Die beiden größten Fehler der ökonomischen Politik, über die John Maynard Keynes heute enttäuscht wäre

Der Keynes-Biograph Robert Skidelsky in einem Interview über die möglichen Gedanken des großen Ökonomen zu den Irrtümern der heutigen Wirtschaftswissenschaften:

Skidelsky, Morel, IEIS conference «The Politics of Virtue, the crisis of liberalism and the post-liberal future»

Zunächst wäre [Keynes] wohl frustriert aufgrund des Mangels an getroffenen Vorkehrungen, um einen enormen finanziellen Absturz, wie wir ihn im Jahr 2008 erlebten, zu verhindern. Zweitens glaubt Herr Skidelsky, dass Keynes nicht glücklich über die getroffenen politischen Maßnahmen nach dem Crash sein würde. Keynes hätte eine „tragfähigere Antwort“ haben wollen…

Julie Verhage über Skidelskys Gedanken in einem Artikel auf Bloomberg.com

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„Solide Finanzen“ – ein Kennzeichen hartnäckiger Ignoranz

Zu vielen konservativen und neoliberalen Politikern und Ökonomen scheint heute erneut ein Gespenst in den Vereinigten Staaten und Europa umzugehen – Regierungen verfolgen keynesianische Ideen, um eine Politik der Erhöhung der effektiven Nachfrage und der Förderung der Beschäftigung zu erreichen.

Michal Kalecki

Zu den beliebtesten Argumenten, um diese „Keynesophobics“ zu bekämpfen, gehören das Argument des „Vertrauens“ (siehe auch Die unsägliche Vertrauens-Fee) sowie die Lehre von den „Soliden Finanzen“.

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Das Konzept der Opportunitätskosten

Bedenke, dass Zeit Geld ist; wer täglich zehn Schillinge durch seine Arbeit erwerben könnte und den halben Tag spazieren geht oder auf seinem Zimmer faulenzt, der darf, auch wenn er nur sechs Pence für sein Vergnügen ausgibt, nicht dies allein berechnen, er hat neben dem noch fünf Schillinge ausgegeben oder vielmehr weggeworfen.

Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman, 1748

Zwei Wege trennten sich in einem Wald, und ich-
ich nahm den, auf dem nur wenige reisten,
Und das allein hat alles verändert.

Robert Frost, The Road Not Taken, 1916

Joint production possibilities in the Robinson Crusoe Economy
Gemeinsame Produktionsmöglichkeiten von Crusoe und Freitag in der Robinson-Crusoe-Wirtschaft

Was sind Opportunitätskosten?
Ökonomen sind berühmt dafür, untereinander uneins zu sein. Keynesianer diskutieren mit Monetaristen über Fiskalpolitik. Mitglieder der Chicago School, einschließlich einer Reihe von „Nobelpreisträgern“ befürworten ungehinderte freie Märkte, während das Argument für staatliche Eingriffe in die Wirtschaft von Ökonomen wie Paul Krugman, Amartya Sen und Joseph Stiglitz verfochten wird, die ebenfalls alle diesen Preis erhalten haben.

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Strukturreformen in Griechenland – ohne die nötige Vollbeschäftigung das falsche Mittel

Seit Wochen bestimmt nun schon der Disput um die Schulden Griechenlands und mögliche Lösungsformen für dieses Problem die öffentliche Diskussion in Europa und natürlich auch in Deutschland.

Panoramic skies over Oia Santorini island (Thira), Greece
Der blaue Himmel über Santorin, Griechenland

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Nachtrag zum Lautenbach-Plan: das Versagen von SPD und Konservativen ebnete Hitler den Weg

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Macht im Deutschen Reich ergriffen, befand sich die deutsche Wirtschaft als Folge der Weltwirtschaftskrise noch in einem komatösen „Tiefschlaf“.

Bundesarchiv Bild 102-02985A, Berlin, Fackelzug zur Machtergreifung Hitlers
Berlin, Fackelzug der SA zur Machtergreifung Hitlers
am Abend des 30. Januar 1933

Die Industrieproduktion betrug nur noch etwa die Hälfte des Vorkrisenstandes von 1928 und neue Investitionen konnten nur noch zu einem Drittel den Ersatzbedarf decken. Die Zahl der Erwerbslosen wuchs erneut, vergleichbar mit dem vorangegangenen Winter, auf über sechs Millionen, jede dritte Arbeitskraft war ohne Beschäftigung.

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Michal Kalecki und das „Vertrauen der Wirtschaft“

Zeiten der wirtschaftlichen Krisen sind auch immer Zeiten der Demaskierung ökonomischer Mythen. Heute wissen wir beispielsweise, dass geldpolitische Expansion nicht zu Hyperinflation führt und scharfe Ausgabeneinschnitte auch keine neuen Arbeitsplätze schaffen.

