Der Lautenbach-Plan 1931 – Teil 1: Geld- und Kreditpolitik der Weimarer Republik in der Weltwirtschaftskrise

Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs sowie die Erfahrungen mit der Einführung der Rentenmark nach dem Desaster der Hyperinflation des Jahres 1923 hatten eigentlich bewiesen, dass Gold als bevorzugtes Mittel zur Stabilisierung einer Währung schlicht überflüssig bzw. durchaus schädlich sein könne.

Bundesarchiv Bild 102-12023, Berlin 1931, Bankenkrach, Andrang bei einer Sparkasse

Die Ankopplung der eigenen Währung an ein von der wirtschaftlichen Entwicklung völlig unbeeinflußbares Medium hatte sich in Zeiten moderner Ökonomie schlicht als zu unflexibel erwiesen. Veränderungen in den Handels- und Leistungsbilanzen, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg durch den wachsenden internationalen Warenverkehr immer häufiger entstanden, sorgten in vielen Ländern unter dem Goldstandard für erhebliche Schwankungen in den Devisenbilanzen, durch die geldmarktpolitische Eingriffe zur Stabilisierung der Wirtschaft erschwert oder nahezu unmöglich gemacht wurden.

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Gegen den Mainstream: die Ökonomie des Josef Steindl

Einer derjenigen Volkswirte, die sich vor allem auch mit den Auswirkungen von Wirtschaftskrisen beschäftigten, war der hierzulande nahezu unbekannte Josef Steindl.

Der Österreicher zählte zu den umtriebigsten Wissenschaftlern des sogenannten Postkeynesianismus, einer ökonomischen Schule, die sich vor allem mit der Weiterentwicklung der Ideen von John Maynard Keynes beschäftigte.

A view from the Member's Gallery inside the NYSE

In seinen ersten Jahren am Institut für Konjunkturforschung, dem heutigen Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) lernte Steindl ebenso wie viele andere die ökonomische Theorie unter dem Einfluss der Neoklassik sowie der sogenannten Österreichischen Schule. Doch schon frühzeitig änderte sich seine Sicht der wirtschaftlichen Zusammenhänge, als er erstmals mit der damals neuen Strömung des Keynesianismus in Kontakt trat, maßgeblich aufgrund eines Seminars von Gerhard Tintner über die „Allgemeine Theorie“ von J. M. Keynes.

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Der amerikanische Bürgerkrieg 1861 bis 1865 – die Folge einer verfehlten Krisenpolitik?

Bekanntlich endete die erste Weltwirtschaftskrise von 1857 nach nur wenigen Jahren vor allem deshalb, weil in vielen Ländern die Löhne während und nach der Krise entgegen heutiger Annahmen gerade nicht in gleichem Maße dem Absinken der vorher spekulationsbedingt hohen Preise folgten oder diese noch unterboten.

Photograph of the field at Antietam, American Civil War. Confederate dead by a fence at the Hagerstown Turnpike

Der Historiker Hans Rosenberg beschrieb in seinem Werk Die Weltwirtschaftskrise 1857–1859, Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Auflage Göttingen 1974 (1. Auflage Stuttgart 1932), wie die Krise vor allem wegen der Konsumausgaben der Verbraucher, die aufgrund der erhaltenen Kaufkraft ihrer Löhne einen Zusammenbruch der Verbrauchsgüterindustrie weitestgehend verhinderten, relativ zügig überwunden werden konnte.

Doch nicht alle Staaten folgten dieser wirtschaftlichen Logik, mit der Nachfragesteigerung nach Fertiggütern und dank gleichzeitigem Anziehen der Preise auch die heimische Investitionsgüterindustrie wieder anzukurbeln und so der Stagnierungs- und Schrumpfungsgefahr der Wirtschaftskrise zu entgehen.

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Es war nicht Greenspans Geldpolitik – Teil 2: Sparen oder Investieren?

