Mythen deutscher Wirtschaftspolitik: Frankreich, der neue kranke Mann Europas?

Louvre Museum Wikimedia Commons
Das Louvre-Museum mit Glaspyramide in Paris

Mitleidig wird hier zu Lande gen Frankreich geschaut. Dort beträgt die Arbeitslosenrate zehn Prozent. Was dabei übersehen wird: Jenseits des Rheins wird pro Tag wesentlich länger gearbeitet.

Würde der Durchschnittsfranzose pro Tag so wenig arbeiten wie in Deutschland, läge ihre Arbeitslosenquote genauso niedrig wie hier zu Lande, errechnet der Ökonom Fabian Fritzsche.

– Quelle: Berliner Zeitung: Flüchtlinge, Arbeitslose, Reiche – Die Zahlentricks der Statistiker

Frances Coppola: Staatsschulden sind nicht das was man glaubt was sie sind

Denn die öffentlichen Schulden sind keine Schulden im eigentlichen Sinne des Wortes.

US National Debt crop
„Schuldenuhr“ der US-Staatsverschuldung (im Jahr 2008)

Nun ja, eigentlich ist das so auch nicht ganz richtig. Lassen Sie uns das lieber gleich einwandfrei aufschlüsseln. Die Schulden der wirklich souveränen Regierungen, die ihre eigenen Währungen ausgeben, über funktionierende Zentralbanken verfügen und die volle Kontrolle über die Geldpolitik haben sind keine Schulden im herkömmlichen Sinne des Wortes.

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Die ricardianischen Mängel und Fehler – Teil 1

Joseph Schumpeter ekonomialaria
Der österreichische Ökonom und Politiker Joseph Schumpeter

Ricardos…oberstes Interesse war ein klares Ergebnis von direkter und praktischer Bedeutung. Um dies zu erreichen, zerlegte er das generelle System in einzelne Stücke, bündelte davon so große Teile wie möglich und „fror“ sie förmlich ein – sodass so viele Dinge wie nur irgend machbar krampfhaft als „feststehend“ und „gegeben“ vorausgesetzt werden sollten.

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Blick in die USA: Die Öffentlichkeit ist der irrigen Ansicht, dass sie eine geringe Inflation besonders mögen würde

Umfragen zeigen, dass die Öffentlichkeit offenbar der Ansicht ist, eine niedrige Inflation wäre besonders positiv. Aber das stimmt so einfach dann doch nicht.

Der Glaube, eine niedrige Inflation sei gut ist eine logische Folge der Fixierung auf Preisveränderungen, was allerdings tatsächlich fast immer eher eine schlechte Idee darstellt. So sollten wir sehr skeptisch sein, wenn die Öffentlichkeit behauptet, eine geringe Inflation besonders zu lieben.

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ZEIT online: Die deutschen Unternehmen freuen sich über den neuen französischen Präsidenten

2014.11.17 Emmanuel Macron Ministre de l economie de lindustrie et du numerique at Bercy for Global Entrepreneurship Week (7eme CAE conference annuelle des entrepreneurs)
Emmanuel Macron (2014)

Die deutsche Wirtschaft wünscht sich vom neuen französischen Präsidenten den Mut zu einem politischen Umbau im Nachbarland. „Wenn sich der Reformstau in Frankreich in den kommenden Jahren auflösen würde, wäre das ein ermutigendes Signal für die wirtschaftliche Entwicklung Europas, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer.
ZEIT Online – Deutsche Wirtschaft hofft auf Reformen

Ein paar Anmerkungen hierzu aus dem Netz:

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Josef Steindl über Keynes, Kalecki und die neoklassische Synthese

Hochschule Welthandel Wien
Altes Gebäude der Wirtschaftsuniversität Wien, in der Josef Steindl 1970
als Honorarprofessor tätig war

Man mag sich versucht fühlen, den Begriff Paradigma auf die Veränderungen der ökonomischen Lehren und besonders auf die große, von Keynes und Kalecki herbeigeführte Revolution anzuwenden.

