Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 7: Die Elemente der Kreditmechanik

Nachdem wir uns in den ersten Teilen dieser Reihe (Teil 1 bis Teil 6) damit beschäftigt haben, welches Investitionsvolumen beschäftigungspolitisch in einer geschlossenen Volkswirtschaft wünschenswert wäre, soll es nun um die Faktoren gehen, die den Kreditbedarf zur Finanzierung eben dieses Volumens beeinflussen.

Geldschöpfung

Volkswirtschaftlicher Kreditbedarf / Finanzierungsbedarf der Unternehmen
Grafik: Wolfgang WALDNER & C.G.BRANDSTETTER

In seinem Werk „Zins, Kredit und Produktion“ (1952) zeigte sich Wilhelm Lautenbach überzeugt davon, dass eine solche Feststellung der Bestimmungsgründe des Kreditbedarfs nur durch die theoretische Konstruktion möglich sei.

Denn selbst wenn man zu einem gegebenen Zeitpunkt im Wege der Bilanzstatistik von sämtlichen Unternehmen eine genaue Statusanalyse über die Vorräte an Betriebsstoffen, liquiden Mitteln sowie ihren Produktionsplanungen und Investitionsabsichten habe, wüßte man doch nicht, wie hoch denn eigentlich ihr Kreditbedarf sei.
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Die Krise der Schwellenländer: das alte Problem mit Carry Trades und flexiblen Wechselkursen

Krise war gestern? Von wegen! Wer die aktuellen Schlagzeilen der letzten Wochen zu den fast panischen Vorgängen in vielen Schwellenländern liest, bekommt wieder einmal vorgeführt, dass die Finanzkrise mitnichten schon vorbei ist:

Aktien: Anleger brauchen in Schwellenländern Nerven | ZEIT ONLINE
Kapitalabflüsse: Die Krise springt auf weitere Schwellenländer über – Devisen & Rohstoffe – FAZ

Euro exchange rate to ZAR
Aufwertung des Euro-Wechselkurses zum Südafrikanischen Rand

Wieder einmal schaut man verwundert auf das Verhalten vieler Anleger. Galten die sogenannten Emerging Markets nicht vor kurzem noch als die Wachstumsregion schlechthin?
Hatte nicht jeder Analyst diese Länder auf dem Schirm, wenn es darum ging, gewinnbringende Anlageformen zu „erschließen“?
Waren die Schwellenländer nicht die Verheißung für jeden Investor, der an der Niedrigzinspolitik der Industriestaaten förmlich verzweifelte?

Doch was ist daraus geworden?
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Deutschland 1999 bis 2004: Die wahre Geschichte vom „kranken Mann“ Europas

„Vom kranken Mann Europas zum Musterknaben“
Immer wieder, wenn auch nur leise Kritik an der deutschen Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte geäußert wird, wenn wieder einmal jemand den deutschen Exportüberschuss kritisiert und in der deutschen Lohnzurückhaltung einen Hauptgrund für die derzeitige Krise der Euroländer sieht, wird sie hervorgeholt:

Stamp Germany 2002 MiNr2234 Euroeinführung
Deutsche Briefmarke zur Euroeinführung

Die Erzählung vom kranken Mann Europas, der sich mit schmerzlichen und ein-schneidenden Reformen fit gemacht und nun dadurch die Rolle der „Wachstums-lokomotive“ in der Europäischen Union übernommen habe.

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Say’s Law: Der große Irrglaube der Angebotstheoretiker

Um zum Wachstum zurückzukehren, brauchen wir eine Angebotspolitik. Diese stimuliert auch die Nachfrage.

François Hollande auf einer Pressekonferenz am 14.01.2014

François Hollande - meeting PS de Besançon (10-04-2012) - 1

Nun ist also passiert, was manche Beobachter seit einiger Zeit erwartet hatten. Mit den obigen Worten kündigte Frankreichs Präsident François Hollande Mitte Januar eine Wende in seiner Wirtschaftspolitik an. Es soll ab jetzt ein unternehmerfreundlicherer Kurs für mehr Wachstum sorgen und die Arbeitslosigkeit senken:
Frankreichs Präsident: Hollande entlastet Arbeitgeber um 30 Milliarden Euro
Die Konzentration auf eine wirtschaftsfreundliche Politik soll demnach also auch die Nachfrage anregen.

Woher kennen wir aber diesen Satz?

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Über die Unterschiede einzel- und gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge

„Private Laster, öffentliche Vorteile“
Mit diesem Untertitel veröffentlichte der Niederländer Bernard Mandeville bereits 1705 seine vieldiskutierte Streitschrift „The Fable of the Bees: or, Private Vices Publick Benefits“, in der er die provozierende These aufstellte, dass nicht die Tugend, sondern das Laster der eigentliche Ursprung des Gemeinwohls sei.

Die in diesem Buch erstmals bekannt gewordene Ansicht, dass für Gesamtheiten in der Wirtschaft manchmal etwas ganz anderes gilt als für die einzelnen Teile dieser Gesamtheit, wird noch heute als das Mandeville-Paradox bezeichnet und stellt einen wichtigen Grundsatz der ökonomischen Wissenschaften dar.

The Fable of the Bees, by Bernard Mandeville (title page)

Doch Mandeville beschränkte seine Aussagen nur auf einen ganz besonderen Fall, den Wolfgang Stützel so charakterisierte:

Wenn ein einzelner lasterhaft seine Ausgaben vermehrt, vermindert er damit seine Möglichkeiten, weitere Ausgaben zu machen, verkleinert er sein Geldvermögen und erscheint als Verschwender.
Wenn aber alle sich so verhalten, schaffen sie gerade durch die vermehrten Ausgaben sich wechselseitig auch vermehrte Einnahmen und damit auch schon die Möglichkeit zu weiteren höheren Ausgaben.