„Mit ihrer (gemeint sind die US-amerikanischen Privathaushalte) hohen Verschuldungsbereitschaft haben sie in den letzten Jahren massive Nachfrageimpulse für die Weltwirtschaft geleistet.

Dies bildete ein notwendiges Gegengewicht zur hohen Geldvermögensbildung in Ländern wie China, Japan, Deutschland, Russland und einer Reihe von Ölförderländern.

Die viel diskutierten globalen Ungleichgewichte … haben in der Vergangenheit letztlich dafür gesorgt, dass sich die Weltwirtschaft bei einem so unterschiedlichen Sparverhalten (der amerikanischen Verbraucher im Gegensatz zu denen der Überschussländer) dynamisch entwickeln konnte.“
(Jahresgutachten 2008/09 des Sachverständigenrates, Erstes Kapitel, Absatz II, Nummer 5)

Former Chairman of the Federal Reserve Alan Greenspan, receiving a Presidential Medal of Freedom in 2005

In seiner Expertise zum Jahresausblick der deutschen Wirtschaft 2008/2009 brachte der Sachverständigenrat wieder einmal seine Auffassung zum Ausdruck, dass das Investieren grundsätzlich erst als Folge des Sparens möglich sei und unterschiedliches Sparverhalten demnach die Leistungsbilanzdefizite und Handelsungleich- gewichte zwischen Überschuss- und Schuldenländern erklären könne. Folglich seien also größere Verzerrungen in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Volkswirtschaften gar nicht möglich (siehe Teil 1).

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Es war nicht Greenspans Geldpolitik – Teil 1: Finanzkrise, Geldvermögensbeziehungen und Lohndumping

Beim Aufspüren der Ursachen der Finanzkrise ab 2007 halten immer noch viele Experten die expansive amerikanische Geldpolitik in den Jahren nach der Dotcom-Blase für einen der maßgeblichen Gründe für die Entstehung der Krise.

Cartoon - two children are going to see Alan Greenspan give a magic show - Greenspan can turn anything into a bubble... Even houses.

Auch die Bundeskanzlerin und der Sachverständigenrat waren sich sehr frühzeitig bereits 2008 weitgehend einig, dass es schlicht am „zu vielen Geld“ als eine der Hauptursachen für das Auftreten der Misere lag.

Sicherlich gab es zusätzlich auch noch erhebliche Regulierungmängel an den Finanzmärkten in den USA und Großbritannien, die durch schärfere Kontrollen und Reformen eigentlich schon vorher hätten beseitigt werden müssen.

Doch ohne die Politik des billigen Geldes, für die vor allem der damalige Vorsitzende der amerikanischen Notenbank FED Alan Greenspan geradezu sinnbildlich steht, wäre nach einhelliger Ansicht ein solches Desaster nicht möglich gewesen.

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Bevor alle Welt (und die Sparer und die Medien) meinten, Geld könne arbeiten…

war das Bankengeschäft noch überwiegend langweilig. Das Wirtschaftswachstum wurde stattdessen vor allem in der Realwirtschaft erzeugt.
Durch Kredite an Unternehmen und Verbraucher, dazu ein paar Warentermingeschäfte, ein paar Aktien… und das wars dann auch schon fast. Verschuldung für Investitionen sorgte dafür, dass die Wirtschaft sich weiterentwickeln konnte.
Der Nachteil – hohe Renditen waren eher selten. Doch es wurden überwiegend reale Werte erschaffen!

Bettler vor einer Bank in Fishergate, Preston (Lancashire)

Neben der steigenden Beschäftigung wuchs auch der zu verteilende Kuchen, und das nun gesparte Geld fand sichere Anlagemöglichkeiten im Inland, während ausreichende Investitionen und Gewinne in der realen Ökonomie für ebenso sichere Renditen und Zinsen auf den Sparbüchern sorgten.

