Der Verrat an John Maynard Keynes‘ „Allgemeiner Theorie“

Um die Übernahme der keynesianischen Ökonomie in die allgemeine Gleichgewichtstheorie abzuschließen, stellte Paul Samuelson 1955 die neoklassische Synthese vor…

Paul Samuelson
Paul A. Samuelson (1997)

…In dieser Weltanschauung ist eine hohe Arbeitslosigkeit nur ein vorüber-gehendes Phänomen, welches durch die langsame Anpassung der Geld-löhne und -preise verursacht wird.

In Samuelsons Vision bleibt die Wirtschaft kurzfristig keynesianisch, wenn einige Löhne und Preise rigide sind. Sie ist dagegen auf lange Sicht klassisch, wenn alle Löhne und Preise Zeit zur Anpassung haben…

…Obwohl Samuelsons neoklassische Synthese ordentlich und aufgeräumt erschien, hatte sie doch nicht viel mit der Vision der Allgemeinen Theorie zu tun…

…In Keynes Vorstellung gibt es keine Tendenz der Wirtschaft, sich selbst zu korrigieren. Sich selbst überlassen kann sich eine Marktwirtschaft nie von einer Depression erholen und die Arbeitslosenquote kann daher auch für immer zu hoch bleiben.

Im Gegensatz dazu sorgt die Erwerbslosigkeit in Samuelsons neoklassischer Synthese dafür, dass Geldlöhne und -preise sinken. Wenn Geldlohn und Geldpreis fallen, steigt dadurch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Vollbeschäftigung wird wiederhergestellt, auch wenn die Regierung keine Korrekturmaßnahmen ergreift.

Indem er die Lohn- und Preisanpassung in seine Theorie drängte, führte Samuelson klassische Ideen durch die Hintertür wieder ein – ein Kunstgriff, der den Zeitgenossen von Keynes in Cambridge, England, nicht verborgen blieb. Joan Robinson bezeichnete Samuelsons Vorgehen daher auch passenderweise als »Bastard-Keynesianismus«.

Die Agenda des Neukeynesianismus ist ein Kind der neoklassischen Synthese und wie das IS-LM-Modell vor ihr erbt sie die Fehler der Bastard-Keynesianer. Es fehlen zwei keynesianische Schlüssel-Konzepte: (1) es existieren durchaus verschiedene Gleichgewichts-Arbeitslosenquoten und (2) Erwartungen sind fundamental…

(eigene Übersetzung eines Blogbeitrages des amerikanischen Ökonomen Roger E. A. Farmer)

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