Porto – Austerität aus erster Hand

Der australische Ökonom Bill Mitchell beschreibt auf seinem Blog einen Kurzbesuch in Porto und seine persönlichen Eindrücke der europäischen Austeritätspolitik in Portugal:

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Geschlossene Außenstelle des Finanzministeriums in Porto 2014

Er gab an, ein paar Tage am Strand verbringen zu wollen, als eine Art kleiner Auszeit von seiner Arbeit. Das südliche Ufer des Flusses Douro sei dabei nicht anders als die Strände irgendwo sonst. Es würde nur wenige Hinweise darauf geben, was die Sparpolitik der Europäischen Union diesem Land angetan habe.

Porto ist eine nördliche Bezirkshauptstadt in Portugal mit etwa 240.000 Einwohnern (im Jahr 2012) in einer Region mit weiteren rund 1,4 Millionen Menschen. Es gilt als eines der „großen städtischen Zentren von Südwesteuropa.“

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – Eine chronische Inflation bedeutet ein ständiges Leben über „unseren“ Verhältnissen

Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 5

US Annual Unemployment Rate
Jährliche Arbeitslosenquoten in den USA von 1890 bis 2013

Irrtum Nr. 5: Eine chronische Inflation bedeutet ein ständiges Leben über „unseren“ Verhältnissen
„Der permanente Trend zur Inflation ist ein Spiegelbild einer Gesellschaft, die unablässig über ihren Möglichkeiten lebt.“ Alfred Kahn, 1993 in einer Veröffentlichung der Cornell University.

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Die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen an die Gewerkschaften – Teil 3: „Haltepflöcke von Papier-Währungen bei freien Wechselkursen“

Nachdem wir in Teil 1 dieser Serie die Beschränkung der Individualkonkurrenz der Arbeitnehmer untereinander sowie in Teil 2 die Funktion des Schutzwalles gegen menschenunwürdige Unterbietungskonkurrenz als wichtige fundamentale Grundpfeiler der ordnungspolitischen Legitimation der Gewerkschaften identifiziert hatten, soll hier nun auf eine sehr bedeutende makroökonomische Aufgabe der Arbeitnehmervertreter eingegangen werden.

Gewdemonstration

Jeder Student der Volkswirtschaftslehre lernt schon immer, dass in Märkten mit einem freiem Spiel von Einzelpreisen durch die Veränderungen realwirtschaftlicher Knappheits-relationen lediglich die Beziehungen zwischen den Geldpreisen der einzelnen Waren und Leistungen festgelegt werden.

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Die beiden größten Fehler der ökonomischen Politik, über die John Maynard Keynes heute enttäuscht wäre

Der Keynes-Biograph Robert Skidelsky in einem Interview über die möglichen Gedanken des großen Ökonomen zu den Irrtümern der heutigen Wirtschaftswissenschaften:

Skidelsky, Morel, IEIS conference «The Politics of Virtue, the crisis of liberalism and the post-liberal future»

Zunächst wäre [Keynes] wohl frustriert aufgrund des Mangels an getroffenen Vorkehrungen, um einen enormen finanziellen Absturz, wie wir ihn im Jahr 2008 erlebten, zu verhindern. Zweitens glaubt Herr Skidelsky, dass Keynes nicht glücklich über die getroffenen politischen Maßnahmen nach dem Crash sein würde. Keynes hätte eine „tragfähigere Antwort“ haben wollen…

Julie Verhage über Skidelskys Gedanken in einem Artikel auf Bloomberg.com

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„Solide Finanzen“ – ein Kennzeichen hartnäckiger Ignoranz

Zu vielen konservativen und neoliberalen Politikern und Ökonomen scheint heute erneut ein Gespenst in den Vereinigten Staaten und Europa umzugehen – Regierungen verfolgen keynesianische Ideen, um eine Politik der Erhöhung der effektiven Nachfrage und der Förderung der Beschäftigung zu erreichen.

Michal Kalecki

Zu den beliebtesten Argumenten, um diese „Keynesophobics“ zu bekämpfen, gehören das Argument des „Vertrauens“ (siehe auch Die unsägliche Vertrauens-Fee) sowie die Lehre von den „Soliden Finanzen“.

