Fed St. Louis: Tragen steigende Aktienkurse zur Ungleichheit der Einkommen bei?

Die Einkommensungleichheit in den USA begann in den 1970er Jahren zu steigen und Gewinne am Aktienmarkt haben diese Entwicklung begleitet, so das Ergebnis eines aktuellen Essays der Economic Synopses der Fed St. Louis.


Langfristiger Vergleich des Gini-Koeffizienten der USA und des S&P 500 Index

Deren Assistant Vice President und Ökonom Michael Owyang sowie Senior Research Associate Hannah Shell haben festgestellt, dass die Reichen von dem Anstieg der Aktienkurse und Kapitalerträge mehr als andere profitieren konnten, da sie einen besseren Zugang zu den Märkten haben.

Sie schrieben: „So wie die Aktienkurse und Kapitalerträge gestiegen sind, dürften gerade die Wohlhabenden mehr Nutzen davon gehabt haben als andere Individuen, die ihre Einkommen aus Arbeit generieren.“

Die obige Abbildung zeigt die Aktienkurse (gemessen am S&P 500 Index) im Vergleich zum Gini-Koeffizienten, der ein Maß für die Einkommensungleichheit darstellt. (Ein Gini-Koeffizient von 0 bedeutet, dass die Einkommen vollkommen gleich sind, während ein Koeffizient von 1 die vollkommen ungleiche Einkommensverteilung repräsentiert.)

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ungleichheit in den 1970er Jahren zu steigen begann. Das Congressional Budget Office schätzt, dass zwischen 1979 und 2011:
• Die Markteinkommen um durchschnittlich 16 Prozent in den vier unteren Quintilen zunahmen.
• Sie wuchsen um 56 Prozent für das 81. bis 99. Perzentil.
• Sie stiegen jedoch um 174 (!!) Prozent für das Top-1 Prozent.

Bezogen auf die Aktienrenditen nahm der S&P 500 Index von 92 Punkten im Jahr 1977 auf über 1.476 Punkte im Jahr 2007 zu. Im Vergleich dazu wuchs er nur um 50 Prozent in den 30 Jahren zuvor. Die Autoren stellten fest: „Durch die steigenden Aktienkurse wurden die Gewinne überproportional zu den Reichen umverteilt. Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen, die auch weniger Vermögen besitzen, setzen dagegen ihre Ersparnisse viel seltener den höheren Risiken der Aktienmärkte aus.“

Owyang und Shell schlussfolgerten: „Der Anstieg der Einkommensungleichheit in den 1970er Jahren wurde bereits teilweise durch Gewinne an der Börse begleitet. Zusammenhänge zwischen Aktienkursen und Einkommensungleichheit ergeben sich aus der Tatsache, dass die Gewinne aus den Aktienmärkten in der Regel dem reichsten Teil der Gehaltsbezieher zugute kommen, da diese einen besseren Zugang zu und eine höhere Beteiligung an diesen Anlagemärkten haben.“

(eigene Übersetzung eines Blogbeitrages der Federal Reserve Bank von St. Louis)

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