Die Geschichte wiederholt sich doch, nur die Ökonomen lernen offenbar nichts daraus

Es lief alles ganz hervorragend für die Reichen, die jeden Kredit bekamen, den sie dazu benötigten, um das Wirtschaftssystem nach den napoleonischen Kriegen zwischen rigider Deflation und monetärer Orthodoxie einzuklemmen: es war dagegen stets der kleine Mann, der weiterhin litt, und der in allen Ländern und zu allen Zeiten des neunzehnten Jahrhunderts leichteren Zugang zu Krediten und eine andere Finanzpolitik forderte.

E. J. Hobsbawm, in seinem Buch „The Age of Revolution 1789 – 1848“, S. 39

Baines 1835-Mule spinning

Die schwersten Konsequenzen [der ersten kapitalistischen Wirtschaftskrisen] waren sozialer Art: die Umstellung auf die neue Ökonomie schuf Elend und Unzufriedenheit, und damit die Materialien für eine soziale Revolution. Und in der Tat, die soziale Revolution in Form von spontanen Aufständen der städtischen und industriellen Armen brach aus und gebar die Revolutionen von 1848 auf dem Kontinent sowie die gewaltige Chartisten-Bewegung in Großbritannien.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – die Inflation als unbarmherzige Steuer

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Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 4

Irrtum Nr. 4: Inflation ist die unbarmherzigste aller Steuern
Inflation wird allgemein gern als die „grausamste Steuer“ verunglimpft. Die Wahrnehmung scheint dabei zu sein, dass, wenn nur die Preise aufhören würden zu steigen, das eigene Einkommen doch noch viel weiter reichen könnte, ohne jedoch indes die gleichzeitigen Auswirkungen auf die Einkünfte Anderer zu berücksichtigen.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – Staatsverschuldung und die angebliche Verdrängung privater Investitionen

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Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 3

Irrtum Nr. 3: Staatsverschuldung soll vermeintlich private Investitionen „verdrängen“

Die aktuelle Realität stellt allerdings das genaue Gegenteil dar, durch die Verwendung der geliehenen Fremdmittel (im Gegensatz zu den Ausgaben durch Steuereinnahmen) werden nämlich zusätzlich verfügbare Einkommen erzeugt, die die Nachfrage nach den Produkten der Privatwirtschaft erhöhen und private Investitionen erheblich rentabler machen.

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Griechenland – Reformieren oder untergehen?

Vor einigen Tagen schrieb Francesco Saraceno einen interessanten Blog-Beitrag über seine Schwierigkeiten, das lästige tägliche Auf und Ab der Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika (aka den Institutionen) zu verfolgen.

Athens Streit-Street

Dabei fiel ihm vor allem auf, wie nahe sich die beiden Seiten in Bezug auf die umstrittenste Frage, nämlich die nach dem Primärüberschuss, eigentlich sind. Griechenland gab schon dem Verlangen der Gläubiger nach einem 1% igen Überschuss im Jahr 2015 weitestgehend nach, und beim Ziel für 2016 existiert noch ein Unterschied von etwa 0,5% (rund 900 Millionen Euro).

Zieht man aber nun in Betracht, wie oft die meisten Länder, nicht nur Griechenland, ihre Ziele in der Vergangenheit nicht vollkommen präzise erreicht haben, so sollte diese geringe Differenz eigentlich kein unüberbrückbares Hindernis darstellen.

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Bevor sein Stern aufging – Adam Smith, die Ayr Bank, sein unbekannter Rivale und das verlorene Wissen

Douglas, Heron & Company, im Volksmund als Ayr Bank bekannt, musste seine Türen aufgrund eines Bank Runs im Juni 1772 schließen.

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Früheres Hauptquartier der Royal Bank of Scotland

Eine Handvoll lokaler Adliger und Großgrundbesitzer hatte sie ein paar Jahre zuvor gegründet, um Modernisierungen in der im Südwesten Schottlands boomenden Leinenindustrie und im Tabakhandel finanzieren zu können.

Allerdings waren sie dabei sehr leichtsinnig und töricht bei der Kreditvergabe gewesen. Nachrichten, gemäß denen der Agent der Bank in London sich mit Aktien der East India Company verspekuliert hatte und nach Europa geflohen war, lösten einen Ansturm auf die Bank aus, der darüber hinaus zu einer landesweiten Panik führte.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – Sparen als Voraussetzung für Investition und Wachstum

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Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 2

Irrtum Nr. 2: Sparen als Voraussetzung für Investitionen und Wirtschaftswachstum
Dem Drängen auf die Schaffung von Anreizen für den Einzelnen, mehr zu sparen, wird allgemein nachgesagt die Investitionen und das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. Dabei scheint man von der Annahme einer unveränderten volkswirtschaftlichen Gesamtleistung auszugehen, so dass das, was nicht verzehrt wird zwangsläufig und automatisch zur Kapitalbildung verwendet wird.

Auch hier ist eigentlich das genaue Gegenteil der Fall. In einer Geldwirtschaft bedeutet für die meisten Menschen der Versuch, mehr zu sparen gleichzeitig die Entscheidung dafür, weniger auszugeben.

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Rechte Tasche, linke Tasche der europäischen Zentralbanken: das Unverständnis über die TARGET2-Salden geht weiter

Hans-Werner Sinn hat es wieder getan. Obwohl er bereits vor vier Jahren in der Diskussion um die TARGET2-Salden im Wesentlichen gescheitert war und eigentlich längst in den wichtigsten Punkten hätte zurückrudern müssen, wärmte er seine Thesen nun in einem ziemlich wirren Beitrag zur aktuellen griechischen Schuldendebatte wieder auf.

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Frankfurt am Main: Gebäudekomplex der Europäischen Zentralbank

Das Prinzip der TARGET2-Salden ist nicht ganz einfach zu verstehen. Auch Wikipedia hilft da nicht recht weiter, weil dieser Beitrag hauptsächlich von den (falschen) Ansichten von Hans-Werner Sinn geprägt ist, worauf aber nur in der etwas anderen englischen Version hingewiesen wird. Selbst die Bundesbank sorgt mit nebulösen Erläuterungen eher für weitere Verwirrung denn für echte Aufklärung.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – über die Belastung zukünftiger Generationen

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Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 1

Einleitung:
Ein Großteil der in Finanzkreisen vorherrschenden konventionellen ökonomischen Weisheit, weitestgehend als Grundlage für die Regierungspolitik und von den Medien und der Öffentlichkeit akzeptiert, basiert auf unvollständiger Analyse, kontrafaktischen Annahmen und falscher Analogie.

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Nachtrag zum Lautenbach-Plan: das Versagen von SPD und Konservativen ebnete Hitler den Weg

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Macht im Deutschen Reich ergriffen, befand sich die deutsche Wirtschaft als Folge der Weltwirtschaftskrise noch in einem komatösen „Tiefschlaf“.

Bundesarchiv Bild 102-02985A, Berlin, Fackelzug zur Machtergreifung Hitlers
Berlin, Fackelzug der SA zur Machtergreifung Hitlers
am Abend des 30. Januar 1933

Die Industrieproduktion betrug nur noch etwa die Hälfte des Vorkrisenstandes von 1928 und neue Investitionen konnten nur noch zu einem Drittel den Ersatzbedarf decken. Die Zahl der Erwerbslosen wuchs erneut, vergleichbar mit dem vorangegangenen Winter, auf über sechs Millionen, jede dritte Arbeitskraft war ohne Beschäftigung.

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