Keine Erholung ohne Strukturreformen? Beispiel Japan der 1990er Jahre – Teil 1: Einleitung

Die Krise in Japan wurde 1990 ausgelöst, als eine Finanz- und Immobilienblase platzte. In den Jahren zuvor waren die Immobilienpreise sowie die Aktienkurse ins Unermessliche gestiegen. Das Land versank in einer Deflation, aus der es sich bis heute nicht richtig befreien konnte.

Es entstand der Begriff der „verlorenen Dekade“, Schlagwort für eine schwere makroökonomische Absatzkrise, die in dieser Form auch der Europäischen Union bevorstehen könnte.

Traffic signal and Security guard in Japan

Schon damals war es die konventionelle Gewissheit bei vielen Ökonomen, Notenbankern, Finanzjournalisten und Politikern, dass Japan „dringend benötigte Strukturreformen“ implementieren müsse, um die Krise überwinden zu können.

„Keine Erholung ohne Strukturreform“, verkündete der damalige Ministerpräsident Jun’ichirō Koizumi. Der Fall Japan wurde auch zum Vorbild ähnlicher Reformen in anderen Ländern und Regionen, wie zum Beispiel Deutschland, wo sie bald ebenfalls ein Schwerpunkt der Regierungspolitik wurden.

Angesichts dieses überwältigenden Konsens ist es verlockend anzunehmen, dass die Theorie der Struktur- reformen damals gründlichen empirischen Tests unterzogen und durch diese deutlich unterstützt wurde. Solche empirischen Überprüfungen hatte es bis dahin allerdings nicht gegeben. Erst der deutsche Ökonom Richard A. Werner lieferte 2004 ein solches Papier, mit dem die empirische Daten-Erfassung analysiert und die neoklassischen Theorien, auf denen die Idee der strukturellen Reformen beruhte, getestet wurden.

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Das größte Geheimnis der Makroökonomie: der enge Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Inflation

Im internationalen Vergleich der Volkswirtschaften sind nicht die tatsächlichen Löhne, sondern die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten (d. h. die Löhne im Verhältnis zur Produktivität) die entscheidenden Faktoren.

Lohnstückkosten und Inflation

Zusammenhang zwischen Lohn- und Preisentwicklung (Flassbeck 2012)

mit freundlicher Genehmigung von diekriseverstehen.net
Grafik ursprünglich aus Flassbeck, H. (2012): Zehn Mythen der Krise, Berlin.

Und seit 60 bis 70 Jahren gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Lohnstückkostenwachstum und der Inflationsrate (der allerdings ebenso lange von Neoliberalen, Monetaristen, Österreichern, aber auch vielen Keynesianern beharrlich ignoriert wird).

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Vergleich der Einkommen von Vätern und Söhnen in den USA

Im Rahmen seiner Analyse der veränderten Haushaltsstrukturen in den Vereinigten Staaten stellte Steven Ruggles u. a. mit diesem Chart eine Zusammenstellung von Daten über die relativen Einkommen von jungen Männern dar.

Median-Lohneinkommen als Prozentsatz des mittleren Lohneinkommens im Vergleich zur vorherigen Generation (25 Jahre vorher): US-Männer im Alter von 25 bis 29

Median-Lohneinkommen als Prozentsatz des mittleren Lohneinkommens im Vergleich zur vorherigen Generation (25 Jahre vorher): US-Männer im Alter von 25 bis 29

Ruggles fand heraus, dass, wenn man die Löhne der 25 bis 29-Jährigen mit den Löhnen ihrer Väter vor 25 Jahren (als die Väter im gleichen Alter waren) vergleicht, die relativen Einkommen im Jahr 1958 ihren Höhepunkt erreichten, als junge Männer etwa viermal so viel verdienten wie ihre Väter ein Vierteljahrhundert zuvor. In den 1960er und 1970er Jahren brach das relative Einkommen junger Männer massiv ein, und seit Mitte der 1980er Jahre verdienen junge Männer weniger als ihre Väter im gleichen Alter.

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Die elf reichsten Amerikaner haben alle Subventionen ihrer Regierung erhalten

Ein neuer Bericht von „Good Jobs First“ zeigt, wie sehr die Wohlhabenden in Amerika von staatlichen Subventionen als ein Element für den Aufbau ihrer Vermögen profitiert haben.

Stack of 100 dollar bills

Laut der Studie halten die 11 reichsten Amerikaner, sowie 23 der 25 reichsten US-Bürger, allesamt erhebliche Eigentumsanteile an Unternehmen, die je mindestens 1 Million $ an öffentlichen Mitteln als Anreiz für private Investitionen erhalten haben.

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Mythos New Deal – Teil 7: Lehren für den Kampf gegen Europas Krise

Zum Abschluss meiner Serie über Roosevelts New Deal möchte ich eine Brücke zur Gegenwart, insbesondere zu Vorschlägen zur Überwindung der Eurokrise aufbauen.

Schon 2008 bezog sich die UN in einem Gutachten zur ökonomischen und sozialen Entwicklung der Weltwirtschaft auf einen „globalen New Deal“, mit dem die Probleme nach der Finanzkrise bekämpft werden sollten.

Bauruine-Cala-de-Bou-Ibiza

Mein Beitrag soll sich aber vor allem mit der Politik in der EU seit dem Beginn der Eurokrise beschäftigen, die sich markant von den Maßnahmen unterscheidet, mit denen der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt die Wirtschaft der Vereinigten Staaten aus dem Tief nach der Großen Depression Anfang der 1930er Jahre führte.