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Die Geschichte wiederholt sich doch, nur die Ökonomen lernen offenbar nichts daraus

Es lief alles ganz hervorragend für die Reichen, die jeden Kredit bekamen, den sie dazu benötigten, um das Wirtschaftssystem nach den napoleonischen Kriegen zwischen rigider Deflation und monetärer Orthodoxie einzuklemmen: es war dagegen stets der kleine Mann, der weiterhin litt, und der in allen Ländern und zu allen Zeiten des neunzehnten Jahrhunderts leichteren Zugang zu Krediten und eine andere Finanzpolitik forderte.

E. J. Hobsbawm, in seinem Buch „The Age of Revolution 1789 – 1848“, S. 39

Baines 1835-Mule spinning

Die schwersten Konsequenzen [der ersten kapitalistischen Wirtschaftskrisen] waren sozialer Art: die Umstellung auf die neue Ökonomie schuf Elend und Unzufriedenheit, und damit die Materialien für eine soziale Revolution. Und in der Tat, die soziale Revolution in Form von spontanen Aufständen der städtischen und industriellen Armen brach aus und gebar die Revolutionen von 1848 auf dem Kontinent sowie die gewaltige Chartisten-Bewegung in Großbritannien.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – die Inflation als unbarmherzige Steuer

Dollar symbol

Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 4

Irrtum Nr. 4: Inflation ist die unbarmherzigste aller Steuern
Inflation wird allgemein gern als die „grausamste Steuer“ verunglimpft. Die Wahrnehmung scheint dabei zu sein, dass, wenn nur die Preise aufhören würden zu steigen, das eigene Einkommen doch noch viel weiter reichen könnte, ohne jedoch indes die gleichzeitigen Auswirkungen auf die Einkünfte Anderer zu berücksichtigen.

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Das Konzept der Opportunitätskosten

Bedenke, dass Zeit Geld ist; wer täglich zehn Schillinge durch seine Arbeit erwerben könnte und den halben Tag spazieren geht oder auf seinem Zimmer faulenzt, der darf, auch wenn er nur sechs Pence für sein Vergnügen ausgibt, nicht dies allein berechnen, er hat neben dem noch fünf Schillinge ausgegeben oder vielmehr weggeworfen.

Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman, 1748

Zwei Wege trennten sich in einem Wald, und ich-
ich nahm den, auf dem nur wenige reisten,
Und das allein hat alles verändert.

Robert Frost, The Road Not Taken, 1916

Joint production possibilities in the Robinson Crusoe Economy
Gemeinsame Produktionsmöglichkeiten von Crusoe und Freitag in der Robinson-Crusoe-Wirtschaft

Was sind Opportunitätskosten?
Ökonomen sind berühmt dafür, untereinander uneins zu sein. Keynesianer diskutieren mit Monetaristen über Fiskalpolitik. Mitglieder der Chicago School, einschließlich einer Reihe von „Nobelpreisträgern“ befürworten ungehinderte freie Märkte, während das Argument für staatliche Eingriffe in die Wirtschaft von Ökonomen wie Paul Krugman, Amartya Sen und Joseph Stiglitz verfochten wird, die ebenfalls alle diesen Preis erhalten haben.

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Der volkswirtschaftliche Wert ist NICHT gleich dem Preis einer Sache

Einer der Bereiche, in denen sich die (neo-)klassische Ökonomie bisher als eher unzureichend erwiesen hat, ist der von der Modellierung und dem Verständnis für den Wert von Waren und Dienstleistungen.

Gleichgewichtspreis

Überwiegend wird davon ausgegangen, dass der Preis ein gutes Äquivalent für den Wert darstelle – das macht die Dinge erheblich einfacher. Nach kurzem Nachdenken erscheint diese Formulierung jedoch eindeutig als unzureichend, denn wenn der Preis tatsächlich den Wert einer Sache darstellt, würde sich niemand die Mühe machen, etwas zu verkaufen, da der Wert, der dabei gewonnen wird (direkt oder indirekt über das „IOU“-Geld) genau dem entspräche, den man dabei gleichzeitig verlieren würde.

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