Folgenreiche Entscheidungen: Die tatsächliche Geschichte der imperialen Sternenkriege verstehen

Der Fall des Imperiums und das Versagen seiner Nachfolgestaaten, die Ordnung in der Galaxie wiederherzustellen, wird in den Geschichtsbüchern gewöhnlich falsch dargestellt.

SXSW 2016 Day 2- Tie Fighter (25632734152)
Modell eines Tie-Fighters

Populäre, semiakademische und sogar akademische Autoren beschreiben es als eine Kombination aus Boulevard-Seifenoper und persönlichen Heldentaten: Bösewichte, Jedi-Ritter, atemberaubender Verrat, die Palpatine-Verschwörung und – natürlich – das bizarre und unverständliche wiederholte Generationspsychodrama der Skywalker-Familie.

Dies vernachlässigt jedoch die eigentliche Geschichte – die tiefgreifenden strukturellen und bürokratisch-kulturellen Faktoren, die dazu führten, dass Leia Amidala/Skywalker/ Organa apokryphal ihren Vater davor warnte, dass die Sternensysteme durch die Finger des Imperiums gleiten würden, während es versuchte, seinen Griff zu festigen.

Diese Missachtung in der Standardhistorie bedeutet, dass sie zwar als unterhaltsame Ablenkung dienen kann, gleichzeitig jedoch nicht als Quelle für ein tiefes Verständnis historischer Ereignisse herangezogen werden kann – und sogar noch weniger als Unterrichtsquelle von Nutzen sein kann, um die gegenwärtigen und zukünftigen politischen Entscheidungsträger anzuleiten.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Es war für alle Operationsforschungsspezialisten sehr klar, dass diese drei die kostengünstigsten und effektivsten imperialen Waffensysteme darstellten:
• Tie-Fighter,
• Sternenzerstörer und
• gekaufte Kopfgeldjäger.

Die Kopfgeldjäger erzielten enorme Erfolge bei der Aufstandsbekämpfung gegen Rebellen- und Widerstandskräfte. Und das taten sie mit sehr geringen ja sogar eher positiven Auswirkungen auf das imperiale Haushaltsdefizit. Sternenzerstörer gaben dem Imperium und seinen Nachfolgestaaten nicht nur Raumüberlegenheit, sondern auch eine echte Vormachtstellung, wo immer ihr Einsatz logistisch aufrechterhalten werden konnte.

Und der Tie-Fighter war der T-34-Panzer der imperialen Kriege – günstig zu bauen, leicht zu warten, sehr manövrierfähig und viel besser als erwartet, dabei aber auch so leicht zu fliegen, dass selbst ein mäßig erfahrener Pilot auf seinem ersten Ausflug in einem Tie-Fighter-Cockpit gleich zu einem Ass aufsteigen konnte.

Aus kulturell-bürokratischen Gründen zogen es Imperiums-Admiräle, Generäle und sonstige Prinzipienreiter jedoch vor, diese hochwirksamen Waffensysteme in ihrem Streitkräfteportfolio weniger stark zu gewichten.

Generäle bevorzugten Klonarmeen. Die Klontruppen stellten ihnen viele Führungs-positionen zur Verfügung und gaben ihnen somit das Gefühl, besonders wichtig zu sein. Egal, ob die Klonsturmtruppen weniger als null Initiative zeigten. Egal, dass Klonsturm-truppen niemals die breite Seite einer Scheune treffen konnten. Und natürlich waren die gehirngewaschenen Janitscharensturmtruppen der zweiten Generation noch schlimmer.

Admiräle zogen es vor, die verfügbaren Haushaltsmittel nicht für mehr Sternenzerstörer und der logistischen Unterstützung ihrer Einsätze auszugeben, sondern für den Bau von Superwaffen vorzuhalten – Eierschalen mit Hämmern, die Planeten zerstören konnten, aber wahnsinnig anfällig für X-Wing-Angriffe waren und, wie etwa Lord Vader Grand Moff Tarkin richtigerweise warnte – aufgrund der Trumpfkarte, die die Macht darstellte eher unbedeutend für das strategische Gesamtgleichgewicht erschienen.

Aber natürlich waren hohe imperiale Politiker und deren Nachfolger in der Operations-analyse unerfahren und sich der operativen Realität vor Ort nur selten bewusst. Sie stellten somit eine leichte Beute für die Lobbyarbeit von Generälen, Admirälen und Bürokraten dar. Und der Gnadenstoß kam mit den Claqueren der Pseudo-Intellektuellen, die für Netzveröffentlichungen wie den Imperial Review, den Imperial Interest und den Decadely Standard schrieben.

Die Auswirkungen des Scheiterns der oben beschriebenen imperialen Militärreform waren offensichtlich und unvermeidlich. Stellen Sie sich einfach vor, was die Ergebnisse von äußerst knappen Schlachten wie Yavin IV, Hoth, Endor, Jakku und der Starkiller-Basis gewesen wären, wenn die Struktur der imperialen Truppen und ihrer Nachfolger im Kern eher aus Sternenzerstörern, Tie-Fightern und Kopfgeldjägern bestanden hätte und sie nicht nur bloßes Zubehör zu den Eierschalen-Superwaffen und dem Blasterfutter der Sturmtruppen gewesen wären…

(Eigene Übersetzung eines Blogbeitrags des amerikanischen Ökonomen Bradford DeLong)

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