Der Ökonom Adam Smith über „Beggar Thy Neighbor“

Beggar-my-neighbor [zu dt. etwa „Ruiniere meinen Nachbarn“] ist ein einfaches Kartenspiel, das laut Referenz im Oxford English Dictionary zumindest bis in die frühen 1700er Jahre zurückreicht.

Adam Smith
Porträt des Ökonomen und Philosophen Adam Smith (1723-1790),
Künstler unbekannt

Im Jahre 1776 wandte Adam Smith diesen Ausdruck auf die Handelspolitik an. Die oft zitierte kurze Passage aus Buch IV, Kapitel III des „Wohlstands der Nationen“ liest sich so:

Ganzen Nationen wurde beigebracht, dass ihr Interesse darin bestand alle ihre Nachbarn zu ruinieren. Jede Nation achtet darauf, mit verstohlenem Blick auf den Wohlstand aller Nationen zu schauen, mit denen sie handelte und deren Gewinn als ihren eigenen Verlust zu betrachten.

Der Handel, der natürlich unter den Völkern wie bei den Individuen ein Band der Vereinigung und Freundschaft sein müsste, ist die fruchtbarste Quelle der Zwietracht und der Feindseligkeit geworden.

Weiter folgt in dem Artikel ein Teil der breiteren Argumentation um Smiths besonderen Kommentar. Ein Schlüssel-Thema für Smith ist die Feststellung, dass Versuche den Handel zu beschränken schon per definitionem bedeuten, den Wettbewerb an sich zu begrenzen. Infolgedessen begünstigen solche Versuche eher die Produzenten (Smith nennt sie „Monopolisten“), die weniger Konkurrenz fürchten müssen und daher ihre Kosten den Konsumenten der Waren auferlegen können.

(Eigene Übersetzung der Einleitung eines Beitrages des amerikanischen Ökonomen Timothy Taylor)

zu 30 Jahre Treuhandanstalt – „Eine einzige Schweinerei“

Edgar Most: Der Prozess der Privatisierung über die Treuhand ist völlig schief gelaufen.

Luftaufnahme Detlev-Rohwedder Haus
Luftaufnahme des Detlev-Rohwedder-Hauses, ehemals Hauptsitz der Treuhandanstalt

Most: Die Gründung der Treuhand war ja gedanklich richtig, ist ja damals am Runden Tisch entstanden, und da gab es ja die Überlegung, dass man das staatliche Eigentum, was ja bei uns fast alles war in der DDR, dass man das insgesamt zur Verfügung stellt und dafür eben eine Treuhand braucht. Aber Treuhand heißt natürlich, dieses Eigentum zu bewahren und aus ihm mehr zu machen. Und das ist ja genau nicht eingetreten.

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Der Reinhart-Rogoff-Fehler: oder wie man Excel nicht nutzen sollte…

Ohne Worte. Weitere Details zur 90-Prozent-Regel von Reinhart und Rogoff findet man auch noch in diesem Beitrag.

Soziale Mobilität und Ungleichheit in der Republik Venedig, 1400-1700

Die wirtschaftsgeschichtliche Forschung hat bisher unbekannte Tatsachen über die langfristigen Trends der Ungleichheit aufgedeckt. Wir haben jetzt zumindest für einige Gebiete Europas kontinuierliche Zeitreihen von Schlüsselindikatoren für Ungleichheit ab etwa 1300.

Venezia c.1650
Venedig um 1650. Kupferstich 30,5 cm × 70 cm von Merian d. Ä.

Diese neuen Daten verändern die Art und Weise, wie wir wirtschaftliche Ungleichheit nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute noch wahrnehmen. Eine wichtige Lehre aus der Geschichte ist die, dass die wirtschaftliche Ungleichheit (insbesondere, aber nicht nur die des Wohlstandes) im Laufe der Zeit deutlich zunimmt und nur Katastrophen im Ausmaß des Schwarzen Todes oder der Weltkriege haben es bisher geschafft diesen Trend zu stoppen, wenn auch nur vorübergehend (siehe Abbildung 1 in der Studie).

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Die ausgepresste Mittelschicht – eine internationale Sicht

„Mittelschicht“ zu sein ist eine Wahrnehmung, die mehr als einen bestimmten Bereich numerischer Rankings in der Einkommensverteilung einschließt.

