S04: Choupo, komm bald wieder!

Eine gelungene Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde sieht irgendwie anders aus: 0:2 gegen Ajax Amsterdam, 2:2 gegen den sudanesischen Meister Al Merrikh, nun eine 1:2-Niederlage in Österreich bei Rapid Wien.

Doch wie sagte ein Schalke-Fan am Wochenende zu mir: „Wir waren noch nie Testspielweltmeister. Entscheidend ist nächsten Samstag auf dem Platz gegen Hannover.“ Wohl wahr, doch ein kleiner Rückblick auf die Winterpause sei mir hier trotzdem gestattet.

Zuerst, da wohl das drängendste Problem, ein Satz zur Verletzungssituation. Entgegen den Ankündigungen, dass sich hier zur Rückrunde etwas Entspannung einstellen würde, hält sich die Zahl der Rückkehrer in Grenzen. Kevin-Prince Boateng ist anscheinend wieder fit und hat gegen Rapid Wien immerhin schon gut 60 Minuten gespielt.

Ebenso hat sich der Japaner Atsuto Uchida aus der Reha zurückgemeldet und die volle Spielzeit bei den Wienern absolviert. Auch Joel Matip ist wieder genesen, doch sein Trainingsrückstand ließ offenbar nur einen Kurzeinsatz zu.

Weiter unklar sind dagegen die Rückkehrtermine der weiterhin langzeitverletzten Leon Goretzka, der in Katar immerhin schon im Trainingslager dabei war, Sead Kolasinac, Jefferson Farfan, Julian Draxler und Chinedu Obasi. Während der Vorbereitung „verstärkten“ Keeper Ralf Fährmann und wieder einmal Dennis Aogo noch das Lazarett, so dass von einer Entspannung an der Verletzten-Front nicht wirklich die Rede sein kann.

So muss Trainer Roberto Di Matteo zum Rückrunden-Auftakt größtenteils auf den Kader setzen, den er vor Weihnachten auch schon zur Verfügung hatte. Neben Rückkehrer Boateng gilt daher die meiste Aufmerksamkeit dem Neuzugang Matija Nastasic, der die Innenverteidigung stabilisieren, aber auch den Spielaufbau verbessern soll.

Der 21-jährige Serbe, immerhin schon 15-facher Nationalspieler und drei Jahre mit Manchester City durch das „Stahlbad“ der Premier League gegangen, gilt als Wunschspieler von Di Matteo. Während der nicht ganz einfachen Verhandlungen mit seinem englischen Verein betonte Nastasic immer wieder, dass er am liebsten mit dem Schweizer Trainer zusammenarbeiten wolle.

Gegen Rapid Wien spielte Matija Nastasic dann erstmals über 90 Minuten für den FC Schalke 04. Naturgemäß gab es dabei noch einige Abstimmungsschwierigkeiten mit seinen neuen Kollegen, so dass eine endgültige Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit natürlich noch nicht möglich war.

Roberto Di Matteo, der den Serben aus seiner Zeit in der englischen Top-Liga kennt, erhofft sich von ihm zukünftig neben mehr Solidität auch vor allem eine bessere Spieleröffnung. Diese war vor allem eines der gravierendsten Probleme in den letzten Begegnungen vor der Winterpause.

Weder Kapitän Benedikt Höwedes, noch Jan Kirchhoff, Felipe Santana oder Roman Neustädter zeichneten sich gegen Köln, in Paderborn und zuletzt gegen den HSV mit besonderen Stärken im Spielaufbau aus. Da Joel Matip wohl noch einige Zeit benötigt, um seinen Trainingsrückstand aufzuholen, liegen hier nun die Hoffnungen vor allem auf Neuzugang Nastasic.

Auch im Mittelfeld fehlte zuletzt eine gehörige Portion Kreativität, vor allem Dennis Aogo und Marco Höger lieferten da zu oft nur Hausmannskost ab. Tranquillo Barnetta ließ durchaus vielversprechenden Ansätzen mehr als einmal nur glanzlose Auftritte folgen, während Max Meyer eher nur selten spielen durfte. Neuzugang Sidney Sam stürzte währenddessen in ein totales Leistungsloch, aus dem er sich bisher nur mühsam wieder herausarbeiten konnte.

Häufige Verletzungen sowie mangelnde Spielpraxis bereiteten in vielen Bereichen große Probleme. Da Trainer Di Matteo deshalb viel öfter als ihm lieb sein konnte zu Änderungen in der Startaufstellung gezwungen war, können damit zu einem großen Teil die Probleme im Spielaufbau durchaus erklärt werden.

Etwas besser sieht es da auf den Außenbahnen aus, die durch das geänderte Spielsystem eine neue Aufgabenverteilung nötig machten. Neben Uchida profitierte vor allem der österreichische Nationalmannschaftskapitän Christian Fuchs davon.

Durch die Einführung der Dreierkette in der Innenverteidigung wurden die beiden von Defensivaufgaben entlastet und erhielten so mehr Freiheiten im offensiven Bereich. Überraschend erspielte sich der „Fuchser“ wieder seinen Stammplatz auf der linken Seite, nachdem er vorher schon so gut wie abgemeldet war und ein Vereinswechsel nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien.

Ebenso dürfte der notwendige Torhüterwechsel keine großen Probleme aufwerfen. Obwohl Fabian Giefer zuletzt eher wenig bis keine Spielpraxis hatte, sollte er den verletzten Fährmann solide ersetzen können.

Schwieriger könnte es da zum Auftakt der Rückrunde im Sturm werden. Vor allem die Abwesenheit des bisher besten Schalker Spielers, Eric-Maxim Choupo-Moting, wiegt da besonders. Weder Leroy Sane (trotz einiger durchaus vorhandener Ansätze) noch Prince Boateng vermochten den Kameruner, der noch bei seiner Nationalelf beim Afrika-Cup weilt, bisher auch nur annähernd zu ersetzen. Da auch Klaas-Jan Huntelaar in den Testspielen noch nicht wirklich überzeugend auftrat, könnte ausgerechnet in diesem bisher besten Schalker Mannschaftsteil eine neue Krise drohen.

Eine wackelige Hintermannschaft, ein Mittelfeld mit Problemen im Spielaufbau und ein Sturm, der das Tor nicht trifft: das wäre das Worst-Case-Szenario gegen Hannover 96. Bleibt also noch eine Menge Arbeit für das Trainerteam in dieser Woche und die heimliche Hoffnung, dass Choupo-Moting möglichst schnell in Afrika ausscheidet und so zügig wieder zurück ist. Choupo, wir brauchen Dich!

Doch wie bereits oben geschrieben und wie mir viele Fans sicher auch sofort bestätigen werden: Schalke war noch nie Testspielweltmeister…

Insofern bin ich doch recht optimistisch, dass es Samstag besser laufen wird. Mal schauen.

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