Griechenland – Reformieren oder untergehen?

Vor einigen Tagen schrieb Francesco Saraceno einen interessanten Blog-Beitrag über seine Schwierigkeiten, das lästige tägliche Auf und Ab der Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika (aka den Institutionen) zu verfolgen.

Athens Streit-Street

Dabei fiel ihm vor allem auf, wie nahe sich die beiden Seiten in Bezug auf die umstrittenste Frage, nämlich die nach dem Primärüberschuss, eigentlich sind. Griechenland gab schon dem Verlangen der Gläubiger nach einem 1% igen Überschuss im Jahr 2015 weitestgehend nach, und beim Ziel für 2016 existiert noch ein Unterschied von etwa 0,5% (rund 900 Millionen Euro).

Zieht man aber nun in Betracht, wie oft die meisten Länder, nicht nur Griechenland, ihre Ziele in der Vergangenheit nicht vollkommen präzise erreicht haben, so sollte diese geringe Differenz eigentlich kein unüberbrückbares Hindernis darstellen.

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Bevor sein Stern aufging – Adam Smith, die Ayr Bank, sein unbekannter Rivale und das verlorene Wissen

Douglas, Heron & Company, im Volksmund als Ayr Bank bekannt, musste seine Türen aufgrund eines Bank Runs im Juni 1772 schließen.

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Früheres Hauptquartier der Royal Bank of Scotland

Eine Handvoll lokaler Adliger und Großgrundbesitzer hatte sie ein paar Jahre zuvor gegründet, um Modernisierungen in der im Südwesten Schottlands boomenden Leinenindustrie und im Tabakhandel finanzieren zu können.

Allerdings waren sie dabei sehr leichtsinnig und töricht bei der Kreditvergabe gewesen. Nachrichten, gemäß denen der Agent der Bank in London sich mit Aktien der East India Company verspekuliert hatte und nach Europa geflohen war, lösten einen Ansturm auf die Bank aus, der darüber hinaus zu einer landesweiten Panik führte.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – Sparen als Voraussetzung für Investition und Wachstum

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Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 2

Irrtum Nr. 2: Sparen als Voraussetzung für Investitionen und Wirtschaftswachstum
Dem Drängen auf die Schaffung von Anreizen für den Einzelnen, mehr zu sparen, wird allgemein nachgesagt die Investitionen und das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. Dabei scheint man von der Annahme einer unveränderten volkswirtschaftlichen Gesamtleistung auszugehen, so dass das, was nicht verzehrt wird zwangsläufig und automatisch zur Kapitalbildung verwendet wird.

Auch hier ist eigentlich das genaue Gegenteil der Fall. In einer Geldwirtschaft bedeutet für die meisten Menschen der Versuch, mehr zu sparen gleichzeitig die Entscheidung dafür, weniger auszugeben.

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Rechte Tasche, linke Tasche der europäischen Zentralbanken: das Unverständnis über die TARGET2-Salden geht weiter

Hans-Werner Sinn hat es wieder getan. Obwohl er bereits vor vier Jahren in der Diskussion um die TARGET2-Salden im Wesentlichen gescheitert war und eigentlich längst in den wichtigsten Punkten hätte zurückrudern müssen, wärmte er seine Thesen nun in einem ziemlich wirren Beitrag zur aktuellen griechischen Schuldendebatte wieder auf.

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Frankfurt am Main: Gebäudekomplex der Europäischen Zentralbank

Das Prinzip der TARGET2-Salden ist nicht ganz einfach zu verstehen. Auch Wikipedia hilft da nicht recht weiter, weil dieser Beitrag hauptsächlich von den (falschen) Ansichten von Hans-Werner Sinn geprägt ist, worauf aber nur in der etwas anderen englischen Version hingewiesen wird. Selbst die Bundesbank sorgt mit nebulösen Erläuterungen eher für weitere Verwirrung denn für echte Aufklärung.

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Die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen an die Gewerkschaften – Teil 1: Festlegung der Lohnsätze und Arbeitszeiten

Eine vor kurzem vom IWF vorgestellte Studie thematisierte den sinkenden Einfluss der Gewerkschaften in den Industrieländern und analysierte ihre Schwächen bei den Versuchen, eine gerechtere Einkommensverteilung zu erreichen.

Hamburg 1. Mai 2014 01

Diese Beurteilung der gewerkschaftlichen Arbeit durch eine eher als neoliberal bekannte internationale Institution möchte ich nun zum Anlass nehmen, einmal ein wenig zurückzublättern und anhand des 1982 erschienen Buches „Marktpreis und Menschenwürde“ von Wolfgang Stützel einen anderen Blick auf die Aufgaben der Gewerkschaften zu werfen.

Denn so manche damals gewonnene Erkenntnis ist heute nahezu verschollen und sollte vielleicht wiederbelebt werden, um in der aktuellen Diskussion über den Sinn und Zweck von Gewerkschaften neue Gesichtspunkte einzubringen.

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Pareto und der libertäre Weg zur Diktatur

Eine Situation, in der es keine Möglichkeit gibt einige Leute besser zu stellen ohne dass jemand gleichzeitig schlechter gestellt wird, wird oft als „Pareto optimal“ nach dem italienischen Wirtschaftswissenschaftler und politischen Theoretiker Vilfredo Pareto benannt, der das zugrunde liegende Konzept entwickelt hat.

Transformationskurve - Effizienzbereiche und Realisierungsmöglichkeiten im Modell
Pareto-Optimum als Transformationskurve zweier Güter

„Pareto optimal“ ist wohl die irreführendste Bezeichnung der Wirtschaftswissenschaften (und es gibt dafür viel Anwärter). Bevor dies hier näher erläutert wird, ist es allerdings notwendig, sich mit der weiteren Gedankenwelt Paretos auseinanderzusetzen, welche ihn am Ende sogar dazu führte, den Faschismus zu umarmen.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – über die Belastung zukünftiger Generationen

Dollar symbol

Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 1

Einleitung:
Ein Großteil der in Finanzkreisen vorherrschenden konventionellen ökonomischen Weisheit, weitestgehend als Grundlage für die Regierungspolitik und von den Medien und der Öffentlichkeit akzeptiert, basiert auf unvollständiger Analyse, kontrafaktischen Annahmen und falscher Analogie.

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Strukturreformen in Griechenland – ohne die nötige Vollbeschäftigung das falsche Mittel

Seit Wochen bestimmt nun schon der Disput um die Schulden Griechenlands und mögliche Lösungsformen für dieses Problem die öffentliche Diskussion in Europa und natürlich auch in Deutschland.

Panoramic skies over Oia Santorini island (Thira), Greece
Der blaue Himmel über Santorin, Griechenland

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Ist der Freihandel tatsächlich gut für alle?

Greg Mankiw deutet dies in einem Artikel[1] an, und behauptet, dass alle Ökonomen sich darin einig wären, dass es so ist. Aber eigentlich ist es das nicht. Wer sagt das? Ökonomen.

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Insbesondere das Arbeitspferd der Theorie des internationalen Handels, das Hecksher-Ohlin-Theorem führt direkt zum Stolper-Samuelson-Theorem, welches zeigt, dass, wenn Länder anfangen Handel miteinander zu treiben, sich relativ häufig genutzte Produktionsfaktoren in jedem Land besser entwickeln als die relativ selten genutzten Faktoren.

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