Wer würde das akzeptieren? Regierungen mit eigenen Währungen sind nur durch die Ressourcen begrenzt, nicht durch die Geldmenge

„Die Notwendigkeit zum Haushaltsausgleich ist ein Aberglaube…ein Mythos. Es ist wie eine religiöse Lehre, die dazu verwendet wird, um Menschen an eine bestimmte Sache glauben zu lassen.“ (Paul Samuelson)

Wahlkampfzeiten dienen oft als eine Erinnerung daran, wie schwierig es eigentlich ist, die durch populäre Illusionen getrübte öffentliche Debatte zu durchdringen. Versucht man es trotzdem – und das gilt dann für alle, die die vorherrschenden neoliberalen Dogmen zerstreuen wollen – so wird man feststellen, dass sich die öffentliche Wahrnehmung wenn überhaupt anscheinend nur quälend langsam verändert.

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Die wirtschaftswissenschaftlichen Institute müssten eigentlich jede Menge Rauchmelder installieren…

Balliol Croft, Cambridge 27. ii. 1906
Mein lieber Bowley
Ich weiß, dass ich in den späteren Jahren meiner Arbeit das wachsende Gefühl hatte, dass ein gutes mathematisches Theorem, welches sich mit ökonomischen Hypothesen beschäftigte, selten auch gute Wirtschafts- wissenschaften darstellte.

Alfred Marshall
Der britische Ökonom Alfred Marshall (1842 – 1924)

Und so begann ich mehr und mehr nach folgenden Regeln zu arbeiten:
(1) Verwende die Mathematik nur als ein Hilfsmittel, anstatt sie zum Motor der Forschungsarbeit zu machen. (2) Halte dich daran, bis du fertig sind. (3) Übersetze alles in lesbare Sprache. (4) Veranschauliche dann anhand von Beispielen, die im wirklichen Leben wichtig sind. (5) Verbrenne die Mathematik. (6) Wenn du Punkt 4 nicht erfolgreich abschließen kannst, verbrenne alles ab 3. Diesen Schritt habe ich in letzter Zeit sehr oft ausgeführt…

Mit leeren Händen
Dein Alfred Marshall

(eigene Übersetzung aus einem Blogbeitrag des schwedischen Ökonomen und Wirtschaftshistorikers Lars Syll)

Update vom 04.11.2016:
Ein aktueller Bezug gefällig? Bitteschön: nach der vernichtenden Kritik von Norbert Häring an dem Jahresgutachten 2016 der sogenannten 5 „Wirtschaftsweisen“ dünkt es mir, als hätten sich diese „Weisen“ (zumindest die vier neoliberalen davon) vor der Veröffentlichung auch besser an Punkt 6 der Empfehlung von Alfred Marshall halten sollen…

Makroökonomische Politik und Wahlen in den dreißiger Jahren: Deutschland (und die Niederlande) während der Großen Depression

Der französische Anlageberater und Finanzmakler Erwan Mahe kritisierte schon seit einigen Jahren wiederholt die Politik der EZB sowie der deutschen Regierung in der Eurokrise.


Wachstum des Bruttosozialproduktes (GDP) und Inflationsraten
in Deutschland und den Niederlanden, 1922-1939

Er verglich diese Situation mit der Endphase der Entwicklung in der Weimarer Republik und veranschaulichte mit obiger Grafik, dass es nicht die Hyperinflation von 1923 war, die die Deutschen damals dazu brachte, die Nationalsozialisten zu wählen, sondern die wirtschaftliche Depression Anfang der 1930er Jahre.

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Mehr über den Kollaps der Beschäftigung in Kansas

Mal wieder ein Blick auf das republikanische Experiment in Kansas:


Abbildung 1: zivile Erwerbstätige (blau) und nicht-landwirtschaftliche Lohnbeschäftigung (rot) in Kansas, in 100.000, saisonbereinigt, Rezessionsphasen grau hinterlegt, Quelle: BLS und NBER

Beachtlich ist, dass die Unternehmensreihe der Lohnbeschäftigung (rot) sich nun nicht nur unterhalb ihres jüngsten Höhepunkts befindet, sondern auch die Spitze in der letzten Rezession -wenn auch nur knapp- unterschreitet. Der Kontrast zur nationalen Performance wird in diesem Beitrag gezeigt.

Die etwas breiter gefasste Serie über sämtliche Haushalte (blau), die auch die Beschäftigung im Agrarbereich umfasst, liegt ebenfalls unter dem Höchststand während der letzten nationalen Rezession nach der Definition der NBR. Wenn man bedenkt, dass im Jahr 2015 die Bevölkerung von Kansas um etwa 3,7% größer war als 2008, dann ist dies schon eine wirklich bemerkenswerte Leistung, die eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

(eigene Übersetzung eines Blogbeitrages des amerikanischen Ökonomen Menzie Chinn)

PS: Noch mehr dazu in diesem Beitrag: The Kansas Economy: Three Pictures

Wilhelm Lautenbach: Kapitalbildung und Sparen – Teil 1

Kaum eine andere Frage der Nationalökonomie ist so verwickelt und zugleich so um- stritten wie das Problem der Kapitalbildung und des Sparens.

