Immer wieder: NICHT in Infrastruktur, Kultur und Wissen zu investieren IST die Belastung, die wir zukünftigen Generationen auferlegen

Wenn wir den meisten Politikern glauben sollten, würden wir dabei dem falschen Ein-druck unterliegen, dass eine Regierung, die heute nicht investiert zukünftigen Gene-rationen damit einen Gefallen tut.

A60 Bauarbeiten Mainz 2007
Bauarbeiten an der Bundesautobahn A60 in der Nähe von Mainz

Das Hinterlassen von unterentwickelten Kommunikationssystemen, schrumpfenden Straßen- und Verkehrsnetzen, verschlechterten Bildungs- und öffentlichen Gesundheits-systemen, erodierenden kulturellen Institutionen, stagnierenden Entwicklungen in Wissenschaft und Technik und so weiter werden die zukünftigen Generationen angeblich von jeder Belastung freihalten, die ihnen sonst auferlegt werden müsste.

Wenn wir den orwellschen Neusprech der Politiker allerdings beiseite legen, ist es dagegen offensichtlich, dass heutige Investitionen in die Infrastruktur künftigen Generationen helfen, während das Nichtinvestieren den Menschen in der Zukunft wesentlich schlechtere Aussichten beschert.

Es erscheint auch eindeutig, dass diese Investitionen zugunsten künftiger Generationen keine Reduzierung des derzeitigen eigenen Konsums erfordert, da heute viele Arbeitslose und Teilzeit-beschäftigte Vollzeitarbeitsplätze benötigen sowie Anlagen, Maschinen und andere Geräte nicht vollständig ausgelastet sind.

Politiker behaupten natürlich, dass, wenn wir uns heute weigern zu investieren, die Regierungen in der Zukunft größere Kapazitäten besitzen würden um dies zu tun. Aber das macht überhaupt keinen Sinn für eine Regierung, die eine eigene Währung herausgibt (bzw. eine EZB als staatliche Notenbank, die diese Aufgabe für die einzelnen EU-Staaten übernehmen müsste). Eine solche Regierung kann niemals mehr und auch nicht weniger die Fähigkeit haben, das zu kaufen, was in der eigenen Währung zum Verkauf angeboten wird.

Eine währungsemittierende Staatsmacht kann die Produktion immer initiieren, wenn es Menschen gibt, die mehr Arbeitsstunden haben wollen und produktive Kapazitäten im Leerlauf verharren. Wenn die Regierung dies nicht schafft, sind die verpassten Möglichkeiten für immer verschwunden. Diese verlorene Beschäftigung und verpasste Produktion werden nicht für die Zukunft gespart. Sie verfallen einfach.

Alles, was die Regierung erreicht, indem sie jetzt nicht investiert, ist ein zukünftiges Defizit an Infrastruktur, Wissen und Kultur durch die heutige Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung derjenigen, die diese Infrastruktur eigentlich entwerfen und aufbauen könnten.

Mit vielen Menschen, die sich mehr Beschäftigung wünschen und verfügbaren Anlagen und Maschinen, die nicht ausgelastet sind verpassen wir heute auch das, was die Ökonomen als „Multiplikatoreffekte“ der Infrastruktur-Investitionen bezeichnen.

Einfach ausgedrückt hätten die Menschen, die dafür bezahlt würden um diese Infrastruktur zu bauen, heute höhere Einkommen, die dann anderswo in der Wirtschaft zusätzliche Produktion, Beschäftigung und Einkommen schaffen würden um damit die steigende Nachfrage dieser Menschen befriedigen zu können.

Investitionen in die öffentliche Infrastruktur führen zu einer Win-Win-Situation. Wir genießen heute höhere Lebensstandards, während unsere Kinder und Enkel in der Zukunft eine bessere Infrastruktur erben.

Doch die Politiker wollen dagegen offenbar, dass wir einen doppelten Verlust erleiden: einen niedrigeren Lebensstandard heute und verarmte Generationen morgen.

(eigene Übersetzung eines schon etwas älteren Blogbeitrages des australischen Ökonomen Peter Cooper, der aber an Aktualität nichts eingebüßt hat)

Dieser Beitrag wurde unter Ökonomie abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.