gabriel verkünden will.

Arbeitsmarkt: Gabriel erwartet Beschäftigungsrekord | ZEIT ONLINE

Na also, da ist die große Koalition erst knapp einen Monat im Amt, schon sind die entscheidenden Weichen in Sachen Wirtschaft gestellt. Soll doch noch mal jemand sagen, die Politiker würden nicht liefern.

Sigmar Gabriel zumindest, seines Zeichens neuer Bundeswirtschaftsminister, hat nun in Form des ersten Jahreswirtschaftsberichtes seiner Amtszeit geliefert. Von „Beschäftigungsrekord“, einem Wachstum von 1,8 Prozent und dass „das Wachstum 2014 ausschließlich von der Binnennachfrage getragen werde“ ist da die Rede. Ach ja, und natürlich darf auch die altbekannte Floskel „der deutschen Wirtschaft geht es gut“ nicht fehlen.

Weiterlesen…