Soziale Mobilität und Ungleichheit in der Republik Venedig, 1400-1700

Die wirtschaftsgeschichtliche Forschung hat bisher unbekannte Tatsachen über die langfristigen Trends der Ungleichheit aufgedeckt. Wir haben jetzt zumindest für einige Gebiete Europas kontinuierliche Zeitreihen von Schlüsselindikatoren für Ungleichheit ab etwa 1300.

Venezia c.1650
Venedig um 1650. Kupferstich 30,5 cm × 70 cm von Merian d. Ä.

Diese neuen Daten verändern die Art und Weise, wie wir wirtschaftliche Ungleichheit nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute noch wahrnehmen. Eine wichtige Lehre aus der Geschichte ist die, dass die wirtschaftliche Ungleichheit (insbesondere, aber nicht nur die des Wohlstandes) im Laufe der Zeit deutlich zunimmt und nur Katastrophen im Ausmaß des Schwarzen Todes oder der Weltkriege haben es bisher geschafft diesen Trend zu stoppen, wenn auch nur vorübergehend (siehe Abbildung 1 in der Studie).

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Die ausgepresste Mittelschicht – eine internationale Sicht

„Mittelschicht“ zu sein ist eine Wahrnehmung, die mehr als einen bestimmten Bereich numerischer Rankings in der Einkommensverteilung einschließt.

Bungalow
Bungalow in Louisville, Kentucky – ein typisches Mittelschicht-Heim

Dies beinhaltet zum Beispiel das Gefühl, dass der Job einigermaßen stabil in die Zukunft ausgerichtet ist, das Gefühl, dass das Einkommen aus dem Job ausreicht, um die mit dem sozialen Status der Mittelklasse verbundenen Güter und Dienstleistungen zu kaufen, und das Gefühl, dass dieser Status wahrscheinlich an die Kinder weitergegeben werden kann.

Die Besorgnis über die Mittelschicht ist nicht nur eine Frage der USA, sondern sie kommt in Ländern mit hohem Einkommen überall auf der Welt vor. Die OECD hat dazu sogar eine Studie „Under Pressure: The Squeezed Middle Class“ (April 2019) veröffentlicht.

Um die Diskussion über Größe und Belastungen für die Mittelschicht zu fokussieren, wird die „Mittel-schicht“ als die Einkommensgruppen zwischen 75% und 200% des Medianeinkommens definiert. Es stellt sich jedoch auch sofort heraus, dass diese Definition die Wahrnehmungen der Befragten nur grob erfasst, wenn ermittelt wird ob sie sich selbst als „bürgerlich“ identifizieren.

(Eigene Übersetzung der Einleitung eines Blogbeitrages des amerikanischen Ökonomen Timothy Taylor)

Robert Skidelsky: Wie wichtig ist die Vergangenheit?

Wenn wir auf eine Rezession zusteuern sollten Sie vor allem die Ökonomen beschuldigen, die beim Geschichtsunterricht durchgefallen sind.

Die Historie wurde von vielen Ökonomen lange Zeit heruntergespielt, obwohl sie die Schlüssel zur Beantwortung einiger der wichtigsten Fragen von heute enthält. Warum stürzte die Börse 1929 ab? Hätte das Rettungspaket für die Banken 2008 anders gehandhabt sollen? Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, diesen endlosen Kreislauf von Booms und Busts zu stoppen?

Der Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky erklärt in obigem Video, warum die Vergan-genheit so wichtig ist, damit man die Gegenwart überhaupt erst verstehen kann.

Mehr über die Geschichte des ökonomischen Denkens: John Stuart Mill contra Say’s Law (1844)

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Statue von John Stuart Mill in Temple Gardens, London

Um die Erklärungen zu liefern, mit denen die Lehre von der Unmöglichkeit eines Überschusses aller Waren aufgegriffen werden muss, müssen wir einen Moment auf das Argument hinweisen, mit dem diese Unmöglichkeit gemeinhin aufrechterhalten wird.

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Die MMT als ein politisches Problem betrachten – Teil 2

Im ersten Teil dieser Reihe haben wir erklärt, warum die MMT als ein politisches Problem und nicht nur als pädagogisches Dilemma angesehen werden sollte.

