
Eine Regierung, die einen Überschuss erzielt, liquidiert buchstäblich entweder ihr eigenes Land oder ein anderes, in welches sie Kredite vergeben oder investiert hat.
Tweet von Chris Cook, Direktor des Nordic Enterprise Trust
Schulden werden umgangssprachlich meist mit Verbindlichkeiten gleichgesetzt, also mit Rückzahlungsverpflichtungen von natürlichen oder juristischen Personen gegenüber Dritten.
In der Ökonomie gilt der Grundsatz, dass den Schulden Vermögen in gleicher Höhe gegenüberstehen.

Eine Regierung, die einen Überschuss erzielt, liquidiert buchstäblich entweder ihr eigenes Land oder ein anderes, in welches sie Kredite vergeben oder investiert hat.
Tweet von Chris Cook, Direktor des Nordic Enterprise Trust
Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Macht im Deutschen Reich ergriffen, befand sich die deutsche Wirtschaft als Folge der Weltwirtschaftskrise noch in einem komatösen „Tiefschlaf“.

Die Industrieproduktion betrug nur noch etwa die Hälfte des Vorkrisenstandes von 1928 und neue Investitionen konnten nur noch zu einem Drittel den Ersatzbedarf decken. Die Zahl der Erwerbslosen wuchs erneut, vergleichbar mit dem vorangegangenen Winter, auf über sechs Millionen, jede dritte Arbeitskraft war ohne Beschäftigung.
Ein paar Worte von Francesco Saraceno zum neuesten World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (eigene Übersetzung):

Saraceno schrieb in seinem Blogbeitrag, dass er bereit wäre zu wetten, dass der letzte IWF World Economic Outlook, welcher am 14. April in Washington vorgestellt wurde, ein gewisses Aufsehen um den Inhalt einer einzelnen Text-Box erzeugen werde. Es handele sich dabei um Kasten 3.5, auf Seite 36 im Kapitel 3, welches seitdem auf der Website verfügbar ist.

Im Januar 2015 führte Deutschland endlich einen allgemein gültigen Mindestlohn von 1.473,- Euro ein, etwa auf dem Niveau des irischen Mindestlohns und etwas höher als das des französischen. Das Gehaltsminimum in Griechenland beträgt 684,- Euro, und ist damit erheblich höher als die 390,- Euro in Estland, aber deutlich unter der 757,- Euro-Grenze in Spanien (Eurostat-Daten hier).
Die Eurostat-Statistiker weisen darauf hin, dass Griechenland das einzige Land war, das seinen Mindestlohn zwischen 2008 und 2015 (-19%) verringert hat. Es ist interessant, Griechenland mit den anderen Ländern unter der Austeritätsfuchtel zu vergleichen, die ja angeblich ein so leuchtendes Beispiel für Griechenland sein sollen.
Eine Senkung der Mindestlöhne ist dabei eindeutig kein Patentrezept, wenn es um das Beschäftigungs- wachstum geht.
(eigene Übersetzung eines Beitrages des Real-World Economics Review Blog)

Ich will nicht um etwas bitten oder jemandem zur Last fallen.
Jeden Morgen aber sehe ich meinen Sohn mit zerrissenen Schuhen und ich muss mich wieder neu überdenken. Habe ich ein Recht auf Würde, oder habe ich das vor zwei Jahren zusammen mit meinem Job verloren?H. An.
Im vierten Teil dieser Serie hatten wir festgestellt, dass in der Verbindung zwischen der Struktur der Wirtschaft und dem Wirtschaftswachstum die weniger marktorientierten Volkswirtschaften deutlich besser als die stärker marktorientierten abschnitten.

Auch bei dieser Betrachtungsweise als Form der komparativen Statik bleibt demnach die Forderung nach Strukturreformen zur Lösung der Rezession im Japan der 1990er Jahre weiterhin unbegründet. Eine zweite Hypothese im Sinne der neoliberalen Effizienztheorie hat stattdessen die dynamische Performance der Wirtschaft im Auge.
Teil 5: Führen Deregulierung und Liberalisierung zu mehr Wachstum?
Es gilt also die Frage zu klären, inwieweit sich Strukturreformen auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Dies ist natürlich eines der Hauptargumente der gängigen orthodoxen Ansichten: Strukturveränderungen hin zu mehr unreglementierten Märkten werden das wirtschaftliche Wachstum erhöhen.
Interessant ist das schon, was da gerade wieder rund um die griechische Schuldenkrise abläuft.

