Große Auslandsvermögen sind immer eine schlechte Idee, meint der Bonner Ökonom Moritz Schularick. Die Deutschen sollten sich deshalb tunlichst nicht auf ihren gigantischen Auslandsüberschüssen ausruhen. Die Mär vom Exportweltmeister sei eher als Stammtisch-Parole aus Wirtschaftswunderzeiten zu betrachten.
„Das Verständnis ökonomischer Zusammenhänge in der deutschen Öffentlichkeit hinkt dem anderer Länder deutlich hinterher.“
Veröffentlichung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft auf YouTube
Schulden
Schulden werden umgangssprachlich meist mit Verbindlichkeiten gleichgesetzt, also mit Rückzahlungsverpflichtungen von natürlichen oder juristischen Personen gegenüber Dritten.
In der Ökonomie gilt der Grundsatz, dass den Schulden Vermögen in gleicher Höhe gegenüberstehen.
Die Krise der Schwellenländer: das alte Problem mit Carry Trades und flexiblen Wechselkursen
Krise war gestern? Von wegen! Wer die aktuellen Schlagzeilen der letzten Wochen zu den fast panischen Vorgängen in vielen Schwellenländern liest, bekommt wieder einmal vorgeführt, dass die Finanzkrise mitnichten schon vorbei ist:
Aktien: Anleger brauchen in Schwellenländern Nerven | ZEIT ONLINE
Kapitalabflüsse: Die Krise springt auf weitere Schwellenländer über – Devisen & Rohstoffe – FAZ
Aufwertung des Euro-Wechselkurses zum Südafrikanischen Rand
Wieder einmal schaut man verwundert auf das Verhalten vieler Anleger. Galten die sogenannten Emerging Markets nicht vor kurzem noch als die Wachstumsregion schlechthin?
Hatte nicht jeder Analyst diese Länder auf dem Schirm, wenn es darum ging, gewinnbringende Anlageformen zu „erschließen“?
Waren die Schwellenländer nicht die Verheißung für jeden Investor, der an der Niedrigzinspolitik der Industriestaaten förmlich verzweifelte?
Doch was ist daraus geworden?
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Say’s Law: Der große Irrglaube der Angebotstheoretiker
Um zum Wachstum zurückzukehren, brauchen wir eine Angebotspolitik. Diese stimuliert auch die Nachfrage.
François Hollande auf einer Pressekonferenz am 14.01.2014
Nun ist also passiert, was manche Beobachter seit einiger Zeit erwartet hatten. Mit den obigen Worten kündigte Frankreichs Präsident François Hollande Mitte Januar eine Wende in seiner Wirtschaftspolitik an. Es soll ab jetzt ein unternehmerfreundlicherer Kurs für mehr Wachstum sorgen und die Arbeitslosigkeit senken:
Frankreichs Präsident: Hollande entlastet Arbeitgeber um 30 Milliarden Euro
Die Konzentration auf eine wirtschaftsfreundliche Politik soll demnach also auch die Nachfrage anregen.
Woher kennen wir aber diesen Satz?
Über die Unterschiede einzel- und gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge
„Private Laster, öffentliche Vorteile“
Mit diesem Untertitel veröffentlichte der Niederländer Bernard Mandeville bereits 1705 seine vieldiskutierte Streitschrift „The Fable of the Bees: or, Private Vices Publick Benefits“, in der er die provozierende These aufstellte, dass nicht die Tugend, sondern das Laster der eigentliche Ursprung des Gemeinwohls sei.
Die in diesem Buch erstmals bekannt gewordene Ansicht, dass für Gesamtheiten in der Wirtschaft manchmal etwas ganz anderes gilt als für die einzelnen Teile dieser Gesamtheit, wird noch heute als das Mandeville-Paradox bezeichnet und stellt einen wichtigen Grundsatz der ökonomischen Wissenschaften dar.

Doch Mandeville beschränkte seine Aussagen nur auf einen ganz besonderen Fall, den Wolfgang Stützel so charakterisierte:
Wenn ein einzelner lasterhaft seine Ausgaben vermehrt, vermindert er damit seine Möglichkeiten, weitere Ausgaben zu machen, verkleinert er sein Geldvermögen und erscheint als Verschwender.
Wenn aber alle sich so verhalten, schaffen sie gerade durch die vermehrten Ausgaben sich wechselseitig auch vermehrte Einnahmen und damit auch schon die Möglichkeit zu weiteren höheren Ausgaben.Stützel: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik (1978), S. 16
Vorspiel zur Krise auch in Deutschland: „Bad Bank“ sorgt 2003 für Aufregung
Es ist nun schon zehn Jahre her, da erschien folgender Artikel im Handelsblatt:
24.02.2003 | Aktualisiert 23.10.2008, 12:14 Uhr
Indiskretion nach Spitzentreffen
„Bad Bank“ sorgt für AufregungDiskussionen um eine Auffanggesellschaft für notleidende Kredite deutscher Institute schrecken die gesamte Finanzbranche auf. Der hochbrisante Vorschlag wurde bei der jüngsten Kanzlerrunde mit Spitzenkräften aus der Banken- und der Versicherungsbranche gemacht.
von H.-J. Knipper, R. Langraf, M. Maisch, HandesblattIndiskretion nach Spitzentreffen: „Bad Bank“ sorgt für Aufregung – Handelsblatt
![Skyline des Frankfurter Bankenviertels by Heptagon (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f1/Skyline_dtbank.jpg)
Skyline des Frankfurter Bankenviertels
Es ging dabei um ein Treffen hochrangiger Bankenfunktionäre mit den wichtigsten Politikern der damaligen Regierung, immerhin also der höchsten Ebene staatlicher Entscheidungsbefugnis.
Bundeskanzler Gerhard Schröder, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Finanzminister Hans Eichel sollten der Gründung einer Auffanggesellschaft für „notleidende“ Kredite deutscher Banken und Versicherungen zustimmen, so lautete der Vorschlag von Josef Ackermann, damals noch Vorstandschef der Deutschen Bank.
Vorspiel zur Krise: Long-Term Capital Management 1998
Sechs Stunden dauerte das Treffen der mächtigsten Bankiers und Spekulanten in der New Yorker Zentralbank.
Einige der größten Finanztycoone der Welt, darunter die Vorsitzenden bzw. Hauptteilhaber der Travelers Group bzw. Citigroup, von Goldman Sachs, von Merill Lynch, von J.P. Morgan & Co. und eines Dutzend weiterer Unternehmen, darunter auch der Deutschen Bank und der Dresdner Bank hatten sich dort eingefunden, um unter dem Vorsitz des Präsidenten der New Yorker Federal Reserve (Fed) zu tagen.

