„Die Erkenntnis aus 6 Jahren ökonomischer Krisen? Keynes hatte doch Recht“

Mark Thoma, Professor für Volkswirtschaft an der Universität von Oregon, zitiert auf seinem Blog Economist’s View den Ökonomen und Journalisten Anatole Kaletsky:

…Es… scheint angebracht zu sein, über die Lehren aus den seit der Krise von 2008 überall auf der Welt durchgeführten politischen Experimenten nachzudenken.

Demonstration in Patras (Griechenland) 2011

Die wichtigste Lehre ist, dass sich die Entscheidungen der Regierungen über Steuern und Staatsausgaben als sehr viel wichtigerer Antrieb für die wirtschaftliche Aktivität herausgestellt haben, ganz im Gegensatz zu den monetären Experimenten mit Nullzinsen und quantitativer Lockerung, die die Aufmerksamkeit von Medien und Märkten beherrscht haben.

… Während alle großen Wirtschaftsräume der Welt seit 2008 im wesentlichen der gleichen Geldpolitik gefolgt sind, war ihre Fiskalpolitik dagegen sehr unterschiedlich und die Divergenz in den Ergebnissen, vor allem wenn wir die Vereinigten Staaten und Europa vergleichen, ist genau das Gegenteil dessen gewesen, was uns durch die Rhetorik der meisten Politiker und Zentralbanker vorausgesagt worden war…

So haben die sechs Jahre seit 2008 eine starke empirische Unterstützung für die angeblich überholte keynesianische Ansicht geliefert, nach der staatliche Kreditaufnahme sehr viel kraftvoller als die Geldpolitik auf die Förderung schwer depressiver Volkswirtschaften wirkt…

Anatole Kaletsky (Reuters): The takeaway from six years of economic troubles? Keynes was right.

Mythos New Deal – Teil 6: Fred Trump und die Federal Housing Administration (F.H.A.)

Entrepreneurs: Set the bar high. Do the best you possibly can. Apply your skills and talent, but above all, be tenacious.

Immobilien-Tycoon Donald Trump am 13.11.2014 auf Twitter

Trump Tower in New York City Mai 2009

Mit Sprüchen wie diesem feilt der amerikanische Multimilliardär Donald Trump immer wieder an seinem Ruf als „Self-Made“-Unternehmer, der seinen Erfolg ausschließlich den eigenen Fähigkeiten zu verdanken hat. Zur Zeit schätzt ihn das Wirtschaftsmagazin Forbes auf ein Gesamtvermögen von ca. 4 Milliarden Dollar, 2011 bescheinigte es ihm ein Einkommen von etwa 60 Millionen $ im Jahr.

Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass Trumps Erfolgsgeschichte in Wirklichkeit keineswegs so „heldenhaft selbstgemacht“ ist, wie es in den Mythen so gern erzählt wird. Ganz im Gegenteil beruht die Karriere des Donald Trump sehr viel mehr auf der Hilfe anderer, vor allem der seines Vaters, der US-Regierung und der amerikanischen Öffentlichkeit.

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Sparparadoxon: Wer mehr Tore schießt, wird Weltmeister; wenn alle mehr Tore schießen, werden alle Weltmeister

Einfacher Versuch einer Erklärung des Sparparadoxons als Rationalitätenfalle:

Auf der Mikroebene richtig: Wenn Deutschland in seinen WM-Spielen mehr Tore schießt als der jeweilige Gegner, wird Deutschland am Ende Weltmeister.

Auf der Makroebene falsch: Wenn alle Mannschaften im Turnier mehr Tore erzielen als ihre Gegner, sind alle Mannschaften am Ende Weltmeister.

Götze kicks the match winning goal
Mario Götze erzielt das Siegtor im WM-Finale 2014

Dieses wenn auch zugegebenerweise nicht gänzlich passende Beispiel ging mir durch den Kopf, als ich den Beitrag von Steve Keen zur Austeritätspolitik der belgischen Regierung als Trugschluss der Kompo-sition las.

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Schalke 04: Die Psychologie des frühen Tores?

Keine zehn Minuten war die Begegnung zwischen dem FC Schalke 04 und dem FSV Mainz alt, da rappelte es bereits das erste Mal im Kasten von Loris Karius. Wie aus dem Nichts hatte der Gelsenkirchener Goalgetter Klaas-Jan Huntelaar den Mainzer Keeper mit einem cleveren Heber überwunden, assistiert vom blendend aufgelegten Eric-Maxim Choupo-Moting.

LorisKarius2014

Und das, obwohl die Rheinhessen bis dahin gar nicht mal schlecht gespielt hatten, nur der richtige Zugriff auf die beiden Schalker Angriffsspitzen gelang ihnen offenbar nicht.

Lag es daran, dass S04-Trainer Roberto Di Matteo wieder, ganz im Gegensatz zum unsäglichen Chelsea-Spiel, auf die 5-3-2-Formation zurückgegriffen hatte? Schon nach der Begegnung gegen den VFL Wolfsburg hatte ich ja bereits meinen Eindruck kundgetan, dass mir Choupo-Moting als zweiter Stürmer effektiver erscheint, als wenn er an der Außenlinie rauf und runter rennen muss.

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Die ständige Wiederkehr der unsäglichen „Vertrauens-Fee“

Die wichtigste Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum in europäischen Volkswirtschaften sei Vertrauen…

Aussage von Bundesfinanzminister Schäuble lt. Tagesschau.de

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Vorsicht Vertrauens-Fee!!

