S04: Nach dem Zwischenhoch die nächste eiskalte Dusche

Tja, so kann’s manchmal gehen: beim Bundesliga-Heimsieg Samstag gegen Wolfsburg gab die erste halbe Stunde noch Anlass zur Hoffnung auf Besserung, doch nur ein paar Tage später holte das Debakel gegen den FC Chelsea gestern in der Champions League alle Schalker Fans wieder auf den bitteren Boden der Tatsachen zurück.

Szene aus dem Hinspiel zwischen dem FC Chelsea und Schalke 04

Am Wochenende rieb man sich doch etwas erstaunt die Augen: offensichtlich hatte S04-Trainer Roberto Di Matteo die Länderspielpause dazu genutzt, für das Heimspiel gegen die VW-Städter eine neue Taktik einzuüben.

Eine variable Fünferkette in der Abwehr, bei der die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz ins Mittelfeld vorrückten, ein kompaktes Mittelfeld ohne richtige Außen und zwei zentrale Stürmer verwirrten die Wolfsburger offenbar so sehr, dass diese nach 25 Minuten bereits mit 0:3 zurück lagen.

Clever war das schon, wie Di Matteo die defensiven Schwächen von Christian Fuchs links und (eher weniger) Atsuto Uchida auf der rechten Seite mit drei Innenverteidigern kaschierte, von denen Benedikt Höwedes den Kapitän der österreichischen Nationalelf und Roman Neustädter den Japaner unterstützten.

Zwar geriet das Ganze zwischenzeitlich noch etwas durcheinander, doch gerade Fuchs erwies sich als wesentlich stärker als in den letzten Spielen. Und auch Eric-Maxim Choup-Moting profitierte sichtbar von der neuen Taktik, als zweiter Stürmer neben dem Holländer Huntelaar konnte er seine Effektivität mit zwei schönen Toren wesentlich besser unter Beweis stellen als auf der linken Außenbahn.

Dass es am Ende nur zu einem knappen 3:2 reichte, lag sicherlich auch daran, dass die Schalker nach dem dritten Tor viel zu passiv spielten, nur noch verteidigten und viel zu selten eigene Konter kreieren konnten. Trotzdem zeigte die erst halbe Stunde einen Weg an, den man in Gelsenkirchen eigentlich weiter verfolgen sollte.

Umso erstaunter war ich, als Di Matteo gegen Chelsea wieder auf das alte Konzept des 4-2-3-1 zurückgriff. Selbst die Sky-Redaktion hatte damit wohl nicht gerechnet, zeigte die Aufstellung doch wieder die Fünfer-Kette wie gegen Wolfsburg an.

Fehlte dem Schalker Trainer der Mut, auch gegen den favorisierten Club aus England dieses System spielen zu lassen? Oder war er der Ansicht, dass Chelsea-Coach Jose Mourinho genau diese Taktik erwartete? Die Klärung dieser Frage war allerdings nach nicht einmal zwei Minuten nicht mehr wichtig, der erste Treffer durch John Terry machte eigentlich jedes Spielkonzept zunichte.

Dazu noch ein Torwartfehler beim 0:2 und ein unerklärliches Eigentor von Jan Kirchhoff, und der gebrauchte Tag für die Schalker war zur Halbzeit perfekt. Was allerdings die Fans im Stadion (und mich vor dem Fernseher) besonders erzürnte, war die Art und Weise, wie die Schalker Mannschaft zwischenzeitlich auf den Rückstand reagierte.

Bezeichnend eine Szene so rund um die vierzigste Spielminute: nach einer Balleroberung erwartete wohl alles eine schnelle Aktion aus dem Mittelfeld nach vorn, doch stattdessen blieben neben dem ballführenden Spieler (ich glaube, es war Marco Höger) auch alle anderen Akteure nahezu stehen, und strahlten so eine gewaltige Portion Lustlosigkeit oder gar Hilflosigkeit aus.

Durch die Arena ging ein immer lauter werdendes Raunen, und erste Pfiffe ertönten. Zur Pause steigerte sich das nach einer völlig indiskutablen Leistung zu einem schrillen Pfeifkonzert, das durchaus seine Berechtigung hatte.

Am Ende stand ein 0:5 nach einem desaströsem Spiel, nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für einen vor allem auf die Defensive konzentrierten Trainer eigentlich ein echtes Debakel. Das Kapitel Champions League kann man danach schon fast abhaken, neben einem eigenen Sieg beim letzten Auftreten in Maribor müsste auch Sporting Lissabon in Chelsea verlieren, wenn man denn noch in der Königsklasse überwintern wollte.

Doch ganz ehrlich: nach einer solchen Leistung hat Schalke in der Champions League schlichtweg nichts verloren, das unsägliche 1:1 gegen Maribor und die Niederlage in Portugal sprechen da zusätzlich noch eine deutliche Sprache.

Na ja, bis dahin sind noch gut zwei Wochen Zeit, und auch auf Schalke hat es schon so manche Wunder gegeben (obwohl ich daran kaum noch glauben mag). Viel wichtiger ist dagegen die Bundesliga, wo es schon am Samstag gegen den FSV Mainz 05 darum geht, die gute Ausgangsposition, die man sich mit dem Erfolg über Wolfsburg erarbeitet hat, weiter zu festigen.

Daher muss das Debakel gegen Chelsea möglichst schnell aus den Köpfen der Spieler raus, und der Glaube an die durchaus vorhandenen eigenen Stärken sollte gefördert werden. Das ist die nicht gerade leichte Aufgabe, der sich Roberto Di Matteo und seine Co-Trainer in den nächsten Tagen annehmen müssen.

Denn auch in der Bundesliga sind momentan die Abstände noch so gering, dass man sich keine Ruhepause gönnen kann. Ein Sieg gegen die Mainzer ist damit Pflicht, ebenso wie ein engagierter Auftritt, um den Frust der Fans wenigstens etwas zu besänftigen.

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