Thomas Piketty über irrationale Verlustängste und die Konzentration der Vermögen in Europa

Thomas Piketty 2015
Der französische Ökonom Thomas Piketty

Worauf geht also diese zum Teil irrationale Verlustangst, dieses Gefühl der Enteignung zurück? Zweifellos auf eine allgemeine Tendenz, für hausgemachte Schwierigkeiten die Verantwortlichen anderswo zu suchen.

Das Gefühl der Enteignung scheint mir vor allem daher zu rühren, dass die Vermögen in den reichen Ländern stark konzentriert sind (für große Teile der Bevölkerung ist Kapital ein abstrakter Begriff) und der Prozess der politischen Abspaltung der größten Vermögen bereits in vollem Gange ist.

Dennoch sind diese europäischen Privatvermögen eine Realität, und wenn die Regierungen der Europäischen Union es beschließen würden, wäre es durchaus möglich, sie in die Pflicht zu nehmen.

Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert (übersetzt von Ilse Utz und Stefan Lorenzer), Beck, München 2014, S. 620

Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – freie Kapitalmärkte sorgen für wirtschaftliches Gleichgewicht

Dollar symbol

Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage

Irrtum Nr. 7: Freie Kaptalmärkte und „solide“ Geldpolitik reichen aus, um ein allgemeines wirtschaftliches Gleichgewicht und damit Wohlstand zu schaffen

Viele bekennen sich zu dem Glauben, dass, wenn nur die Regierungen aufhören würden sich ins Wirtschaftsgeschehen einzumischen und ihre Haushalte ausgleichen würden, die freien Kapitalmärkte von ganz allein Wohlstand bringen, gegebenenfalls mit Hilfe einer „soliden“ Geldpolitik.

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Thomas Piketty über die Entwicklung des Spitzensteuer-satzes in einigen Ländern

Piketty in Cambridge 3
Der französische Ökonom Thomas Piketty

Offenbar korreliert die Entwicklung des Steuersystems ihrerseits mit dem Wandel sozialer Normen – aber einmal in Gang gesetzt, folgt sie ihren eigenen Gesetzen. So scheint […] das sehr starke Sinken des Spitzensteuersatzes seit den 1970er Jahren in den angelsächsischen Ländern […] die Kultur der Entlohnung von Führungskräften völlig verändert zu haben, da diese mit einem Mal einen viel stärkeren Anreiz hatten, auf massive Gehaltserhöhungen zu drängen.

Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert (übersetzt von Ilse Utz und Stefan Lorenzer), Beck, München 2014, S. 445

Europas (und Deutschlands) alte reiche Menschen…

Was für ein Armutszeugnis, wenn eine der reichsten Regionen der Welt in der saturierten Gerontokratie versinkt, aber will dass der Rest der Welt eine Party schmeisst, damit zu Hause wieder was los ist.

Bottino furto o rapina Euro

Aber bitte nur als Gäste, bleiben soll keiner, sonst könnte ja der Nachmittagsschlaf im Abend(schlum-mer)land durch spielende Kinder mit falscher Hautfarbe im Kurpark gestört werden.

Die Leitlinien unserer Politik entsprechen den Interessen alter reicher Menschen, die das was sie haben zusammenhalten möchten, aber jedes Risiko für dessen Mehrung scheuen und denen die nachfolgen-den Generationen herzlich egal sind.

Diese alten reichen Menschen verstehen aber nicht, dass sie für ihre Ersparnisse nur etwas bekommen, wenn jemand damit etwas “unternimmt”, die Ersparnisse in der Hoffnung annimmt, dass er mit ihnen mehr verdienen kann als er dafür zahlen muss. Diese Haltung hat uns eine nimmer endende Stagnation der Wirtschaft beschert.

Eine kleine Polemik zum Jahreswechsel, zusammengestellt aus den Foren des Internets…

Frances Coppola: Euro-Verzweifelung und die deutschen Sirenengesänge

In einem ihrer Posts warnte die britische Finanzexpertin Frances Coppola vor den „Sirenenstimmen“, die eine straffere Geldpolitik verlangen, während die Wirtschaft der Eurozone weiter in einem toxischen Gleichgewicht niedrigen Wachstums, Null-Inflation und hartnäckig hoher Arbeitslosigkeit feststeckt.

