Wilhelm Lautenbach über Wechselkursänderungen vs. interner Abwertung durch Preis- und Lohnsenkungen

…Die Diskrepanz zwischen dem inländischen Preis- und Kostenniveau und dem ausländischen kann durch eine weltwirtschaftliche Krise verursacht sein.

Wenn wichtige konkurrierende Industrieländer in eine Krise und in die verhängnisvolle Spirale fortgesetzten Preis- und Lohnfalls geraten, so ist eine starke Störung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts aller Industrieländer unausbleiblich.

Nicht notwendig und auch durchaus nicht rationell ist aber die automatische Reaktion, nämlich die Steigerung des Diskontsatzes. Richtig und rationell wäre vielmehr die Korrektur sofort da vorzunehmen, wo sie letztlich erfolgen muss und durch die Diskonterhöhung nur auf einem schmerzensreichen und ungemein kostspieligen Wege erzwungen wird, nämlich am Valutakurs oder, was schon bedeutend schlechter wäre, bei den Löhnen.

Die Veränderung des Valutakurses ist unter den vorgestellten Bedingungen die Methode der Wahl, wie die Mediziner zu sagen pflegen. Sie stört das ganze innere Gefüge der heimischen Wirtschaft am wenigsten, während eine Lohnsenkung den ungemein komplizierten Prozess der Preiskorrektur nach unten notwendig macht und eine höchst unerwünschte Verschiebung der Einkommensverhältnisse nach sich zieht:

Unternehmer als Schuldner werden gegenüber dem Gläubiger belastet, das Arbeitseinkommen im Verhältnis zum Kapitaleinkommen herunter-gedrückt. Die Preissenkung ist, selbst dann, wenn ihr die Lohnsenkung vorausgeht, ein peinlicher Prozess, bei dem auch die Unternehmer verlieren.

Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion (1952), S. 75