Große Auslandsvermögen sind immer eine schlechte Idee, meint der Bonner Ökonom Moritz Schularick. Die Deutschen sollten sich deshalb tunlichst nicht auf ihren gigantischen Auslandsüberschüssen ausruhen. Die Mär vom Exportweltmeister sei eher als Stammtisch-Parole aus Wirtschaftswunderzeiten zu betrachten.
„Das Verständnis ökonomischer Zusammenhänge in der deutschen Öffentlichkeit hinkt dem anderer Länder deutlich hinterher.“
Veröffentlichung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft auf YouTube
Ökonomie
Die Ökonomie (Wirtschaftswissenschaft) ist die Lehre von der Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung der Nachfrage dienen.
Die Krise der Schwellenländer: das alte Problem mit Carry Trades und flexiblen Wechselkursen
Krise war gestern? Von wegen! Wer die aktuellen Schlagzeilen der letzten Wochen zu den fast panischen Vorgängen in vielen Schwellenländern liest, bekommt wieder einmal vorgeführt, dass die Finanzkrise mitnichten schon vorbei ist:
Aktien: Anleger brauchen in Schwellenländern Nerven | ZEIT ONLINE
Kapitalabflüsse: Die Krise springt auf weitere Schwellenländer über – Devisen & Rohstoffe – FAZ
Aufwertung des Euro-Wechselkurses zum Südafrikanischen Rand
Wieder einmal schaut man verwundert auf das Verhalten vieler Anleger. Galten die sogenannten Emerging Markets nicht vor kurzem noch als die Wachstumsregion schlechthin?
Hatte nicht jeder Analyst diese Länder auf dem Schirm, wenn es darum ging, gewinnbringende Anlageformen zu „erschließen“?
Waren die Schwellenländer nicht die Verheißung für jeden Investor, der an der Niedrigzinspolitik der Industriestaaten förmlich verzweifelte?
Doch was ist daraus geworden?
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Sigmar Gabriels Jahreswirtschaftsbericht: Alles wird gut?

Gabriel erwartet Beschäftigungsrekord
Der deutschen Wirtschaft geht es gut und dadurch entstehen immer mehr Arbeitsplätze. 2014 wird ein Beschäftigungsrekord erreicht, wie Sigmar Gabriel verkünden will.
Arbeitsmarkt: Gabriel erwartet Beschäftigungsrekord | ZEIT ONLINE
Na also, da ist die große Koalition erst knapp einen Monat im Amt, schon sind die entscheidenden Weichen in Sachen Wirtschaft gestellt. Soll doch noch mal jemand sagen, die Politiker würden nicht liefern.
Sigmar Gabriel zumindest, seines Zeichens neuer Bundeswirtschaftsminister, hat nun in Form des ersten Jahreswirtschaftsberichtes seiner Amtszeit geliefert. Von „Beschäftigungsrekord“, einem Wachstum von 1,8 Prozent und dass „das Wachstum 2014 ausschließlich von der Binnennachfrage getragen werde“ ist da die Rede. Ach ja, und natürlich darf auch die altbekannte Floskel „der deutschen Wirtschaft geht es gut“ nicht fehlen.
Deutschland 1999 bis 2004: Die wahre Geschichte vom „kranken Mann“ Europas
„Vom kranken Mann Europas zum Musterknaben“
Immer wieder, wenn auch nur leise Kritik an der deutschen Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte geäußert wird, wenn wieder einmal jemand den deutschen Exportüberschuss kritisiert und in der deutschen Lohnzurückhaltung einen Hauptgrund für die derzeitige Krise der Euroländer sieht, wird sie hervorgeholt:

Deutsche Briefmarke zur Euroeinführung
Die Erzählung vom kranken Mann Europas, der sich mit schmerzlichen und ein-schneidenden Reformen fit gemacht und nun dadurch die Rolle der „Wachstums-lokomotive“ in der Europäischen Union übernommen habe.
Say’s Law: Der große Irrglaube der Angebotstheoretiker
Um zum Wachstum zurückzukehren, brauchen wir eine Angebotspolitik. Diese stimuliert auch die Nachfrage.
François Hollande auf einer Pressekonferenz am 14.01.2014
Nun ist also passiert, was manche Beobachter seit einiger Zeit erwartet hatten. Mit den obigen Worten kündigte Frankreichs Präsident François Hollande Mitte Januar eine Wende in seiner Wirtschaftspolitik an. Es soll ab jetzt ein unternehmerfreundlicherer Kurs für mehr Wachstum sorgen und die Arbeitslosigkeit senken:
Frankreichs Präsident: Hollande entlastet Arbeitgeber um 30 Milliarden Euro
Die Konzentration auf eine wirtschaftsfreundliche Politik soll demnach also auch die Nachfrage anregen.
Woher kennen wir aber diesen Satz?
Über die Unterschiede einzel- und gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge
„Private Laster, öffentliche Vorteile“
Mit diesem Untertitel veröffentlichte der Niederländer Bernard Mandeville bereits 1705 seine vieldiskutierte Streitschrift „The Fable of the Bees: or, Private Vices Publick Benefits“, in der er die provozierende These aufstellte, dass nicht die Tugend, sondern das Laster der eigentliche Ursprung des Gemeinwohls sei.
Die in diesem Buch erstmals bekannt gewordene Ansicht, dass für Gesamtheiten in der Wirtschaft manchmal etwas ganz anderes gilt als für die einzelnen Teile dieser Gesamtheit, wird noch heute als das Mandeville-Paradox bezeichnet und stellt einen wichtigen Grundsatz der ökonomischen Wissenschaften dar.