Von Moral und Schuld wird geredet, die Gleichsetzung von Täter, Sünder und „Schuldner“ bleibt ein immer wieder bemühtes Narrativ zur Verurteilung der Kreditnehmer, Schulden sind in der öffentlichen Diskussion weiterhin ein erheblicher moralischer Makel.
In den Teilen Eins, Zwei und Drei dieser Serie haben wir festgestellt, dass auch die neoklassische Wachstumstheorie nicht als Rechtfertigung für Strukturreformen als Lösung für die Rezession im Japan der 1990er Jahre herangezogen werden kann.

Warum aber sollte dann überhaupt ein Land mittels Privatisierung, Deregulierung, Liberalisierung seine Wirtschaftsstruktur verändern und neoliberale Märkte schaffen?
Teil 4: Analyse der These der effizienten Märkte
Einen weiteren Ansatzpunkt für eine mögliche Beantwortung dieser Frage bildet die neoklassische Effizienztheorie als Grundlage der sogenannten Wohlfahrtsökonomik. Diese baut auf einem Satz von speziellen Annahmen auf, nach denen die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft pareto-effizient ist.
Zu diesen Annahmen gehören die perfekte Information aller Wirtschaftssubjekte, stets perfekte und komplette Märkte, der Wegfall jeglicher Transaktionskosten und -gebühren sowie das Nichtauftreten externer Effekte. Nur unter diesen Bedingungen können Eingriffe, beispielsweise durch die Regierung, die allokative Effizienz beeinträchtigen.

Wie sonst sind die Bilanzen in den Provinzen eines jeden Reiches jemals ausgeglichen worden, wenn nicht durch die Kraft dieses Prinzips, welches es dem Geld unmöglich macht, seinen Wert zu verlieren und über den Anteil der Arbeit und der Waren, die es in jeder Provinz gibt, hinaus entweder zu sinken oder zu steigen?
…
Jeder Mann, der an diesem Tag durch ganz Europa reist, kann sehen, das aufgrund der Warenpreise sich der Wert des Geldes nahezu überall, trotz der absurden Eifersucht der Fürsten und Staaten, fast auf dasselbe Niveau gebracht hat; und dass die Differenz zwischen einem Reich und einem anderen in dieser Hinsicht nicht größer ist als häufig zwischen den verschiedenen Provinzen desselben Reichs.
aus dem Kapitel ‘Of the Balance of Trade’ aus „Essays, Moral, Political and Literary“ des schottischen Philosophen David Hume
Was zählt, so argumentiert Hume hier, ist die „Kunst und Industrie“ jeder Nation – oder Provinz. Die ausgleichenden Ströme mögen geblockt sein – „wie jeder Körper aus Wasser über das Niveau des umgebenden Elements erhöht werden kann“ – aber real ist real und Bilanzen sind Bilanzen. Wenn es einen großen und anhaltenden Handelsbilanzüberschuss in einem Bereich gibt, und es erfolgen keine Wechselkursanpassungen, sind die Folgen für die Kapitalbilanz unvermeidlich.
Trotzdem werden wir wohl noch jede Menge mehr „absurder Eifersucht“ erleben können, bevor die Saga der Eurozone zu Ende ist.
(eigene Übersetzung aus einem Blogbeitrag von The Enlightened Economist)
In den Teilen Eins und Zwei wurde versucht zu belegen, dass nachlassende Produktivität gemäß der neoklassischen Wachstumstheorie nicht als Grund für tiefschürfende Strukturreformen zur Bekämpfung der Krise in Japan nach den 1990er Jahren herangezogen werden kann.

Allgemein gibt es aber noch ein weiteres Argument, um die wachstumstheoretische Basis der Strukturreformtheorie zu unterlegen: neben mangelnder Produktivität könnte auch eine Knappheit bei den Produktionsfaktoren für ein zu niedriges Wirtschaftswachstum verantwortlich sein.
Teil 3: Angebotsengpässe aufgrund der Knappheit der Produktionsfaktoren?
Um diese Behauptung zu überprüfen, ist es notwendig festzustellen, ob in den 1990er Jahren die japanischen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit, Kapital und Technologie weniger wurden oder ihr Wachstum sank.
Da Japan in dieser Zeit weder Land gewann noch verlor, kann eine Verringerung des Faktors Boden von vornherein ausgeschlossen werden. Ähnlich sieht es mit der Bevölkerungsentwicklung aus: die Anzahl der Bewohner nahm während der 1990er Jahre nicht ab. Obwohl das Wachstum geringer wurde, gab es in den zwei Jahrzehnten zuvor viel größere Einschnitte bei der Zunahme der Bevölkerung, ohne das diese Entwicklung sich auf das Wirtschaftswachstum auswirkte.