Bungalow
Bungalow in Louisville, Kentucky – ein typisches Mittelschicht-Heim

Dies beinhaltet zum Beispiel das Gefühl, dass der Job einigermaßen stabil in die Zukunft ausgerichtet ist, das Gefühl, dass das Einkommen aus dem Job ausreicht, um die mit dem sozialen Status der Mittelklasse verbundenen Güter und Dienstleistungen zu kaufen, und das Gefühl, dass dieser Status wahrscheinlich an die Kinder weitergegeben werden kann.

Die Besorgnis über die Mittelschicht ist nicht nur eine Frage der USA, sondern sie kommt in Ländern mit hohem Einkommen überall auf der Welt vor. Die OECD hat dazu sogar eine Studie „Under Pressure: The Squeezed Middle Class“ (April 2019) veröffentlicht.

Um die Diskussion über Größe und Belastungen für die Mittelschicht zu fokussieren, wird die „Mittel-schicht“ als die Einkommensgruppen zwischen 75% und 200% des Medianeinkommens definiert. Es stellt sich jedoch auch sofort heraus, dass diese Definition die Wahrnehmungen der Befragten nur grob erfasst, wenn ermittelt wird ob sie sich selbst als „bürgerlich“ identifizieren.

(Eigene Übersetzung der Einleitung eines Blogbeitrages des amerikanischen Ökonomen Timothy Taylor)

Robert Skidelsky: Wie wichtig ist die Vergangenheit?

Wenn wir auf eine Rezession zusteuern sollten Sie vor allem die Ökonomen beschuldigen, die beim Geschichtsunterricht durchgefallen sind.

Die Historie wurde von vielen Ökonomen lange Zeit heruntergespielt, obwohl sie die Schlüssel zur Beantwortung einiger der wichtigsten Fragen von heute enthält. Warum stürzte die Börse 1929 ab? Hätte das Rettungspaket für die Banken 2008 anders gehandhabt sollen? Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, diesen endlosen Kreislauf von Booms und Busts zu stoppen?

Der Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky erklärt in obigem Video, warum die Vergan-genheit so wichtig ist, damit man die Gegenwart überhaupt erst verstehen kann.

Mehr über die Geschichte des ökonomischen Denkens: John Stuart Mill contra Say’s Law (1844)

John Stuart Mill - geograph.org.uk - 1650702
Statue von John Stuart Mill in Temple Gardens, London

Um die Erklärungen zu liefern, mit denen die Lehre von der Unmöglichkeit eines Überschusses aller Waren aufgegriffen werden muss, müssen wir einen Moment auf das Argument hinweisen, mit dem diese Unmöglichkeit gemeinhin aufrechterhalten wird.

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Die MMT als ein politisches Problem betrachten – Teil 2

Im ersten Teil dieser Reihe haben wir erklärt, warum die MMT als ein politisches Problem und nicht nur als pädagogisches Dilemma angesehen werden sollte.

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Geld in Form von US-Dollar-Münzen und -Scheinen

In diesem abschließenden Teil werden wir diskutieren, wo der Einsatz für die MMT am wahrscheinlichsten scheitert oder aber gute Erfolgschancen hat. Betrachten wir zunächst einige eher schlechte Aussichten.

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Die Covid-19-Kosten professioneller Sportveranstaltungen

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Gerald Green von den Boston Celtics 2017 in den NBA-Playoffs

Wir verglichen die COVID-19-Fallbelastung und die Sterblichkeit in besonderen geografischen Gebieten, in denen in den ersten Monaten des Jahres 2020 mehr gegenüber weniger NHL-Hockeyspielen, NBA- und NCAA-Basketballspielen stattfanden, bevor es zu größeren Virus-Ausbrüchen kam.

Wir stellten fest, dass das Ausrichten eines zusätzlichen NHL/NBA-Spiels von März bis Mitte Mai zu weiteren 783 COVID-19-Fällen und zudem 52 Todesfällen führte. In ähnlicher Weise fanden wir heraus, dass die Ausrichtung eines zusätzlichen Basketballspiels der NCAA Division 1 der Männer in weitere 31 Fälle und zusätzlichen 2,4 Todesfälle resultierte.

Überschlägige Berechnungen legen zudem nahe, dass die Kosten der Todesfälle pro Spiel die erzielten wirtschaftlichen Vorteile bei weitem überstiegen.

Aus einer Studie von Coady Wing, Daniel H. Simon und Patrick Carlin