Noch einmal: Solange Menschen sparen, sind Wachstum und Verschuldung notwendig

Eine Marktwirtschaft ist ein Wirtschaftskreislauf, in dem Geld und Güter als sogenannte „Ströme“ zirkulieren.

Einfacher Wirtschaftskreislauf

Entnimmt man diesem Kreislauf nun Geld, indem man etwa für die Altersvorsorge „spart“, so wird dadurch das Einkommen anderer Marktteilnehmer vermindert, da das entnommene Geld nicht mehr für den Erwerb von Gütern/Dienstleistungen zur Verfügung steht.

Es sind daher Investitionen der Unternehmer auf Kredit in neues Sachkapital notwendig, um den durch das Sparen fehlenden Geldbetrag auszugleichen. Da es aber erforderlich ist den Unternehmen einen Gewinn in Aussicht zu stellen, um sie überhaupt zu einer Investition zu bewegen, müssen die Erträge der erfolgreichen Investitionen höher ausfallen als der durch die Ersparnisse hervorgerufene Nachfrageausfall, die Wirtschaft muss also wachsen.

Deshalb muss auch die Menge an produzierten Investitionsgütern entsprechend größer sein als die fehlende Nachfrage nach Verbrauchsgütern. Würde weniger investiert, wäre das dabei erzeugte Verbrauchseinkommen nicht ausreichend, um diese Nachfragelücke zu schließen.

Dies würde zu sinkenden Preisen bei den Verbrauchsgütern führen und die Produktion müsste gedrosselt werden, was mit Entlassungen und einem schrumpfendem Beschäfti-gungsvolumen einhergehen würde.

Oder anders herum: Die Auswirkungen des Sparens der Nichtunternehmer ohne erfolgreiche Investitionen und Verschuldung sind eine sinkende Nachfrage und entsprechende Kapazitätsverringerungen der Unternehmen, die in der Folge zu Arbeitslosigkeit und damit zu weiterer Schwächung der Nachfrage führen.

In einer Marktwirtschaft muss demnach Geldsparen mittels Ausgabeüberschüssen, also mit gesamtsektoraler Nettokreditaufnahme kompensiert werden: gibt es keine ausreichend neue Kreditnachfrage, stehen dem Wirtschaftskreislauf eben nicht mehr ausreichend Geldmittel (= sinkende Nachfrage) zu Verfügung, da das Geld für die Kredittilgung nicht wieder zurück in diesen Kreislauf fließt.

Damit wird auch klar, warum eine Volkswirtschaft über die getätigten Investitionen auf Pump wachsen muss, um das vorhandene Beschäftigungsvolumen zumindest halten zu können.

Will man aber eine bereits vorhandene Erwerbslosigkeit bekämpfen, kommt man damit an Wirtschaftswachstum und entsprechender Verschuldungsbereitschaft überhaupt nicht mehr vorbei. Sparen dann die Privaten und will man nicht das Ausland in (wahrscheinlich nicht rückzahlbare) Schulden stürzen, so ist die „Schwarze Null“ nicht nur ein Fetisch, sondern auch gesamtwirtschaftlich gefährlich.

Offen und eine drängende Frage politischer Entscheidungen ist dann nur noch die Art und Weise, wie dieses Wachstum erreicht werden soll (z. B. als qualitatives oder ökologisches Wachstum).

Daher müssen sich alle Wachstumskritiker auch fragen lassen, ob sie bereit sind, weniger oder gar nicht mehr zu sparen, um Wirtschaftswachstum unnötig zu machen.

Die Art des Geldes (Giral- oder Bargeld) ändert dabei übrigens nichts am grundlegenden Problem, die mögliche Abschaffung des Bargeldes wäre also lediglich die Eröffnung eines weiteren (überflüssigen) Nebenkriegsschauplatzes.

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