Stützel: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik (1978), S. 16

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 6: der beschäftigungs- politisch optimale Zins

Nachdem ich in Teil 5 dieser Serie die Auswirkungen von Zinsveränderungen auf den Umfang und die Art der Investitionen erläutert habe, geht es nun weiter mit dem Versuch der Feststellung, welcher Zins als „richtig“ oder „normal“ angesehen werden kann.

Bundesarchiv Bild 183-1990-1001-001, Nordhausen, Kurzarbeit / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Unbestritten ist wohl die Ansicht, dass dies der Zins sein sollte, der die Investitionen auf das als richtig angesehene Ausmaß mehr oder weniger automatisch „steuert“.
Da stellt sich nun natürlich als erstes die Frage: Was aber ist vor allem im Hinblick auf das Beschäftigungsvolumen das richtige Maß an Investitionen?

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 5: Zins, Investition und Beschäftigung

Für die Untersuchung der Bedeutung eines unabhängig gegebenen Zinses auf Investitionen und Beschäftigungsvolumen erweiterte Wilhelm Lautenbach das aus dem ersten Teil dieser Serie bekannte Modell um den Einfluß eines ebensolchen Zinssatzes.

Frankfurt EZB-Neubau by Epizentrum (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Weiterhin betrachtete er dabei die bisher als ebenfalls unabhängig angenommene Spartätigkeit der Nichtunternehmer genauer.
Ziel der Untersuchung sollte die Beantwortung der Frage sein, wie hoch der Zins sein müßte, um die Unternehmer zu Investitionen in der für die optimale Beschäftigung notwendigen Größenordnung zu veranlassen.

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 4: Die Zusammenhänge zwischen Investieren und Sparen

In den bisherigen Beiträgen (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) wurde folgende These von Wilhelm Lautenbach nachvollzogen:

Die bisherigen Ausführungen haben erwiesen, daß die Gesamtmasse des Unternehmergewinnes jeweils eindeutig bestimmt wird positiv durch den Aufwand für Investitionen und den Eigenverbrauch der Unternehmer, negativ durch die Ersparnisse der Nichtunternehmer. Diese Beziehung wird verwirklicht durch den Preismechanismus. Die Preise sind unter dem Einfluß dieser gegensätzlich wirkenden Faktoren so eingestellt, daß der Unternehmergewinn in der angegebenen Höhe als Differentialgewinn erzielt wird.

Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 32

Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes ziehen wir wieder das Schaubild der Kostenaufteilung der Produktion der Verbrauchsgüterindustrie zu Rate:

Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsgütern
(Abbildung selbst erstellt)

Dabei zeigt sich, dass die Gesamtmasse des Unternehmergewinns, der erzielt werden muss, damit die Grenzproduzenten gerade noch existieren können, abhängig ist von dem Verlauf der Gesamtangebotskurve. Je steiler diese ist, desto größer fällt dieser aus, je flacher, desto geringer muss der Unternehmergewinn sein.

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 3: Unternehmereinkommen und Unternehmergewinn

Den in den ersten beiden Beiträgen (Teil 1, Teil 2) festgestellten Zusammenhang zwischen Unternehmergewinn, Investitionen und Beschäftigung hatte Lautenbach in seinem Werk Zins, Kredit und Produktion mit zwei Säulendiagrammen dargestellt.

Definition des Unternehmergewinns als Soll-Einkommen

Die erste Grafik (siehe unten) betrachtete dabei den Teil des Bruttoinlandsproduktes, der von der Verbrauchsgüterindustrie innerhalb einer bestimmten Periode hergestellt und an die Verbraucher abgesetzt wurde, dargestellt in der linken Säule als Gesamtsumme der Herstellungskosten V.

Anteile von Faktorkosten, Abschreibungen und Unternehmergewinn an den abgesetzten Verbrauchsgütern
(Abbildung selbst erstellt)

Der Einfachheit halber ging Lautenbach davon aus, dass Produktion und Absatz an die Verbraucher gleich bleiben und auch durch die Lagerhaltung von Händlern und Unternehmern nicht beeinflußt werden, d. h. Zu- und Abgänge der Depots sich insgesamt die Waage halten.

Die für die Produktion notwendigen Vorprodukte sowie alle dabei entstandenen Kosten für die beteiligten Produktionsfaktoren (Löhne, Gehälter, Steuern und Zinszahlungen u. a.) sind im Diagramm als Faktorkosten F bezeichnet, die durch den Verschleiß der Produktionsanlagen zu veranlagenden Abschreibungen mit A.

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 2: Unternehmergewinn und Beschäftigungsvolumen – mathematische Formeln

Den ersten Teil dieser Reihe beendete ich mit der Feststellung, dass aufgrund der Unmöglichkeit, im Vorhinein das Gesamteinkommen der Unternehmer der Höhe nach festzulegen, eine Aussteuerung der Volkswirtschaft auf einen Gleichgewichtspunkt undurchführbar sei.

Diese Erkenntnisse hatte Wilhelm Lautenbach passend in einem nur scheinbar paradoxen Satz zusammengefaßt:

Die Nachfrage der Unternehmer ist nicht eine Funktion ihres Einkommens, sondern umgekehrt, ihr Einkommen ist eine Funktion ihrer Nachfrage.

Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 24

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