Die gelungene Dressur der Roten Bullen: Domenico Tedesco und sein viel versprechender Einstand Auf Schalke

So etwas nennt man wohl einen Start nach Maß: in seinem ersten Bundesligaspiel überhaupt dirigierte Schalkes neuer Übungsleiter seine Mannschaft zu einem erstaunlich klaren 2:0-Erfolg über den letztjährigen Vizemeister.

RB Leipzig vs. FC Liefering (Testspiel 9. August 2016) 23
Blieb gegen den S04 blass und ohne Torchance:
Leipzigs Stürmer Yussuf Poulsen

Ein wenig unsicher war man sich schon an diesem Samstag Nachmittag im weiten Rund der Gelsenkirchener Veltins-Arena. Ausgerechnet gegen RB Leipzig, den so bärenstarken und brandgefährlichen Aufsteiger aus der Vorsaison sollte Domenico Tedesco, der noch immer weitestgehend unbekannte neue Trainer sein Bundesliga-Debüt geben.

Wenn das nur gut gehen würde, so der häufig gehörte Tenor, der Rucksack von fünf Niederlagen zum Einstand von Vorgänger Markus Weinzierl beherrschte schon noch das Unterbewusstsein der versammelten Schalker Fan-Gemeinde. Trotz der durchaus gelungenen Vorbereitung ohne Niederlage war daher eine gewisse Grundskepsis in allen Gesprächen über den S04 immer mit dabei, von großer Euphorie wie beim Start des Duos Heidel/Weinzierl konnte überhaupt nicht die Rede sein.

Umso mehr zündete daher der Funken, den elf engagierte und aufopferungsvoll kämpfende Schalker da auf dem Rasen nach und nach entfachten auch beim staunenden Publikum, welches mit zunehmendem Gefallen die wirkungslosen Angriffsversuche der ostdeutschen Brausetruppe zur Kenntnis nahm. Leipzig hatte erhebliche Probleme, die ungewohnte Rolle als Mannschaft mit mehr Ballbesitz anzunehmen und daraus dann auch noch was Sinnvolles zu gestalten.

Die Blau-Weißen dagegen zogen mehrere clevere Abwehrriegel auf, mit denen sie die immer harmloser werdenden Sachsen effektiv von Ralf Fährmanns Kasten weghielten. Diese Taktik ging so gut auf, dass am Ende ganze zwei Torchancen für die Truppe des Erfolgstrainers Ralph Hasenhüttl zu verzeichnen blieben. Zudem kam Leipzig überhaupt in keiner Phase dazu, jenes so gefürchtete überfallartige Konterspiel nach Umschalt-situationen durchzudrücken, mit dem man in der letzten Saison fast die gesamte Liga in Angst und Schrecken versetzt hatte.

Über das Spiel und die taktische Disziplin der eigenen Mannschaft jedoch rieben sich die Schalker Fans und viele neutrale Beobachter verwundert die Augen. Nichts mehr war zu sehen von der am Ende der Weinzierl-Ära immer wieder fast greifbaren Angst der Akteure vor Ball und Gegner, stattdessen fiel sofort die Systemtreue auf, mit der über 90 Minuten den Bullen schlicht der Schneid abgekauft wurde.

Wenn auch noch nicht alles klappte und in der Offensive manchmal der Wunsch Vater des Gedanken war, so beeindruckte Tedescos Truppe doch mit Willen, Kampfkraft und taktischem Geschick. Da Leipzigs Abwehr die Qualität der Angriffsreihen des Öfteren nicht ganz erreichen konnte, führte schließlich einer der zügig mit langen Bällen vorgetragenen Schalker Konter zur zwar überraschenden, aber auch nicht unverdienten Führung.

Nach dem Elfmeter-Treffer durch Nabil Bentaleb machten die Ostdeutschen spätestens in Halbzeit Zwei ihre Defensive noch weiter offen und verstärkten ihre Angriffsbemühungen durch die Einwechselung des schwedischen Nationalspielers Emil Forsberg, in der letzten Saison mit 22 Assists der offensive Motor des Leipziger Spiels. Der S04 aber verteidigte geschickt und verlegte sich weiterhin auf brandgefährliche Gegenstöße, die schließlich in der 73. Minute über den sehr gut aufgelegten Neuzugang Amine Harit und den Ukrainer Yevhen Konoplyanka zum 2:0 führten.

Damit war die Begegnung dann so gut wie gegessen, bissen sich die RB-Spieler doch immer mehr die Zähne an der perfekt gestaffelten Schalker Abwehrreihe aus. Spätestens der Aluminium-Treffer von Daniel Caligiuri in der Nachspielzeit ließ auch keinen Zweifel mehr an der Verdientheit des Gelsenkirchener Erfolges aufkommen. So entließen Domenico Tedesco und seine Jungs viele begeisterte und nahezu euphorisierte S04-Fans in die laue Nacht dieses Samstagabends, hatten sie doch in einem Spiel fast perfekt jenes Umschaltverhalten „zelebriert“, an dem Markus Weinzierl letztlich noch gescheitert war.

Aber auch die Medien beteiligten sich flugs an den Lobhudeleien und beförderten den Schalker Übungsleiter zum „Giganten“ oder gar zum Erfinder eines neuen Gelsen-kirchener „Kampf-Kreisels“. Doch gemach, gemach, nach dem eher durchwachsenen Pokalspiel beim ehemaligen „Stasi“-Klub Dynamo Berlin war das nur der erste Schritt auf einem sehr langen Weg zurück an die internationalen Futtertröge in der Bundesliga.

Trotzdem macht es ein solch überzeugender Erfolg natürlich leichter, und auch unpopuläre Entscheidungen wie die Degradierung des langjährigen Kapitäns Benni Höwedes oder die Nichtberücksichtigung des Spaniers Coke werfen nicht mehr solch hohe Wellen auf wie früher. Stattdessen stellt der Spielplan mit den Begegnungen gegen die beiden Aufsteiger Hannover 96 und dem VfB Stuttgart Möglichkeiten bereit, den leichten Aufwärtstrend zu verfestigen.

Man muss sie nur nutzen und nicht wie so oft in der Vergangenheit den positiven Kurs gleich wieder verlassen.

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