Verzweiflung, Verzagtheit und Mutlosigkeit hießen die Probleme, die Roosevelt als erstes anging, gefolgt von der Regulierung der Finanzmärkte und der Wiedererweckung der realen Wirtschaft durch Beschäftigungs- programme und öffentliche Investitionen.

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Gregory Clark: Die Illusion des Amerikanischen Traums

Ein Ökonomie-Professor von der University of California in Davis hat herausgefunden, dass der sogenannte American Dream nur eine Wunschvorstellung ist.

Statue of Liberty
Die Freiheitsstatue, Sinnbild des „Amerikanischen Traums“

Gregory Clark bezeichnet seine Forschungsergebnisse als eine krasse Wahrheit ohne jede Hoffnung: ob man in den USA weiterkommt oder nicht sei so vorhersehbar wie jede beliebige mathematische Formel.

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„Die Erkenntnis aus 6 Jahren ökonomischer Krisen? Keynes hatte doch recht“

Mark Thoma, Professor für Volkswirtschaft an der Universität von Oregon, zitiert auf seinem Blog Economist’s View den Ökonomen und Journalisten Anatole Kaletsky:

…Es… scheint angebracht zu sein, über die Lehren aus den seit der Krise von 2008 überall auf der Welt durchgeführten politischen Experimenten nachzudenken.

Demonstration in Patras (Griechenland) 2011

Die wichtigste Lehre ist, dass sich die Entscheidungen der Regierungen über Steuern und Staatsausgaben als sehr viel wichtigerer Antrieb für die wirtschaftliche Aktivität herausgestellt haben, ganz im Gegensatz zu den monetären Experimenten mit Nullzinsen und quantitativer Lockerung, die die Aufmerksamkeit von Medien und Märkten beherrscht haben.

… Während alle großen Wirtschaftsräume der Welt seit 2008 im wesentlichen der gleichen Geldpolitik gefolgt sind, war ihre Fiskalpolitik dagegen sehr unterschiedlich und die Divergenz in den Ergebnissen, vor allem wenn wir die Vereinigten Staaten und Europa vergleichen, ist genau das Gegenteil dessen gewesen, was uns durch die Rhetorik der meisten Politiker und Zentralbanker vorausgesagt worden war…

So haben die sechs Jahre seit 2008 eine starke empirische Unterstützung für die angeblich überholte keynesianische Ansicht geliefert, nach der staatliche Kreditaufnahme sehr viel kraftvoller als die Geldpolitik auf die Förderung schwer depressiver Volkswirtschaften wirkt…

Anatole Kaletsky (Reuters): The takeaway from six years of economic troubles? Keynes was right.

Mythos New Deal – Teil 6: Fred Trump und die Federal Housing Administration (F.H.A.)

Entrepreneurs: Set the bar high. Do the best you possibly can. Apply your skills and talent, but above all, be tenacious.

Immobilien-Tycoon Donald Trump am 13.11.2014 auf Twitter

Trump Tower in New York City Mai 2009

Mit Sprüchen wie diesem feilt der amerikanische Multimilliardär Donald Trump immer wieder an seinem Ruf als „Self-Made“-Unternehmer, der seinen Erfolg ausschließlich den eigenen Fähigkeiten zu verdanken hat. Zur Zeit schätzt ihn das Wirtschaftsmagazin Forbes auf ein Gesamtvermögen von ca. 4 Milliarden Dollar, 2011 bescheinigte es ihm ein Einkommen von etwa 60 Millionen $ im Jahr.

Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass Trumps Erfolgsgeschichte in Wirklichkeit keineswegs so „heldenhaft selbstgemacht“ ist, wie es in den Mythen so gern erzählt wird. Ganz im Gegenteil beruht die Karriere des Donald Trump sehr viel mehr auf der Hilfe anderer, vor allem der seines Vaters, der US-Regierung und der amerikanischen Öffentlichkeit.

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Sparparadoxon: Wer mehr Tore schießt, wird Weltmeister; wenn alle mehr Tore schießen, werden alle Weltmeister

Einfacher Versuch einer Erklärung des Sparparadoxons als Rationalitätenfalle:

Auf der Mikroebene richtig: Wenn Deutschland in seinen WM-Spielen mehr Tore schießt als der jeweilige Gegner, wird Deutschland am Ende Weltmeister.

Auf der Makroebene falsch: Wenn alle Mannschaften im Turnier mehr Tore erzielen als ihre Gegner, sind alle Mannschaften am Ende Weltmeister.

Götze kicks the match winning goal
Mario Götze erzielt das Siegtor im WM-Finale 2014

Dieses wenn auch zugegebenerweise nicht gänzlich passende Beispiel ging mir durch den Kopf, als ich den Beitrag von Steve Keen zur Austeritätspolitik der belgischen Regierung als Trugschluss der Kompo-sition las.

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Die ständige Wiederkehr der unsäglichen „Vertrauens-Fee“

Die wichtigste Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum in europäischen Volkswirtschaften sei Vertrauen…

Aussage von Bundesfinanzminister Schäuble lt. Tagesschau.de

Look out for the little folk - geograph.org.uk - 773026
Vorsicht Vertrauens-Fee!!

Es ist immer wieder zu hören und zu lesen: meist konservative Politiker wollen uns etwas von dem „Vertrauen“ der Wirtschaft erzählen, welches der Staat nur durch eisernes „Sparen“ und einer „soliden Haushaltspolitik“ den Unternehmen abtrotzen und sie so zum Investieren und damit auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen animieren könne.

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