Positive Erfahrungen Dänemarks mit negativen Zinsen

Da die Inflation in der Eurozone nicht wirklich steigt, grübeln die Medien weiter über die nächsten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank in ihrem Kampf gegen sinkende Preise:
„Sparer zittern vor EZB-Strafgebühren“ und „Zinsen bleiben für Jahre negativ“ spekulierte n-tv vor einigen Tagen. Die zur Zeit stattfindende EZB-Konferenz in Sintra (Portugal) wirft also bereits ihre Schatten voraus. Da inzwischen auch bekannt wurde, dass die Netto-Investitionen der Euro-Staaten 2013 erstmals negativ waren, wird ein entsprechendes Eingreifen der EZB allgemein erwartet.

National Bank of Denmark, as seen from the Central Square in Copenhagen

Eine weitere Leitzinssenkung auf nur noch 0,15 Prozent sowie die Möglichkeit eines negativen Einlagezins- satzes sind die Maßnahmen, über die in der EZB offenbar am intensivsten nachgedacht werden. Die drohende oder bereits reale Gefahr einer Deflation in einigen Euro-Staaten lassen ein solches Verdikt des EZB-Rates unter seinem Chef Mario Draghi immer wahrscheinlicher werden.

Doch was wären die realen Auswirkungen solcher Entscheidungen?

Während man sich im Wirtschaftsressort der FAZ wie gewohnt eher skeptisch zeigte, präsentierte Pia Hüttl vom europäischen Think Tank bruegel.org eine interessante andere Ansicht:

Sie berichtete über die Erfahrungen der Dänischen Zentralbank (DNB), die in der Zeit vom 05. Juli 2012 bis 24. April 2014 mit einem negativen Einlagezinssatz operiert hatte. Ihr Hauptaugenmerk lag dabei auf den Auswirkungen dieser ungewöhnlichen Maßnahme auf den Wechselkurs der dänischen Krone sowie die dänischen Finanzmärkte.

Schon seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist Dänemark Mitglied der EU und war damit gleichzeitig auch Teil des europäischen Währungssystems sowie dessen Nachfolgers, des Wechselkursmechanismus 2. Nach dem Maastricht-Vertrag war Dänemark von der Euro-Einführung entbunden worden, stattdessen einigte man sich auf eine Wechselkursbandbreite von +/- 2,25 %.

Im Laufe der Finanzkrise hatten nach der Lehman-Pleite bis Mitte 2012 so viele Investoren die dänische Krone als sicheren Hafen gegen einen möglichen Verfall des Euro genutzt, dass die Zentralbank die Zinsen immer weiter senken musste. Um den enormen Kapitalzuflüssen Herr werden zu können, hatte die DNB damals erstmalig auch negative Zinsen eingeführt.

Weitere Einzelheiten zu dieser einmaligen Aktion schildert der Blogger ACEMAXX-ANALYTICS: Dänemarks Erfahrung mit negativen Zinsen.

Sein Fazit fällt überwiegend positiv aus:

Die unmittelbarste Auswirkung der negativen Zinsen war, dass der Zufluss des Kapitals nach Dänemark limitiert und die Aufwertung der DKK gestoppt worden ist.
Die Beweise (lt. Pia Hüttls Befund) legen nahe, dass die Einführung der negativen Zinsen nicht zu Zinsänderungen für Kleinkunden (retail interest rates) geführt hat. Es gab auch keinen Anstieg der Kreditvergabe durch die Banken. Die DNB konnte damit den Einlagenzinssatz von -0,2% auf -0,1% im Januar 2013 und schliesslich auf +0,05% im April 2014 erhöhen.

Die Sorge, dass die Banken versucht sein könnten, die Negativzinsen an eigene Einleger weiterzuleiten, dadurch dass sie die Kreditzinsen erhöhen würden, hat sich nicht bewahrheitet. Die Kreditvergabe der Banken im Unternehmen-Sektor hat sich von 2012 bis 2013 nur geringfügig zurückgebildet.

Teilen mit...Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someonePrint this page
Dieser Beitrag wurde unter Ökonomie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.