Wenn man allerdings die große Masse der ökonomischen Profession betrachtet, erscheint dieser Begriff jedoch unangebracht.

Keynes wurde nie von mehr als einer Minderheit akzeptiert. Kaleckis Bedeutung ist außerhalb eines kleinen Kreises kaum bekannt. Die dominierende Doktrin war die neoklassische Synthese, ein heilloser Mischmasch an Ideen.

Ich glaube nicht, dass ich übermäßig oberflächlich erscheine, wenn ich anstelle von Dogmen von verschiedenen „Modeerscheinungen“ innerhalb der Ökonomie rede.

Josef Steindl in „Reflections on the Present State of Economics“, Monthly Review 36, Nr. 9 (February 1985)

Zitiert von Nina Shapiro in Keynes, Steindl, and the Critique of Austerity Economics

Wolfgang Stützel: Ober- und Untergrenzen der öffentlichen Verschuldung

Nach schlechten Erfahrungen der Deutschen mit dem Schuldner Staat verwundert es heute nicht, daß angesichts zunehmender Staatsdefizite uralte Ängste schnell wieder aufgerührt werden.

2014 Hannover Mattes (8)
Filiale Hannover der Deutschen Bundesbank (Hauptverwaltung in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)

Dies erklärt die große Beliebtheit, der sich auch noch heute jene Deckungsgrundsätze aus der Zeit des 19. Jahrhunderts erfreuen, nach denen die Staatsschuld als schädlich und nur in wenigen Ausnahmefällen als zulässig anzusehen ist. Solches Denken wird den heutigen Erfordernissen jedoch nicht mehr gerecht.

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Der Verrat an John Maynard Keynes‘ „Allgemeiner Theorie“

Um die Übernahme der keynesianischen Ökonomie in die allgemeine Gleichgewichtstheorie abzuschließen, stellte Paul Samuelson 1955 die neoklassische Synthese vor…

Paul Samuelson
Paul A. Samuelson (1997)

…In dieser Weltanschauung ist eine hohe Arbeitslosigkeit nur ein vorüber-gehendes Phänomen, welches durch die langsame Anpassung der Geld-löhne und -preise verursacht wird.

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Eine Kindheit in Armut kann Erwachsene später auch die psychische Gesundheit kosten

Eine große und wachsende Anzahl an Forschungsergebnissen zeigt, dass arme Kinder später als Erwachsene eine Vielzahl von körperlichen Problemen haben können.

US Poverty Rate by Age
Armutsquoten nach Alter in den Vereinigten Staaten von 1959 bis 2014.
Daten aus der US-Volkszählung, Tabelle B-2 Seite 50

Nun müsse man auch schwere seelische Schäden zu dieser Liste hinzufügen, so die Aussage eines Forschers der amerikanischen Cornell Universität. Eine umfassende neue Studie, die ihre Teilnehmer über einen Zeitraum von 15 Jahren begleitete, ist die erste, die beweist, dass Armut im Kindesalter erhebliche psychische Probleme im Erwachsenenalter verursachen kann.

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Die Steuer- und Abgabenreformen seit 1998 haben nur die reichsten 30 % entlastet

Während in Deutschland das reichste Prozent der Bevölkerung über mehr als sechsmal so viel Vermögen verfügt wie die ärmere Hälfte, tragen Steuern auf Vermögen nur wenig zum Aufkommen bei.

Die Vermögensteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben. Bei der Erbschaftsteuer gibt es auch nach der jüngsten Reform eine sehr weitgehende Verschonung des Betriebsvermögens.

Das führt dazu, dass milliardenschwere Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen nach wie vor steuerfrei übertragen werden können. Eine Steuerreform, die für mehr Verteilungsgerechtigkeit sorgt und gleichzeitig ein zusätzliches Aufkommen für wichtige Zukunftsinvestitionen generiert, sollte daher bei der Besteuerung von Vermögen ansetzen.

Die weitgehende Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer sollte abgeschafft werden. Zusätzlich kann eine Vermögensteuer auf sehr hohe Vermögen erhoben werden.

IMK – Drei Fragen an Katja Rietzler