Na ja, denkt sich da der geneigte Leser, das kennen wir doch alles schon, diese Sitzungen gab es doch häufiger, um den fatalen Auswirkungen der globalen Finanzkrise ab 2007 zu begegnen.
Doch dieses Treffen fand bereits am 23. September 1998 statt, und es ging natürlich noch nicht um die Folgen der Finanzkrise, sondern „nur“ um die Auswirkungen des drohenden Zusammenbruchs des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM), dessen Eigenmittel in dramatischen Ausmaßen dahinschwanden.
Geldtheoretische Bestimmungsgründe für den Kapitalzinssatz und deren Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik
In meinem Beitrag Die duale Bedeutung des Geldes: Zahlungsmittel und Geldvermögen hatte ich die Beziehungen des modernen Geldwesens hauptsächlich anhand der Einnahmen-/Ausgabenrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen betrachtet.

Nahaufnahme einer Dollar-Banknote
Da es jedoch nicht unüblich ist, die gesamtwirtschaftlichen Zahlungs- und Geld-vermögensströme mit Hilfe der Einkommensrechnung darzustellen, soll hier nun eine entsprechende Transformation der salden- mechanischen Grundsätze erfolgen, wie sie schon Wolfgang Stützel in seinem Buch „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik“ vorgenommen hat.
Rogoffs Schuldenregel: Nicht der Rechenfehler sondern die falsche These ist das Problem
Ganz schön dreist: 90-Prozent-Regel: Harvard-Ökonom Rogoff wirft Kritikern Hexenjagd vor | ZEIT ONLINE

Rogoff 2002 als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF)
Worum geht’s da aber eigentlich?
Kenneth Rogoff, amerikanischer Ökonom an der Harvard Universität, entwickelte 2010 zusammen mit Carmen Reinhart in einem Essay die These, dass das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft sich dann stark verringere, wenn die Staatsverschuldung auf mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steige.
Die duale Bedeutung des Geldes: Zahlungsmittel und Geldvermögen
Als einen notwendigen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Geldtheorie hat Wolfgang Stützel die von ihm entwickelte Saldenmechanik angesehen. Ihr wesentlichstes Anwendungsgebiet in der Wirtschaftstheorie sollte dabei die Analyse von Änderungen des Nettogeldvermögens sein.

Zahlungsmittel Euro-Geldscheine
Begriff des Geldvermögens
Um den Begriff des „Geldvermögens“ zu definieren, erkannte Stützel die grundsätzliche Zweiteilung des Objektes „Geld“ im Sinne der Geldtheorie:
In Wirklichkeit zerfallen die Beziehungen im gegenwärtigen Geldwesen in zwei verschiedene Ebenen: Eine Ebene der Geldvermögensumschichtungen und eine Ebene der Zahlungsmittelumschichtungen. Infolgedessen zerfällt das früher … einheitliche Objekt „Geld“ in zwei verschiedene Objekte, nämlich a) Geldvermögen, b) Zahlungsmittelbestände…
Stützel: „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik” (1978, S. 70)
Der Mythos von der Tauschwirtschaft
Der Tausch ist eine sehr frühe Form des Handels. In seiner einfachsten Form werden zwei Güter direkt gegeneinander getauscht.

So wie auf der Wikipedia-Seite Geschichte des Geldes erklären uns volkswirtschaftliche Lehrbücher fast immer den Beginn der modernen Ökonomie, indem Menschen durch die Einführung von Geld die Tauschwirtschaft in einer arbeitsteiligen Gesellschaft wesentlich vereinfachten.
Geld ist entscheidend wichtig für das Funktionieren einer Marktwirtschaft. Stellen Sie sich vor, wie das Leben ohne Geld wäre. Die Alternative zur Geldwirtschaft ist Tausch, Menschen, die Güter und Dienstleistungen direkt, ohne Umweg über das Medium Geld, gegen andere Güter und Dienstleistungen tauschen. (Economics von Case, Fair, Gärtner und Heather 1996)
Doch stimmt das so überhaupt?