Doch Mandeville beschränkte seine Aussagen nur auf einen ganz besonderen Fall, den Wolfgang Stützel so charakterisierte:
Wenn ein einzelner lasterhaft seine Ausgaben vermehrt, vermindert er damit seine Möglichkeiten, weitere Ausgaben zu machen, verkleinert er sein Geldvermögen und erscheint als Verschwender.
Wenn aber alle sich so verhalten, schaffen sie gerade durch die vermehrten Ausgaben sich wechselseitig auch vermehrte Einnahmen und damit auch schon die Möglichkeit zu weiteren höheren Ausgaben.Stützel: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik (1978), S. 16
Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 6: der beschäfti-gungspolitisch optimale Zins
Nachdem ich in Teil 5 dieser Serie die Auswirkungen von Zinsveränderungen auf den Umfang und die Art der Investitionen erläutert habe, geht es nun weiter mit dem Versuch der Feststellung, welcher Zins als „richtig“ oder „normal“ angesehen werden kann.
![Bundesarchiv Bild 183-1990-1001-001, Nordhausen, Kurzarbeit / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/77/Bundesarchiv_Bild_183-1990-1001-001%2C_Nordhausen%2C_Kurzarbeit.jpg)
Unbestritten ist wohl die Ansicht, dass dies der Zins sein sollte, der die Investitionen auf das als richtig angesehene Ausmaß mehr oder weniger automatisch „steuert“.
Da stellt sich nun natürlich als erstes die Frage: Was aber ist vor allem im Hinblick auf das Beschäftigungsvolumen das richtige Maß an Investitionen?
Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 5: Zins, Investition und Beschäftigung
Für die Untersuchung der Bedeutung eines unabhängig gegebenen Zinses auf Investitionen und Beschäftigungsvolumen erweiterte Wilhelm Lautenbach das aus dem ersten Teil dieser Serie bekannte Modell um den Einfluß eines ebensolchen Zinssatzes.
![Frankfurt EZB-Neubau by Epizentrum (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b7/Frankfurt_EZB-Neubau.20130909.jpg)
Weiterhin betrachtete er dabei die bisher als ebenfalls unabhängig angenommene Spartätigkeit der Nichtunternehmer genauer.
Ziel der Untersuchung sollte die Beantwortung der Frage sein, wie hoch der Zins sein müßte, um die Unternehmer zu Investitionen in der für die optimale Beschäftigung notwendigen Größenordnung zu veranlassen.
Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 4: Die Zusammenhänge zwischen Investieren und Sparen
In den bisherigen Beiträgen (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) wurde folgende These von Wilhelm Lautenbach nachvollzogen:
Die bisherigen Ausführungen haben erwiesen, daß die Gesamtmasse des Unternehmergewinnes jeweils eindeutig bestimmt wird positiv durch den Aufwand für Investitionen und den Eigenverbrauch der Unternehmer, negativ durch die Ersparnisse der Nichtunternehmer. Diese Beziehung wird verwirklicht durch den Preismechanismus. Die Preise sind unter dem Einfluß dieser gegensätzlich wirkenden Faktoren so eingestellt, daß der Unternehmergewinn in der angegebenen Höhe als Differentialgewinn erzielt wird.
Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 32
Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes ziehen wir wieder das Schaubild der Kostenaufteilung der Produktion der Verbrauchsgüterindustrie zu Rate:

(Abbildung selbst erstellt)
Dabei zeigt sich, dass die Gesamtmasse des Unternehmergewinns, der erzielt werden muss, damit die Grenzproduzenten gerade noch existieren können, abhängig ist von dem Verlauf der Gesamtangebotskurve. Je steiler diese ist, desto größer fällt dieser aus, je flacher, desto geringer muss der Unternehmergewinn sein.
„Konsumrausch“ endet (mal wieder) als Neujahrs-Kater
Im Übrigen werde das deutsche Wirtschaftswachstum bereits maßgeblich von der Nachfrage im Inland getragen.
Zeit-Online: US-Finanzminister Lew kritisiert deutsche Handelsüberschüsse
Ganz lapidar und mit größter Selbstverständlichkeit bringt auch ZEIT-ONLINE im letzten Satz des obigen Artikels die steigende Inlandsnachfrage als Standardargument gegen die immer weiter zunehmende internationale Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen.

Doch leider ist es ausgerechnet das Statistische Bundesamt, welches mit einer Pressemitteilung zum Einzelhandelsumsatz 2013 diese Behauptung größtenteils als „heiße Luft“ enthüllt.
