Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 12: Zentralbankzins und Devisenbilanz

In den bisherigen Beiträgen dieser Reihe waren wir zu dem Schluß gekommen, dass in einem modernen Bankensystem die Politik der Zentralbank den Kreditinstituten die Richtung für ihr Handeln vorgibt.

Ist die Zentralbank „mit dem Markt in Fühlung“ (so formulierte es Wilhelm Lautenbach in seinem Werk “Zins, Kredit und Produktion” (1952)), so bedeutet die Festlegung des Zinssatzes ein eindeutiges Signal, das auch dementsprechend von der Kreditwirtschaft beachtet wird.

Hauptverwaltung Frankfurt der Deutschen Bundesbank

In den Zeiten des Goldstandards hatte die Notenbank diese Nähe zum Markt in der Regel fast automatisch, die Zentralbanker konnten ruhigen Gewissens bei der Festlegung des Zinssatzes behaupten, sie würden nur dem Markt gehorchen.

Bei Gold- und Devisenabfluß erhöhten sie den Zinssatz und die Banken hatten keine andere Wahl, als sich dieser Maßnahme sofort anzupassen, weil sie unter den gegebenen Umständen selber die Notenbank stärker beanspruchen mussten.
Dies bedeutete nichts anderes, als dass sie, um die von ihren Kunden angeforderten Devisen bezahlen zu können, gezwungen waren, sich selbst bei der Zentralbank höher zu verschulden.

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Internationaler studentischer Aufruf für eine plurale Ökonomik

Am 05.05.2014 veröffentlichten Studentengruppen aus zahlreichen Ländern folgenden Aufruf für eine plurale Ökonomik:

Unser Motto ist Pluralismus.

Wir sind eine Initiative von Studierenden der Ökonomie aus 19 Ländern weltweit. Unser Ziel ist eine offene, vielfältige und plurale Volkswirtschaftslehre.

International Student Initiative for Pluralism in Economics


Heiner Flassbeck (damals UNCTAD) auf der Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Göttingen 2012.

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 11: Wertpapierkäufe und Bankenliquidität

In diesem Beitrag geht es um die Auswirkungen, die bestimmte Umdispositionen der Sparer auf die Bestände an Bankeinlagen haben. Legen nämlich diese Sparer ihre Vermögen, die als Scheck- oder Sparguthaben bei den Banken hinterlegt sind, in Wertpapieren an oder geben sie als Kredite heraus, so reduziert sich damit das Kreditvolumen der Banken.

Frankfurt Am Main-Neue Boerse von Suedosten-20120222

Bemerkenswert ist es nach Wilhelm Lautenbach dabei, dass durch solche Vorgänge keinerlei Veränderungen bei den laufenden Ersparnissen eintreten, stattdessen sich aber die Liquidität der Banken verbessert.

Dies geschieht dadurch, dass es zumeist die Bankendebitoren, also die Schuldner der Banken sind, die Wertpapiere verkaufen. Damit nimmt logischerweise das Bankenkreditvolumen ab, die Banken werden also weniger herangezogen, wenn die Bankeinlagen sinken.

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 10: Bargeldbedarf, Bankenliquidität und der Zentralbankzins

Nachdem wir im letzten Beitrag die Prinzipien der freien Zinsbildung kennengelernt haben, soll es nun um die Auswirkungen einer Veränderung des Bedarfs an baren Zahlungsmitteln auf die Inanspruchnahme des Bankensystems und demnach auch der Notenbank gehen.

Euro coins and banknotes

Nach Wilhelm Lautenbach hat die Veränderung der Beanspruchung sowohl der Banken als auch der Zentralbank durch die Zunahme oder Abnahme der Bargeldnachfrage hauptsächlich nur technische Bedeutung, wenn sie auf folgenden Gründen basiert:

1. Änderungen in der Kassenhaltung
Diese treten immer dann auf, wenn Private oder Unternehmer mehr Bargeld bei gleichbleibenden Umsätzen und Einnahmen/Einkommen in ihren „Kassen“ zurückhalten. Dazu zählt auch das Geld „im Strumpf“ oder auch „unter dem Kopfkissen“. Eine solche Veränderung kann wirtschaftlich rational und damit durchaus gerechtfertigt erscheinen, wenn man Nachteile und Unbequemlichkeiten einer „knappen“ Kasse vermeiden will.

