Wenn es um Griechenland geht, wird auch in der deutschen Presse viel vom erstaunlichen Aufschwung der Wirtschaft und der Erholung der Staatsfinanzen gesprochen. Das Eingreifen der Troika von EU-Kommission, EZB und IWF – Schäuble und Merkel waren die Antreiber – Anfang der 2010er Jahre wird als Erfolgsmodell verkauft.
Restaurantzeile am Hafen von Chania auf Kreta, Griechenland (2023)
Fakt ist, dass die Staatsverschuldung seit dem Beginn der von der Troika oktroyierten Austeritäts-maßnahmen 2010 praktisch gleich geblieben ist (2010 ca. 330 Mrd. € ≙ 146 % des BIP, 2025 ca. 360 Mrd. Euro ≙ 150 % des BIP), der Sozialstaat aber praktisch abgeschafft wurde.
Schulen und Universitäten verrotten, das öffentliche Gesundheitssystem wurde kaputtgespart, viele öffentliche Dienstleistungen wurden auf ein Minimum reduziert oder völlig beseitigt. Wer das Geld hat, schickt seine Kinder auf private Schulen und Unis und lässt sich in privaten Kliniken und von Privat-ärzt*innen behandeln. Alle anderen müssen zusehen, wie sie zurechtkommen.
Diese anderen stellen die große Mehrheit der Bevölkerung dar. Griechenland hat in der EU den viert-höchsten Anteil von Bürger*innen, die an oder unter der Armutsgrenze leben, nämlich 34,6 %. Soweit es die subjektive Armut betrifft, fühlen sich sogar 2/3 aller Griech*innen arm.
Das kommt daher, dass
– die Reallöhne zum großen Teil unter dem Niveau vergangener Jahre liegen,
– die Teuerung rasant zunimmt,
– die Verschuldung der privaten Haushalte steigt.
…Zusammengefasst heißt das, dass zwar einige Bürger*innen während und nach der herbeigeführten Krise gut verdient haben – gelegentlich wird hier ein Prozentsatz von 20 % genannt, ohne dass es dazu aber genauere Belege gibt –, aber die große Masse der Bevölkerung von dem Wirtschaftsaufschwung nichts hat. Ihr geht es schlechter als vor der „Rettung“ durch die Troika, von der vorwiegend die deut-schen und anderen europäischen Banken profitiert haben.