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Der spektakuläre Aufstieg und Fall von Salomon Brothers

Nachdem mir am Wochenende nach langer Zeit mal wieder Michael Lewis‘ ausgezeichnetes Buch „Wall Street Poker“ in die Hände gefallen ist, kam mir beim Lesen der Gedanke, mich doch ein wenig näher mit einem der „Hauptdarsteller“ zu beschäftigen: der Investmentbank Salomon Brothers.

Sign Brodway crossing Wall Street

Die Bank war einer der Wall-Street-Giganten des vergangenen Jahrhunderts, als sie sich auf dem Höhepunkt ihres Ruhms in den 90ern in eine Reihe von Skandalen verhedderte, die eine Rettungsmaßnahme durch Warren Buffett und schließlich die Übernahme durch die Citigroup notwendig machten.

Heute ist das berüchtigt rücksichtslose Verhalten von Salomon, so wie es Lewis in seinem Werk beschreibt, Geschichte, doch es bleibt das mahnende Beispiel für die Zukunft der Finanzbranche ebenso wie der in den USA noch weithin gepflegte Kult um diese Firma.

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Alternative Wirtschaftstheorie – letzter Teil: Die Kollision der verschiedenen Aufgaben des Zinses

Als Abschluss unserer Reihe über die alternative Wirtschaftstheorie von Wilhelm Lautenbach geht es in diesem Beitrag um eine abschließende Betrachtung aller bisher behandelten Komponenten seiner bestechenden makroökonomischen Diagnose.

Berlin - Gebäude der Reichsbank und die Jungfernbrücke, Ende der 1930er Jahre, Bundesarchiv B 145 Bild-P018383

Dies erscheint notwendig, um den Zusammenhang zwischen Kreditbedarf und Investitionen sowie die ausschlaggebenden Elemente, welche die Liquidität der Kreditwirtschaft und demzufolge auch den Zins bestimmen, klar erkennen zu können.

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 13: Zins, Devisenbilanz und das Lohn-/Preisniveau

Neben der im letzten Beitrag beschriebenen Möglichkeit, durch Kapitalexport ein Defizit der Devisenbilanz und damit ein erhebliches Problem für die Zinssteuerung der Zentralbanken hervorzurufen, kann auch eine passive Handels- (Leistungsbilanz) aufgrund überhöhter Preise und Löhne einen ähnlichen Effekt haben.

Änderung der Brutto- und Reallöhne und des Preisindex in Deutschland

Dabei ist es unerheblich, ob die Investition im Inland überzogen ist oder nicht. Ganz im Gegenteil kann ein Leistungsbilanzdefizit auch entstehen, wenn die Investitionen völlig unzureichend und die Beschäftigungssituation infolgedessen ebenso unbefriedigend ist.

Die Begründung für das Devisendefizit liegt in einem solchen Falle allein in einer übertriebenen Steigerung des inländischen Kosten- und Preisniveaus gegenüber dem Ausland. Dies ist immer die Folge einer nicht richtigen Anpassung von Wechselkurs und Nominallöhnen.

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Sinn vs. Piketty: neoklassische Theorie trifft auf empirische Wirklichkeit

In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisiert der Ökonom Hans-Werner Sinn Anfang dieser Woche das neue Buch von Thomas Piketty: Capital in the Twenty-First Century.

Dabei geht es ihm vor allem um eine neue „Weltformel“, mit der Piketty die wachsende Einkommens- und Vermögensungleichheit in den westlichen Staaten, insbesondere aber in den USA, darstellt.

Hans-Werner Sinn 17Jan2008

Sinn schreibt zu dieser Formel in der FAZ, sie besage, dass der Zins als durchschnittliche Kapitalrendite r auf Dauer größer sei als die Wachstumsrate g einer Volkswirtschaft. Nach Piketty sei dann die Folge, dass das Vermögen fortlaufend schneller wachse als die Wirtschaftsleistung.

Sinn aber bestreitet diese Entwicklung und zieht zur Erklärung seiner ablehnenden Haltung die neoklassische Wachstumstheorie zu Rate.

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