Saldenmechanik (Johannes Schmidt/Bedia Sahin/Erhard Glötzl)

2. Pluralistische Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik (6.-9. Sep. 2015, Universität Münster)

Johannes Schmidt (Hochschule Karlsruhe) – Vor welchen wirtschaftspolitischen Fehlern kann uns die Saldenmechanik bewahren?

Bedia Sahin (Europäischen Akademie der Arbeit Frankfurt, EADA) – Buchungsmechanik und Kausalität in der Zahlungsbilanz.

Erhard Glötzl – Das Fundamentalparadoxon der Geldwirtschaft als Ursache für die Ohnmacht der Schuldner. Warum es immer wieder zu (griechischen) Schuldentragödien kommt.

Die angebotsorientierte Ökonomik ist tot

Covid-19 hat die angebotsseitige Wirtschaftspolitik zur Strecke gebracht. Es tut mir leid, Friedmanites, doch das ist schlicht die Wahrheit.

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Der amerikanische Ökonom Milton Friedman

Die Idee, dass sich jede Volkswirtschaft von einer Rezession erholen kann, solange wir Steuern senken, Regulierungen abbauen und Zinssätze reduzieren, hätte längst den Weg des iPod gehen sollen, aber aus irgendeinem Grund verweilt sie immer noch in den Elfen-beintürmen der Universität von Chicago, konservativen Denkfabriken und all jenen, die völlig von der Realität losgelöst sind. Bis jetzt.

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Greifen Sie nach den Sternen, aber nur wenn Sie reich sind…

Eine geringe soziale Mobilität nach oben beeinträchtigt unsere Fähigkeit, in einer fairen und meritokratischen Gesellschaft zu leben.

Jack Halliday wurde 1976 in eine Arbeiterfamilie in Texas geboren. Jack wuchs als eines von fünf Kindern auf, als Sohn eines Verkäufers, und besaß daher nicht viel. Als guter Junge half er aus und arbeitete als Gepäckträger in Teilzeit, um der Familie zu helfen über die Runden zu kommen.

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Was wäre, wenn wir heute den Schwarzen Tod durchleiden müssten?

Die moderne Medizin hat bereits einen langen Weg zurückgelegt, doch die fortschreitende Antibiotikaresistenz droht ein großer Schritt zurück zu werden.

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Die Karte zeigt die Ausbreitung des Schwarzen Todes
zwischen den Jahren 1346-1353

Das Leben während COVID-19 fühlt sich gleichzeitig glücklich und unglücklich an. Unglücklich, weil wir uns sozial distanzieren müssen und uns mitten in einer großen globalen Krise befinden. Glücklich, denn es könnte trotzdem noch viel schlimmer sein.

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Wie in einem entfernten Spiegel: Zwei Jahrtausende nach den Germanicus-Feldzügen

Der Erfolg zeigt einem manchmal seine Grenzen eher auf als die Niederlage. Das ist eine Lektion, die die Römer auf die harte Tour lernen mussten, als sie versuchten die ger-manischen Stämme östlich des Rheins zwischen dem ersten Jahrhundert v. Chr. und dem ersten Jahrhundert n. Chr. zu unterwerfen.

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Marmorbüste des Germanicus

Der Versuch umfasste eine lange Reihe von Feldzügen und vielleicht kam der Höhepunkt vor fast genau zweitausend Jahren, von 14 bis 16 n. Chr., als die Römer mit nicht weniger als acht Legionen gegen die Germanen anrückten unter dem Kommando von Tiberius Claudius Nero, bekannt als Germanicus, Enkel des Augustus und Adoptivsohn des Kaisers Tiberius.

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Der Ökonom Adam Smith über „Beggar Thy Neighbor“

Beggar-my-neighbor [zu dt. etwa „Ruiniere meinen Nachbarn“] ist ein einfaches Kartenspiel, das laut Referenz im Oxford English Dictionary zumindest bis in die frühen 1700er Jahre zurückreicht.

Adam Smith
Porträt des Ökonomen und Philosophen Adam Smith (1723-1790),
Künstler unbekannt

Im Jahre 1776 wandte Adam Smith diesen Ausdruck auf die Handelspolitik an. Die oft zitierte kurze Passage aus Buch IV, Kapitel III des „Wohlstands der Nationen“ liest sich so:

Ganzen Nationen wurde beigebracht, dass ihr Interesse darin bestand alle ihre Nachbarn zu ruinieren. Jede Nation achtet darauf, mit verstohlenem Blick auf den Wohlstand aller Nationen zu schauen, mit denen sie handelte und deren Gewinn als ihren eigenen Verlust zu betrachten.

Der Handel, der natürlich unter den Völkern wie bei den Individuen ein Band der Vereinigung und Freundschaft sein müsste, ist die fruchtbarste Quelle der Zwietracht und der Feindseligkeit geworden.

Weiter folgt in dem Artikel ein Teil der breiteren Argumentation um Smiths besonderen Kommentar. Ein Schlüssel-Thema für Smith ist die Feststellung, dass Versuche den Handel zu beschränken schon per definitionem bedeuten, den Wettbewerb an sich zu begrenzen. Infolgedessen begünstigen solche Versuche eher die Produzenten (Smith nennt sie „Monopolisten“), die weniger Konkurrenz fürchten müssen und daher ihre Kosten den Konsumenten der Waren auferlegen können.

(Eigene Übersetzung der Einleitung eines Beitrages des amerikanischen Ökonomen Timothy Taylor)

zu 30 Jahre Treuhandanstalt – „Eine einzige Schweinerei“

Edgar Most: Der Prozess der Privatisierung über die Treuhand ist völlig schief gelaufen.

Luftaufnahme Detlev-Rohwedder Haus
Luftaufnahme des Detlev-Rohwedder-Hauses, ehemals Hauptsitz der Treuhandanstalt

Most: Die Gründung der Treuhand war ja gedanklich richtig, ist ja damals am Runden Tisch entstanden, und da gab es ja die Überlegung, dass man das staatliche Eigentum, was ja bei uns fast alles war in der DDR, dass man das insgesamt zur Verfügung stellt und dafür eben eine Treuhand braucht. Aber Treuhand heißt natürlich, dieses Eigentum zu bewahren und aus ihm mehr zu machen. Und das ist ja genau nicht eingetreten.

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Der Reinhart-Rogoff-Fehler: oder wie man Excel nicht nutzen sollte…

Ohne Worte. Weitere Details zur 90-Prozent-Regel von Reinhart und Rogoff findet man auch noch in diesem Beitrag.

Soziale Mobilität und Ungleichheit in der Republik Venedig, 1400-1700

Die wirtschaftsgeschichtliche Forschung hat bisher unbekannte Tatsachen über die langfristigen Trends der Ungleichheit aufgedeckt. Wir haben jetzt zumindest für einige Gebiete Europas kontinuierliche Zeitreihen von Schlüsselindikatoren für Ungleichheit ab etwa 1300.

Venezia c.1650
Venedig um 1650. Kupferstich 30,5 cm × 70 cm von Merian d. Ä.

Diese neuen Daten verändern die Art und Weise, wie wir wirtschaftliche Ungleichheit nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute noch wahrnehmen. Eine wichtige Lehre aus der Geschichte ist die, dass die wirtschaftliche Ungleichheit (insbesondere, aber nicht nur die des Wohlstandes) im Laufe der Zeit deutlich zunimmt und nur Katastrophen im Ausmaß des Schwarzen Todes oder der Weltkriege haben es bisher geschafft diesen Trend zu stoppen, wenn auch nur vorübergehend (siehe Abbildung 1 in der Studie).

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