Was war das für eine Saison! Vor einem Jahr noch fast in die Dritte Liga abgestiegen und nun geht es zurück in die Bundesliga. Wahnsinn!
Die Nordkurve in der Veltins-Arena
Schon vor dem letzten Spiel gegen Eintracht Braunschweig waren die Pflichtaufgaben erfüllt: Meister der Zweiten Bundesliga und direkter Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse. Nun ging es nur noch um die Kür und die Fairness, da die Niedersachsen noch um den Klassenerhalt fürchten mussten.
Über diese Begegnung will ich keine großen Worte verlieren, ein verdienter Schalker Sieg, der wie so oft in dieser Spielzeit ein oder zwei Tore zu niedrig ausfiel. Doch Schwamm drüber, es ging eigentlich vor allem nur noch um die Möglichkeit, die erreichten Erfolge vor den eigenen Fans ausgiebig feiern zu können.
Diesen Beitrag möchte ich eher dazu nutzen, um den Verantwortlichen des Clubs für ihre unglaubliche Arbeit zu danken, allen voran Trainer Miron Muslic und Sportvorstand Frank Baumann. Man darf nicht vergessen, was die beiden zu Beginn ihrer Arbeit hier übernommen haben:
Ein Trümmerhaufen von Mannschaft, von vielen verschiedenen Köchen zu einem ungenießbaren Etwas zusammengestümpert, mit Spielern wie Paul Seguin, Tobias Mohr oder Aymen Barkok. Man mag sich heute kaum noch vorstellen, dass nur dank der zusammen 30 Toren von Kenan Karaman und Moussa Sylla der endgültige Absturz noch verhindert werden konnte.
Auch das Tischtuch zwischen Verein und Fans schien kurz vor dem Zerreißen zu stehen, eine weitere Saison dieser „Güte“ hätte das Verhältnis zwischen beiden wohl außerordentlich schwer belastet. In dieser Situation mit Baumann und Muslic einen solchen Neuanfang zu schaffen ist schon mehr als beachtlich.
Nun also die doch überraschende Rückkehr in die Bundesliga: mit der Elf Karius – T. Becker, Ayhan/ Katic, Kurucay, Ndiaye/V. Becker – El-Faouzi, Schallenberg – Ljubicic, Karaman, Aouchiche – Sylla/ Dzeko wäre man im Grunde schon ganz gut dafür gerüstet, als beste Mannschaft der 2. Bundesliga muss man ihr unbedingt auch die Erstliga-Reife bescheinigen.
Fraglich erscheint nur, ob auch wirklich alle Akteure gehalten werden können, für Mertcan Ayhan, Vitalie Becker oder Soufiane El-Faouzi werden die Angebote wahrscheinlich zahlreich auf den Tisch der sport-lichen Führung flattern, zumal ja der Verein wohl auch noch einen Transferüberschuss erwirtschaften muss, bei Moussa Ndiaye wäre zu schauen, ob eine Weiterverpflichtung nach der Leihe zu realisieren ist.
Inwieweit ein möglicher neuer Verkaufsanlauf bei Moussa Sylla oder der Weitertransfer von Ex-Spieler Rodrigo Zalazar in Portugal vom SC Braga nach Benfica Lissabon da weiterhelfen können muss wohl noch abgewartet werden. Unter diesen besonderen Bedingungen steht den Schalkern eine offenbar spannende Transferperiode bevor.
Offene Fragen wie die weitere Zukunft des 40-jährigen Goalgetters Edin Dzeko und wilde Gerüchte um eine Rückkehr seines bosnischen Landsmannes Sead Kolasinac von Atalanta Bergamo machen die Arbeit von Frank Baumann in diesem Sommer auch nicht leichter.
Nachbesserungsbedarf besteht zudem meiner Meinung nach eindeutig bei der Breite des Kaders. Namen wie Janik Bachmann, Adrian Gantenbein oder Felipe Sanchez stehen bei aller Liebe nicht unbe-dingt für Bundesliga-Tauglichkeit. Auch Christian Gomis fällt für mich in diese Kategorie. Mit einer Leihe zu Austria Wien würde die unbefriedigende Saison des Senegalesen für beide Seiten halbwegs vernünf-tig enden.
Ansonsten bleibt abzuwarten, ob beispielsweise die möglichen Transfers der Stürmer Elias Havel vom TSV Hartberg in Österreich oder des Marokkaners Tawfik Bentayeb vom französischen Zweitligisten ES Troyes wirklich Realität werden. Doch das werden nicht die letzten Transfergerüchte dieses Sommers sein und ich bin ehrlich froh, mir nur über solche und ähnliche Themen Gedanken machen zu müssen.
Da im Gegensatz zur letzten Saison die sportliche Führung bereits mehr als fest im Sattel sitzt sind die Voraussetzungen in diesem Jahr völlig andere. Es geht nur (!) um den sportlichen Erfolg und den Erhalt der Bundesligazugehörigkeit (bei allen noch vorhandenen sportlichen und finanziellen Problemen) und nicht mehr um die nackte Existenz des Vereins. Was für ein Unterschied!