Es ist immer wieder zu hören und zu lesen: meist konservative Politiker wollen uns etwas von dem „Vertrauen“ der Wirtschaft erzählen, welches der Staat nur durch eisernes „Sparen“ und einer „soliden Haushaltspolitik“ den Unternehmen abtrotzen und sie so zum Investieren und damit auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen animieren könne.

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Mythos New Deal – Teil 5: FDR und das öffentliche Wohnungswesen

Bei meinen Recherchen über den New Deal des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt (FDR) habe ich viel über den Wagner-Steagall Housing Act von 1937 gelesen, mit dem der Präsident damals die Grundlage für ein völlig neues Wohnungsrecht in den Vereinigten Staaten gelegt hatte.

WPA National Youth Administration constructing stone building ARIZONA 1936
National Youth Administration: Junge Männer beim Bau eines Steingebäudes in Arizona

Neben anderen Maßnahmen setzte Roosevelt zu Bekämpfung der ökonomischen Krise während der „Großen Depression“ auch auf eine verstärkte Förderung des öffentlichen Wohnungsbaus. Er sah es als eine der Hauptaufgaben des Staates an, unsichere Wohnverhältnisse zu bekämpfen, den akuten Mangel an menschenwürdigen Unterkünften zu beseitigen und so die Knappheit an Wohnraum für Familien mit niedrigeren Einkommen zu beenden.

Daher wollte seine Administration ein landesweites Programm zum Bau und Betrieb von Sozialwohnungen etablieren, welches vor allem den Armen zugute kommen sollte.

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S04: Nach dem Zwischenhoch die nächste eiskalte Dusche

Tja, so kann’s manchmal gehen: beim Bundesliga-Heimsieg Samstag gegen Wolfsburg gab die erste halbe Stunde noch Anlass zur Hoffnung auf Besserung, doch nur ein paar Tage später holte das Debakel gegen den FC Chelsea gestern in der Champions League alle Schalker Fans wieder auf den bitteren Boden der Tatsachen zurück.

Szene aus dem Hinspiel zwischen dem FC Chelsea und Schalke 04

Am Wochenende rieb man sich doch etwas erstaunt die Augen: offensichtlich hatte S04-Trainer Roberto Di Matteo die Länderspielpause dazu genutzt, für das Heimspiel gegen die VW-Städter eine neue Taktik einzuüben.

Eine variable Fünferkette in der Abwehr, bei der die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz ins Mittelfeld vorrückten, ein kompaktes Mittelfeld ohne richtige Außen und zwei zentrale Stürmer verwirrten die Wolfsburger offenbar so sehr, dass diese nach 25 Minuten bereits mit 0:3 zurück lagen.

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L. A. Dodgers: Denkwürdige Saison wurde vom abrupten Ende im Oktober überschattet

Ein mit Highlights und Spielerauszeichnungen gefülltes Jahr verpuffte in der Postseason

Club-Präsident Mark Walter schleuderte wutentbrannt eine Equipment-Tasche aus der Kabine, nachdem seine Dodgers in St. Louis aus den Playoffs ausgeschieden waren. Ein Bild, dass mehr aussagte als tausend Worte.

Vergangene Playoff-Größen der L.A. Dodgers

Für 235 Mill. $ auf der Gehaltsliste erhielt Walter zwar einen zweiten aufeinander-folgenden National-League-West-Titel, doch ein Erstrunden-Aus in den Playoffs kann für die millionenschwere und hochkarätige Guggenheim-Eigentümergruppe nur als einen Schritt zurück betrachtet werden.

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Abenomics: Ohne Lohnsteigerungen auf Dauer erfolglos

Keynesianer stöhnten erschrocken auf, während Monetaristen und Neoliberale eine gewisse Genugtuung offenbar nicht verhehlen konnten, denn die FAZ meldete dieser Tage: Japans Wirtschaft steckt in der Rezession.

Shinzo Abe, Prime Minister of Japan (9092387608)
Shinzo Abe, Premierminister von Japan

Handel, Dienstleistungen und Industrie im Land der aufgehenden Sonne sind im 3. Quartal 2014 überraschend geschrumpft, die umstrittene Reform-Strategie von Premierminister Shinzo Abe, Abenomics genannt, stehe angeblich vor dem Scheitern.

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Mythos New Deal – Teil 4: John Maynard Keynes und die Reformen des New Deal

Bereits in den 1920er Jahren hatte John Maynard Keynes als Dozent des King’s College in Cambridge sowie als wirtschaftspolitischer Berater der englischen Regierung und Teilnehmer an den Friedensgesprächen von Versailles einen enormen Bekanntheitsgrad erreicht. Seine Werke „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages“ (1919), „Ein Traktat über Währungsreform“ (1923) und vor allem seine große Abhandlung „Vom Gelde“ (1930) wurden öffentlich wahrgenommen und ausgiebig diskutiert.

John Maynard Keynes
John Maynard Keynes (1946)

Beim Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 gehörte Keynes zu den aufmerksamsten ökonomischen Beobachtern der darauf folgenden politischen und wirtschaftlichen Irrungen und Wirrungen. So verfolgte er auch sehr intensiv den von dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt eingeschlagenen Weg des New Deal, mit dem die „Große Depression“ in den USA überwunden werden sollte.

Als im Verlauf der Krise die Produktion weltweit massiv einbrach und die Arbeitslosenquoten immer weiter stiegen, erkannte auch Keynes, dass die damals vorherrschende klassische ökonomische Theorie keine funktionierenden Lösungen anbieten konnte.

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