Die Achillesferse des Westens

Einwanderung ist aufgrund fehlerhafter Entscheidungsfindung zur größten Schwäche des Westens geworden. Doch was ist schiefgelaufen und wie kann man es beheben?

CeutaBorderFence
Grenzanlage in Ceuta mit Blick Richtung Süden nach Marokko

Es gab letzte Woche ein interessantes Beispiel für eine als Waffe genutzte Migration. Ca. 60.000 (lt. NYTimes) „Migranten“ strömten innerhalb von 24 Stunden nach Ceuta, Spaniens isoliertes Gebiet in Nordafrika.

Angesichts des logistischen Ausmaßes des Ereignisses wurde es wahrscheinlich von der marok-kanischen Regierung geplant und unterstützt, um Spanien zu stören und zu zwingen, sich aus Nord-afrika herauszuhalten.

Dies war das dritte Mal, dass Marokko diese Taktik anwandte. Im Jahr 2005 brachen tausend ‚Migran-ten‘ durch. Im Jahr 2021 kamen 12.000 Menschen.

Diese Taktik war in diesem Jahr besonders effektiv durch:

Eine migrantenfreundliche spanische Regierung und ein Gericht ermöglichten es, Migranten davon zu überzeugen, dass sie eine Chance hätten, in der EU zu bleiben, falls sie durchbrechen.

Eine reife, vernetzte Aufstandsbewegung, die sich auf Remigration konzentrierte, griff die Videos des Vorfalls schnell auf und verwandelte sie in Empathie-Trigger, die eine existenzielle Bedrohung darstellen sollten.

Das wachsende Misstrauen und die Zwietracht in der EU unter den Mitgliedsregierungen in Bezug auf Einwanderung haben viele Regierungen, darunter Italien und Frankreich, dazu veranlasst, Schengen mit Spanien auszusetzen oder einzuschränken.

Dieser Vorfall ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Einwanderung zur größten Schwäche des Westens geworden ist. Sie wurde zur größten politischen Verwundbarkeit westlicher Regierungen.

Angela Merkels (Deutschlands) Entscheidung, die Dubliner Regeln für eine Million Syrer im Jahr 2015 auszusetzen, war der entscheidende Auslöser für den Brexit-Sieg.

Die Unfähigkeit der Biden-Regierung, die südliche US-Grenze zu kontrollieren, was zu über 10 Millionen illegalen Einreisen führte, war ein wesentlicher Faktor dafür, Trump wieder ins Amt zu bringen.

Ein ständiger Strom gewalttätiger Vorfälle mit Migranten liefert das Filmmaterial, die Geschichten und Erzählungen, die nötig sind, um einen florierenden, vernetzten Aufstand und neue politische Fraktionen zu befeuern, die sich auf die Migration konzentrieren.

Was schiefgelaufen ist
Die Gründe, warum Migration zu einem so spaltenden und störenden Thema geworden ist, sind fehler-hafte Politikentscheidungen. Als da wären:

1. Neuartigkeit. Für den Großteil des Westens ist Massenmigration ein neues Problem. Neue Probleme sind schwerer zu lösen, weil Erfahrung keine Vorlage dafür liefert.

Historisch gesehen ist Massenmigration Kriegsführung, die zu Vertreibung oder Ausrottung führt. Für den Westen jedoch war das letzte Mal fast tausend Jahre her.

In der modernen Geschichte wuchs die Bevölkerung des Westens so schnell, dass sie zur Quelle der Migration wurde (die größten Städte der Welt im Jahr 1900 waren London, New York und Paris).

Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das umgekehrt, was zu beispiellosen Niveaus (wiederum eine Neuheit) der Einwanderung (15–30 %) geführt hat.

Im Gegensatz zu weiten Teilen des Westens hat der Rest der entwickelten Welt kürzlich Erfahrungen mit Kolonisierung und fremder Herrschaft und ist daher widerstandsfähig gegen Masseneinwanderung.

Diese Entscheidung ermöglichte es ihnen, zwischen 2000 und 2020 einen 8-faches Einkommens-wachstum in China, 2,5-fach in Korea zu erzielen; im Gegensatz dazu kamen die USA in dieser Zeit nur auf das 0,1-fache – und verloren die inländische soziale Stabilität in einer Phase extremer Umwäl-zungen.

2. Ungleichgewicht. Der Westen hat wichtige soziale Entscheidungsprozesse degradiert, während er andere gefördert hat. Dies hat zu einem unausgewogenen Entscheidungssystem geführt.

Widerstandsfähige soziale Entscheidungsfindung (seit Anbeginn der Moderne) ist eine komplexe Mischung aus Markt-, Stammes- (Nationalismus) und institutioneller Entscheidungsfindung. Kürzlich haben wir auch die Entscheidungsfindung des Netzwerks hinzugefügt.

Der Westen hat absichtlich die Stammesentscheidungen (tribal) herabgestuft, ihren Beitrag zu Kohä-sion und Kohärenz eliminiert und Markt- und institutionelle Entscheidungen erhöht.

Dieses Ungleichgewicht hat zum Aufstieg modischer Ideologien (Vielfalt, Gerechtigkeit usw.) aus dem institutionellen Kreislauf und zu einem korrupten Globalismus (Outsourcing, Offshoring, Visa) aus dem Marktkreislauf geführt.

HINWEIS: Sie hat auch zum Aufstieg einer disruptiven Netzwerkschleife (Schwärme) geführt, die in einer Umgebung ohne Stammesentscheidungen gedeiht.

3. Selbsttäuschung. Neuheit und Ungleichgewicht haben ein Umfeld geschaffen, in dem Wahnvor-stellungen gedeihen. Hier sind einige Beispiele:

Zensur und Unterdrückung. Institutionen (Wissenschaft, Medien usw.), die modische Ideologien fördern, haben aggressiv versucht, die Beobachtungen (Fakten), die für realitätsgestützte Entschei-dungen notwendig sind, zu unterdrücken und aktiv zu bekämpfen (durch reflexive Konditionierung).

Erhöhte Empathie. Unbegrenzte Netzwerkentscheidungen verringern Empathie und verwandeln das, was auf individueller Ebene effektiv ist, in einen Mechanismus, um Opferstatus auf eine ganze Gruppe anzuwenden. Das hat Opferkulte, Schwarmverhalten und eine Rechtfertigung für schlechte Sozialpolitik geschaffen.

Ein Verlust der Identität. Die Degradierung des Tribalismus hat unsere gemeinsame Identität (ameri-kanisch usw.) durch künstliche Alternativen (religiös, ethnisch, LGBTQ usw.) ersetzt, sodass wir nichts Wertvolles in dem, was wir als Gruppe erreicht haben, sehen können. Dies hat vielen psychischen Scha-den zugefügt und den sozialen Zusammenhalt und die Kohärenz zerbrochen.

Sogar Adam Smith glaubte, dass der Kapitalismus, den er die kommerzielle Gesellschaft nannte, nur ein Teil einer funktionierenden Gemeinschaft sei.

(Eigene Übersetzung eines Blogbeitrages des US-amerikanischen Analysten und Unternehmers John Robb)