Bundesarchiv Bild 183-1982-0114-501, Berlin, Jägerstraße, Reichsbank
Die Reichsbank in der Werderstraße, Berlin 1933

Eine richtige und plastische Anschauung von dem Sachverhalt gewinnt man nur, wenn man sich den ganzen Wirtschaftskreislauf vorstellt, und so würde eine erschöpfende Behandlung des Problems eine Darlegung der gesamten ökonomischen Theorie, besonders der Geld- und Kredittheorie, erfordern.

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Über die verlorene Freizeit unseres Lebens

John Maynard Keynes lag schon richtig mit seiner Vorhersage, dass wir weniger arbeiten werden, doch er überschätzte, wie lange dieser Trend tatsächlich anhalten würde.

Week-end pleasure
Freizeit-Vergnügen im Garten

„Drei Stunden am Tag sind genug“, schrieb Keynes 1930 in seinem Essay „Economic Possibilities for our Grandchildren“ (dt.: Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für unsere Enkelkinder).

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Noah Smith: Die unfreiwilligen Opfer des Freihandels

Wenn Menschen über Nutzen und Schäden des freien Handels sprechen, beziehen sie sich in der Regel auf den Arbeitsmarkt. Das macht Sinn, da der Verlust seines Jobs einen sehr großen Einfluss auf das Leben einer Person hat.


Entwicklung der Nahrungsmittelpreise in den USA seit 2000
im Verhältnis zum allgemeinen Preisniveau

Auch wenn man dann einen anderen Job findet, benötigt das Zeit und Geld und verursacht viel Stress. Es stört das gewohnte Leben, und manchmal findet man keinen so guten Job wie den, den man vorher hatte.

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Paul Krugman: Was haben wir aus der Krise gelernt?

Nach Ansicht der meisten Chronologen begann die weltweite Finanzkrise im Juli 2007, als die BNP Paribas Auszahlungen aus zweien ihrer Fonds einstellte, das moderne Äquivalent einer Bank, die ihre Türen verriegelte.

Paul Krugman-press conference Dec 07th, 2008-7
Der „Nobel“-Preisträger Paul Krugman während einer
Pressekonferenz 2008 in Stockholm

Zu Beginn des Jahres 2008 hatte sich die finanzielle Panik zu einer globalen Rezession entwickelt; nach dem Ende von Lehman im September desselben Jahres geriet sie in einen freien Fall. Und diese Nachbeben wirken noch nach bis heute: obwohl die schlimmsten direkten Folgen bereits Mitte 2009 endeten, war das Wirtschaftswachstum danach im Allgemeinen geringer als vor der Krise, so dass die Weltwirtschaft bisher nie den verlorenen Boden wiedergutmachen konnte.

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Roland Kaiser: Mit Steuern kann man steuern, was für eine Gesellschaft man bekommt, ob es gerecht oder ungerecht zugeht

„Ich bin ein großer Freund der Sozialen Marktwirtschaft – so wie es die Gründerväter der Bundesrepublik wollten: sozial also groß geschrieben.“ Es bedrücke ihn, „wie heute die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht“. Kaiser: „Da versagt die Politik.“

Kaisermania
Schlagersänger Roland Kaiser bei den Filmnächten am Elbufer

Er jedenfalls mache sich große Sorgen, dass die zunehmende soziale Spaltung das Land gefährdet. Und es ärgere ihn, dass die Politik dagegen ernsthaft nicht handele. So verstehe er nicht, weshalb es in Deutschland keine Vermögensteuer gebe, schließlich gebe es die überall, „bei uns aber nicht, da macht man darum ein Mordsgewese“.

Er selbst, so Kaiser, sei heute „auf der Sonnenseite des Lebens“ – und deshalb auch bereit, mehr Steuern zu bezahlen – „um gute Schule zu haben, gute Krankenhäuser, funktionierende Feuerwehren“. Denn „mit Steuern kann man steuern, was für eine Gesellschaft man bekommt, ob es gerecht oder ungerecht zugeht.“

Schlagerstar Roland Kaiser politisch und gesellschaftskritisch im stern

Auch wenn ich seiner Musik nicht wirklich etwas abgewinnen kann, für diese Aussagen muss ich mich dann doch tief vor ihm verbeugen und sagen: Respekt, Herr Kaiser!

Zurück in die Zukunft? Lektionen über Ungleichheit, Arbeitsmärkte und Konflikte aus dem Gilded Age für die Gegenwart

Der heutige Arbeitsmarkt in den USA hat viel gemeinsam mit dem des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Damals wie heute gab es nur wenige Gesetze zum Schutz der Arbeiter, dafür Ängste gegenüber billigen ausländischen Arbeitskräften, dem raschen technologischen Wandel und der zunehmenden Marktkonzentration.

Pullman strikers outside Arcade Building
Die Nationalgarde von Illinois und streikende Arbeiter während des
Pullman Eisenbahner-Streiks 1894

Dieser Beitrag untersucht die Lehren, die aus diesem früheren „Gilded Age“ gezogen werden können. Die Ergebnisse legen nahe, dass, auch wenn die Märkte eine größere Rolle bei der Zuweisung von Arbeit spielen, trotzdem rechtliche und politische Institutionen weiterhin die Verhandlungsmacht von Unternehmen und Arbeitnehmern mitgestalten werden.

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