
Eine Regierung, die einen Überschuss erzielt, liquidiert buchstäblich entweder ihr eigenes Land oder ein anderes, in welches sie Kredite vergeben oder investiert hat.
Tweet von Chris Cook, Direktor des Nordic Enterprise Trust
Die Ökonomie (Wirtschaftswissenschaft) ist die Lehre von der Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung der Nachfrage dienen.

Eine Regierung, die einen Überschuss erzielt, liquidiert buchstäblich entweder ihr eigenes Land oder ein anderes, in welches sie Kredite vergeben oder investiert hat.
Tweet von Chris Cook, Direktor des Nordic Enterprise Trust
Greg Mankiw deutet dies in einem Artikel[1] an, und behauptet, dass alle Ökonomen sich darin einig wären, dass es so ist. Aber eigentlich ist es das nicht. Wer sagt das? Ökonomen.

Insbesondere das Arbeitspferd der Theorie des internationalen Handels, das Hecksher-Ohlin-Theorem führt direkt zum Stolper-Samuelson-Theorem, welches zeigt, dass, wenn Länder anfangen Handel miteinander zu treiben, sich relativ häufig genutzte Produktionsfaktoren in jedem Land besser entwickeln als die relativ selten genutzten Faktoren.
Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Macht im Deutschen Reich ergriffen, befand sich die deutsche Wirtschaft als Folge der Weltwirtschaftskrise noch in einem komatösen „Tiefschlaf“.

Die Industrieproduktion betrug nur noch etwa die Hälfte des Vorkrisenstandes von 1928 und neue Investitionen konnten nur noch zu einem Drittel den Ersatzbedarf decken. Die Zahl der Erwerbslosen wuchs erneut, vergleichbar mit dem vorangegangenen Winter, auf über sechs Millionen, jede dritte Arbeitskraft war ohne Beschäftigung.
Ein paar Worte von Francesco Saraceno zum neuesten World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (eigene Übersetzung):

Saraceno schrieb in seinem Blogbeitrag, dass er bereit wäre zu wetten, dass der letzte IWF World Economic Outlook, welcher am 14. April in Washington vorgestellt wurde, ein gewisses Aufsehen um den Inhalt einer einzelnen Text-Box erzeugen werde. Es handele sich dabei um Kasten 3.5, auf Seite 36 im Kapitel 3, welches seitdem auf der Website verfügbar ist.
In der deutschen Industrie stiegen die Lohnstückkosten im Jahr 2013 um mehr als 3 Prozent. Sie lagen damit um 12 Prozent höher als im Vorkrisenjahr 2007.
…
In langfristiger Betrachtung zeigt sich, dass sich die Lohnstückkosten hierzulande ungünstiger entwickelten als im Ausland: Im Zeitraum 1991 bis 2013 stiegen sie in Deutschland um insgesamt 12 Prozent, während sie im Ausland sowohl in nationaler Währung als auch auf Euro-Basis leicht nachgaben. Der Blick auf die Lohnstückkosten liefert somit keine Belege für ein Lohndumping in Deutschland.Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): Produktivität und Lohnstückkosten der Industrie im internationalen Vergleich

So oder ähnlich lauten die überwiegend aus dem Arbeitgeberlager vorgebrachten Argumente, wenn es mal wieder um die hohen Überschüsse des deutschen Außenhandels und den Vorwurf geht, diese wären vor allem durch Lohn- und Kostendumping der deutschen Wirtschaft erkauft.
Man verweist dann wie das Institut der deutschen Wirtschaft oben gern auf den Vergleich der Lohnstückkosten der Industrie, um damit zu belegen, dass es mit der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen (Gesamt-)Wirtschaft gar nicht so weit her sei.
Doch was ist eigentlich dran an dieser Argumentation?

Im Januar 2015 führte Deutschland endlich einen allgemein gültigen Mindestlohn von 1.473,- Euro ein, etwa auf dem Niveau des irischen Mindestlohns und etwas höher als das des französischen. Das Gehaltsminimum in Griechenland beträgt 684,- Euro, und ist damit erheblich höher als die 390,- Euro in Estland, aber deutlich unter der 757,- Euro-Grenze in Spanien (Eurostat-Daten hier).
Die Eurostat-Statistiker weisen darauf hin, dass Griechenland das einzige Land war, das seinen Mindestlohn zwischen 2008 und 2015 (-19%) verringert hat. Es ist interessant, Griechenland mit den anderen Ländern unter der Austeritätsfuchtel zu vergleichen, die ja angeblich ein so leuchtendes Beispiel für Griechenland sein sollen.
Eine Senkung der Mindestlöhne ist dabei eindeutig kein Patentrezept, wenn es um das Beschäftigungs- wachstum geht.
(eigene Übersetzung eines Beitrages des Real-World Economics Review Blog)

Ich will nicht um etwas bitten oder jemandem zur Last fallen.
Jeden Morgen aber sehe ich meinen Sohn mit zerrissenen Schuhen und ich muss mich wieder neu überdenken. Habe ich ein Recht auf Würde, oder habe ich das vor zwei Jahren zusammen mit meinem Job verloren?H. An.
Im vierten Teil dieser Serie hatten wir festgestellt, dass in der Verbindung zwischen der Struktur der Wirtschaft und dem Wirtschaftswachstum die weniger marktorientierten Volkswirtschaften deutlich besser als die stärker marktorientierten abschnitten.

Auch bei dieser Betrachtungsweise als Form der komparativen Statik bleibt demnach die Forderung nach Strukturreformen zur Lösung der Rezession im Japan der 1990er Jahre weiterhin unbegründet. Eine zweite Hypothese im Sinne der neoliberalen Effizienztheorie hat stattdessen die dynamische Performance der Wirtschaft im Auge.
Teil 5: Führen Deregulierung und Liberalisierung zu mehr Wachstum?
Es gilt also die Frage zu klären, inwieweit sich Strukturreformen auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Dies ist natürlich eines der Hauptargumente der gängigen orthodoxen Ansichten: Strukturveränderungen hin zu mehr unreglementierten Märkten werden das wirtschaftliche Wachstum erhöhen.
1. Die „Schaffer von Arbeitsplätzen“ sind CEOs, Unternehmen und die Reichen, deren Steuern möglichst gering sein müssen, um sie dazu zu bewegen, mehr Arbeitsplätze ins Leben zu rufen.

Blödsinn. Die eigentlichen Beschäftigungsantreiber sind die große Mittelschicht und die Armen, deren Ausgaben die Unternehmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen veranlassen. Gerade deshalb sind die Erhöhung des Mindestlohns, der Schutz vor ausufernden Überstunden, die Erweiterung des Earned Income Tax Credit (Einkommenssteuer-Gutschrift) und die Verringerung der Steuern für die Mittelklasse dringend notwendige Instrumente zur Konjunkturbelebung.
Interessant ist das schon, was da gerade wieder rund um die griechische Schuldenkrise abläuft.

Von Moral und Schuld wird geredet, die Gleichsetzung von Täter, Sünder und „Schuldner“ bleibt ein immer wieder bemühtes Narrativ zur Verurteilung der Kreditnehmer, Schulden sind in der öffentlichen Diskussion weiterhin ein erheblicher moralischer Makel.