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Geld in Form von US-Dollar-Münzen und -Scheinen

In diesem abschließenden Teil werden wir diskutieren, wo der Einsatz für die MMT am wahrscheinlichsten scheitert oder aber gute Erfolgschancen hat. Betrachten wir zunächst einige eher schlechte Aussichten.

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Die Covid-19-Kosten professioneller Sportveranstaltungen

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Gerald Green von den Boston Celtics 2017 in den NBA-Playoffs

Wir verglichen die COVID-19-Fallbelastung und die Sterblichkeit in besonderen geografischen Gebieten, in denen in den ersten Monaten des Jahres 2020 mehr gegenüber weniger NHL-Hockeyspielen, NBA- und NCAA-Basketballspielen stattfanden, bevor es zu größeren Virus-Ausbrüchen kam.

Wir stellten fest, dass das Ausrichten eines zusätzlichen NHL/NBA-Spiels von März bis Mitte Mai zu weiteren 783 COVID-19-Fällen und zudem 52 Todesfällen führte. In ähnlicher Weise fanden wir heraus, dass die Ausrichtung eines zusätzlichen Basketballspiels der NCAA Division 1 der Männer in weitere 31 Fälle und zusätzlichen 2,4 Todesfälle resultierte.

Überschlägige Berechnungen legen zudem nahe, dass die Kosten der Todesfälle pro Spiel die erzielten wirtschaftlichen Vorteile bei weitem überstiegen.

Aus einer Studie von Coady Wing, Daniel H. Simon und Patrick Carlin

DIW Berlin: Menschen überschätzen Risiko einer Covid-19-Erkrankung

Um mit der Corona-Pandemie möglichst angemessen umgehen zu können, ist es wichtig, dass die Menschen hierzulande eine realistische Vorstellung davon haben, wie hoch ihr individuelles Risiko einer Erkrankung ist.


Logo der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Wie aktuelle Analysen der SOEP-CoV-Studie nun zeigen, sind sich die meisten Menschen in Deutschland durchaus bewusst, dass Faktoren wie das Lebensalter, Vorerkrankungen und der Beruf einen starken Einfluss auf ihr individuelles Risiko haben, lebensbedrohlich an Covid-19 zu erkranken.

Gleichzeitig wird das durchschnittliche Risiko dafür deutlich überschätzt. Dies könnte durchaus dazu beitragen, dass die Bevölkerung die derzeitigen Schutzmaßnahmen wie das Abstandhalten und das Tragen von Masken auch bei geringen Neuinfektionszahlen beibehält.

Nichtsdestoweniger ist die Politik gefordert, den Informations-stand und die Risikomündigkeit der Bevölkerung weiter zu stärken.

aus dem DIW Aktuell Nr. 52 des DIW Berlin

Modern Monetary Theory (MMT) = Keynes 2.0

Im Laufe der Zeit und während 2020 zu Ende geht beginnt man die lange sorgsam gehegte Idee, dass Regierungen wie Haushalte und Unternehmen zu betrachten sind, die ihre Schulden zurückzahlen müssen oder sogar Staatsdefizite überhaupt durch Schulden finanziert werden müssen, zunehmend als Fehler zu entlarven.

Es wird mehr oder weniger eine Rückwendung zu Keynes geben mit Außnahme der Vorstellung, dass das keynesianische Ziel, das Budget im Laufe des Zyklus auszugleichen – Defizite in schlechten Zeiten, Überschüsse in guten Zeiten – keine Rolle mehr spielt, soweit das denn überhaupt noch jemand in letzter Zeit erreicht hatte.

In Zukunft wird 2020 als das Jahr angesehen, in dem Keynes 2.0 seinen Anfang nahm – als Geld- und Fiskalpolitik verschmolzen und eine differen-ziertere Regierungstheorie in Kraft trat, in der die Ausgaben außer der Kapazität der Wirtschaft keine Grenzen haben.

Da die Verschuldung weiterhin monetarisiert wird, wird auch deutlich, dass ohne wirtschaftliche Engpässe Ausgaben und Defizite ohne negative Auswirkungen auf Inflation und Wohlfahrt steigen können.

Alan Kohler / The Australian