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Geldpolitik und die säkulare Stagnation

Die Federal Reserve steuert bekanntlich direkt den kurzfristigen Zinssatz. Aber ihre eigentliche Priorität liegt auf der Kontrolle der Inflation sowie der Inflationserwartungen.

Federal Reserve
Der Hauptsitz der Federal Reserve in Washington, DC

Als Maßstab gilt der Fed, langfristig das Ziel einer 2-prozentigen Inflation zu erreichen, und der bevorzugte Preisindex ist dabei die Kerninflationsrate der privaten Konsumausgaben, welche die volatilen Nahrungsmittel-und Energiesektoren ausblendet (in den USA als Core PCE bezeichnet).

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 9: Die freie Zinsbildung

In diesem Beitrag soll es nun um die Bildung des Zinssatzes ohne Manipulationen gehen, also darum wie das Steigen oder Sinken des Zinses entsteht. Dazu wenden wir uns den Bankzinsen zu, und da besonders dem Kontokorrentkredit als Beispiel für die Art und Weise, wie der Zins in der praktischen Wirtschaft ermittelt und berechnet wird.

LeitzinsenDE

Die naheliegende Antwort, dass er von dem Diskontsatz der Zentralbank abhängig sei, ist zwar grundsätzlich richtig, soll uns aber hier nicht ausreichen. Es geht mehr um das allgemeine Prinzip, mit dem die Zinsen der Bank vom Diskontsatz der Notenbank abhängen und wie wiederum der Diskontsatz selbst bestimmt wird.

Oder wie es Wilhelm Lautenbach recht treffend formulierte:

Und irgendein solches regulierendes Prinzip muß es ja geben, weil sonst die Willkür herrschte, die das Chaos gebiert.

Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 59

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Säkulare Stagnation und die Vermögensungleichheit

Der amerikanische Ökonom Alvin Hansen führte den Begriff der „säkularen Stagnation“ in den 1930er Jahren ein. Seine Hypothese wurde von Lawrence Summers im November 2013 während einer Konferenz des IWF wieder zur Sprache gebracht.

Lawrence Summers, Davos
Lawrence Summers 2007 in Davos

Summers‘ Rede erzeugte eine heftige Diskussion, und das aus einem gutem Grund. Seiner Ansicht nach war die Große Rezession symptomatisch für ein längerfristiges Problem:
eine nachweisbare, trotz niedriger Realzinsen permanent unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage

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Alternative Wirtschaftstheorie – Teil 8: Lautenbachs Kritik an der klassischen Zinstheorie

Mit den getätigten Schlussfolgerungen aus den ersten sieben Teilen dieser Serie stellte Wilhelm Lautenbach die klassische Zinstheorie fundamental in Frage.

Money crunch (3209512811)

Die Grundlage seiner Kritik war dabei die Klärung der Behauptung, die klassische Theorie der Bildung und Leistung des Zinses könne für die geschlossene Wirtschaft irgendwelchen Erklärungswert haben.

Nach Lautenbach erklärt die klassische Zinstheorie den Begriff Kapital als sogenannte „vorgetane“ Arbeit, damit sind im weitesten Sinne die durch Arbeit entstandenen Produktionsmittel (Gebäude, Maschinen und Anlagen) gemeint.
Das Kapitalangebot soll dabei von der Gesamtmenge der Ersparnisse bestimmt werden, die auch als ein Vorrat an Mitteln zum Lebensunterhalt (Subsistenzmittel) verstanden werden, die von den Sparern nicht unmittelbar konsumiert wurden.

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Die erste Weltwirtschaftskrise 1857 und ihr erstaunlich schnelles Ende

Über die Ursachen der Wirtschaftskrise von 1857, aus der schließlich die erste echte Krise der Weltwirtschaft erwuchs, ist im Zuge der Aufarbeitung der globalen Wirtschaftskrise seit 2007 schon einiges geschrieben worden:

1857 panic

Der tickende Zusammenbruch | WOZ Die Wochenzeitung, Weltwirtschaft: Alles ist weg | ZEIT ONLINE oder sehr ausführlich in Die „erste“ Weltwirtschaftskrise 1857-1859 | Texte zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

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