Lorelei poem in French and German
Heinrich Heines Gedicht über die Sirenengesänge der Loreley

Insbesondere verwies sie auf das Jahresgutachten des Sachverständigenrates, mit dem die „Fünf Wirtschaftsweisen“ von der EZB ein Aussetzen oder Reduzieren der Staatsanleihenkäufe (QE) forderten. Weiter schrieb sie:

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Thomas Piketty und die Bedeutung des Kapitals für die ärmere Hälfte der Bevölkerung

Während meines diesjährigen Urlaubs in Griechenland habe ich mir nun endlich einmal Das Kapital im 21. Jahrhundert von Thomas Piketty vollständig als Lektüre zu Gemüte geführt. Kein wirklich leichter Lesestoff für eine solche Verschnaufpause, trotzdem fand ich das Buch sehr anregend.

Thomas Piketty at Festival of Economics in Trento, Italy (2015)
Der französische Ökonom Thomas Piketty

Inhaltlich hatte ich mich schon einmal mit diesem Werk auseinandergesetzt, im letzten Jahr mit meiner Abhandlung über die Kritik von Hans-Werner Sinn an Pikettys Veröffentlichung.

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Die Grippewelle hat nun auch mich kalt erwischt…

Tja, diesmal kann es leider keine aktuellen Blogbeiträge zu Schalkes Heimsieg am Freitag gegen Hannover oder eine Vorschau auf die Baseball-Wintermeetings in dieser Woche geben (der Beitrag über den japanischen Keynes war schon vorher fertig und kommt somit aus der „Retorte“).

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Stattdessen hat mich eine Erkältung am Wochenende so richtig platt gemacht. Ans Artikel-Schreiben war da leider nicht zu denken. Doch sobald es mir besser geht, werde ich auch wieder für neues Blog-„Futter“ sorgen, versprochen…

Takahashi Korekiyo – der japanische Keynes

Um fünf Uhr morgens am 26. Februar 1936 brachen rebellierende Soldaten im Schneetreiben die Türen des Hauses des japanischen Finanzministers Takahashi Korekiyo in Tokio auf. Zwei ihrer Offiziere gingen in den Raum, in dem Takahashi schlief und ermordeten ihn mit mehreren Pistolenschüssen. Anschließend wurde sein Körper von den Soldaten unter „Verräter“-Rufen förmlich zerhackt.

Series B 50 yen Banknote
Japanische 50-Yen-Banknote aus den 1950er Jahren mit dem Porträt von Takahashi Korekiyo

So endete das Leben eines der damals populärsten und beliebtesten Politikers und Ökonomen der japanischen Vorkriegsära. Einer seiner Mörder sagte später vor Gericht aus, er hätte sterben müssen, weil er eine radikal andere Wirtschafts-, Außen- und Militärpolitik als die japanische Armee befürwortete.

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Treiben höhere Mindestlöhne Produktivität und Innovation an?

Vor der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes habe ich hier mehrfach über die Vorteile einer solchen Lohnuntergrenze geschrieben. Nun stieß ich auf einen sehr interessanten Artikel des amerikanischen Ökonomen Noah Smith zu dieser Thematik. Er stellte sich die Frage, ob Mindestlöhne in der langen Frist nicht sogar die Produktivität und Innovation steigern würden.

Jobboom nach der Mindestlohneinführung
Grafik: Hans-Böckler-Stiftung

Normalerweise wären es ja die Gegner von Lohnuntergrenzen, die über die Auswirkungen von Mindestlöhnen über längere Zeiträume reden würden, so Smith. Ihrer Ansicht nach hätten Erhöhungen der Mindestlöhne keine oder nur geringe Konsequenzen für das Beschäftigungsniveau einer Volkswirtschaft. Langfristig aber würden sie angeblich doch zu negativen Folgen für den Abbau der Erwerbslosigkeit führen.

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Ein pragmatischer Ansatz bei der Auslandsverschuldung: Die Abschreibung der deutschen Schulden 1953

Hermann Josef Abs - LSA 1953 Unterzeichnung
Hermann Josef Abs bei der Unterzeichnung des Londoner Schuldenabkommens 1953

Die Krise Griechenlands fordert Vergleiche mit dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 heraus, welches eine lange Zeit sehr hoher Auslandsverschuldung Deutschlands beendete. Dieser Beitrag legt nahe, dass im Rückblick diese Vereinbarung unnötig großzügig war, da das schnelle Wachstum in Deutschland die Rückzahlung der Schulden erheblich erleichterte. Für Griechenland fehlen dagegen heute unglücklicherweise nahezu alle Beweggründe, die 1953 den Antrieb zu dieser Vereinbarung gaben.

Übersetzung aus VoxEU.org: A pragmatic approach to external debt: The write-down of Germany’s debts in 1953

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