Michal Kalecki

Doch noch immer geistert der Mythos des „Vertrauens“ durch die wirtschaftspolitischen Debatten der Gegenwart. Wie oft wird vor dem Nachlassen der „Reformen“ gewarnt, da sonst angeblich das „Vertrauen der Wirtschaft“ sinken würde und ökonomische Unsicherheit gar schreckliche Folgen für das Gedeihen der Volkswirtschaften mit sich ziehen werde.

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Das größte Geheimnis der Makroökonomie: der enge Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation

Im internationalen Vergleich der Volkswirtschaften sind nicht die tatsächlichen Löhne, sondern die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten (d. h. die Löhne im Verhältnis zur Produktivität) die entscheidenden Faktoren.

Lohnstückkosten und Inflation

Zusammenhang zwischen Lohn- und Preisentwicklung (Flassbeck 2012)

mit freundlicher Genehmigung von diekriseverstehen.net
Grafik ursprünglich aus Flassbeck, H. (2012): Zehn Mythen der Krise, Berlin.

Und seit 60 bis 70 Jahren gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Lohnstückkostenwachstum und der Inflationsrate (der allerdings ebenso lange von Neoliberalen, Monetaristen, Österreichern, aber auch vielen Keynesianern beharrlich ignoriert wird).

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„Die Erkenntnis aus 6 Jahren ökonomischer Krisen? Keynes hatte doch recht“

Mark Thoma, Professor für Volkswirtschaft an der Universität von Oregon, zitiert auf seinem Blog Economist’s View den Ökonomen und Journalisten Anatole Kaletsky:

…Es… scheint angebracht zu sein, über die Lehren aus den seit der Krise von 2008 überall auf der Welt durchgeführten politischen Experimenten nachzudenken.

Demonstration in Patras (Griechenland) 2011

Die wichtigste Lehre ist, dass sich die Entscheidungen der Regierungen über Steuern und Staatsausgaben als sehr viel wichtigerer Antrieb für die wirtschaftliche Aktivität herausgestellt haben, ganz im Gegensatz zu den monetären Experimenten mit Nullzinsen und quantitativer Lockerung, die die Aufmerksamkeit von Medien und Märkten beherrscht haben.

… Während alle großen Wirtschaftsräume der Welt seit 2008 im wesentlichen der gleichen Geldpolitik gefolgt sind, war ihre Fiskalpolitik dagegen sehr unterschiedlich und die Divergenz in den Ergebnissen, vor allem wenn wir die Vereinigten Staaten und Europa vergleichen, ist genau das Gegenteil dessen gewesen, was uns durch die Rhetorik der meisten Politiker und Zentralbanker vorausgesagt worden war…

So haben die sechs Jahre seit 2008 eine starke empirische Unterstützung für die angeblich überholte keynesianische Ansicht geliefert, nach der staatliche Kreditaufnahme sehr viel kraftvoller als die Geldpolitik auf die Förderung schwer depressiver Volkswirtschaften wirkt…

Anatole Kaletsky (Reuters): The takeaway from six years of economic troubles? Keynes was right.

Abenomics: Ohne Lohnsteigerungen auf Dauer erfolglos

Keynesianer stöhnten erschrocken auf, während Monetaristen und Neoliberale eine gewisse Genugtuung offenbar nicht verhehlen konnten, denn die FAZ meldete dieser Tage: Japans Wirtschaft steckt in der Rezession.

Shinzo Abe, Prime Minister of Japan (9092387608)
Shinzo Abe, Premierminister von Japan

Handel, Dienstleistungen und Industrie im Land der aufgehenden Sonne sind im 3. Quartal 2014 überraschend geschrumpft, die umstrittene Reform-Strategie von Premierminister Shinzo Abe, Abenomics genannt, stehe angeblich vor dem Scheitern.

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Mythos New Deal – Teil 4: John Maynard Keynes und die Reformen des New Deal

Bereits in den 1920er Jahren hatte John Maynard Keynes als Dozent des King’s College in Cambridge sowie als wirtschaftspolitischer Berater der englischen Regierung und Teilnehmer an den Friedensgesprächen von Versailles einen enormen Bekanntheitsgrad erreicht. Seine Werke „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages“ (1919), „Ein Traktat über Währungsreform“ (1923) und vor allem seine große Abhandlung „Vom Gelde“ (1930) wurden öffentlich wahrgenommen und ausgiebig diskutiert.

John Maynard Keynes
John Maynard Keynes (1946)

Beim Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 gehörte Keynes zu den aufmerksamsten ökonomischen Beobachtern der darauf folgenden politischen und wirtschaftlichen Irrungen und Wirrungen. So verfolgte er auch sehr intensiv den von dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt eingeschlagenen Weg des New Deal, mit dem die „Große Depression“ in den USA überwunden werden sollte.

Als im Verlauf der Krise die Produktion weltweit massiv einbrach und die Arbeitslosenquoten immer weiter stiegen, erkannte auch Keynes, dass die damals vorherrschende klassische ökonomische Theorie keine funktionierenden Lösungen anbieten konnte.

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