Muss das Wirtschaftswachstum irgendwann ein Ende haben?

Wo liegen die Grenzen des Wirtschaftswachstums – und haben wir sie bereits rücksichts-los überschritten? Solche Fragen wurden kürzlich (erneut) durch einen neuen alarmie-renden Bericht über den Klimawandel aufgeworfen. Viele der Umweltschützer sind überzeugt, dass das Wirtschaftswachstum selbst das grundlegende Problem darstellt.

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Eggborough-Kohlekraftwerk in North Yorkshire, England

Es war also der richtige Zeitpunkt, um zwei Ökonomen, die sich mit dieser Frage befasst haben, einen Nobelpreis zu verleihen. William Nordhaus und Paul Romer haben versucht, die unsichtbaren und manchmal unbeschreiblichen Ursachen und Folgen von Wachstum zu verstehen.

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Der Trugschluss der Loanable Funds-Theorie

Die Loanable Funds-Theorie ist in vielerlei Hinsicht nichts anderes als ein Ansatz, bei dem schlicht und einfach die vorherrschende Zinsrate in einer Gesellschaft als der Preis für Kredite der Banken oder für andere Darlehen gedacht ist und von Angebot und Nachfrage bestimmt wird – wie Bertil Ohlin es einmal ausführte – „genauso wie der Preis von Eiern und Erdbeeren auf einem Dorfmarkt.“


Der Markt für Kreditfonds gemäß neoliberaler Theorie

Das ist ein sehr schönes Märchen, doch das Problem dabei ist, dass Banken keine Tauschhändler sind, die bereits vorhandene ausleihbare Mittel von Einlegern auf Kreditnehmer übertragen. Warum nicht? Weil es in der realen Welt einfach keine bereitgestellten verleihbaren Fonds gibt. Banken schaffen neue Mittel – als Kredit – nur, wenn sich jemand vorher verschuldet hat! Denn Banken sind Geldinstitute, keine Tauschhändler.

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Das durchaus erklärbare Geheimnis der US-Staatsschulden

Amerikas aktuelle „Staatsverschuldung“ beläuft sich auf immerhin 21,5 Billionen US-Dollar.

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US-Staatsschuldenuhr an der Kreuzung 6th Avenue und 44th Street
in Manhattan, New York, Februar 2017

Wenn Politiker und Wirtschaftsexperten über diese „Schulden“ reden (sich sorgen, ärgern, die Hände reiben, mit den Zähnen knirschen oder wie auch immer), nehmen sie implizit – gemeinsam mit ihren Zuhörern, Lesern und potenziellen Wählern – an, dass diese fantastische Summe letztendlich auch zurückgezahlt werden muss.

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Die Wurzeln der argentinischen Überraschungskrise

Eine Änderung der makroökonomischen Politik wird nicht ausreichen, um Argentinien auf einen Weg der umfassenden und nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung zurückzuführen. Doch wie der Währungsschock des letzten Monats gezeigt hat, wäre es ein notwendiger Schritt, den von der Regierung von Präsident Mauricio Macri seit Ende 2015 verfolgten Ansatz aufzugeben.

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Historisches Wachstum des Bruttoinlandproduktes (GDP)
von Argentinien von 1961 bis 2016

Der Devisenschock, welcher Argentinien im vergangenen Monat traf, überraschte viele. Tatsächlich hat eine Reihe von riskanten Wetten, die die argentinische Regierung im Dezember 2015 begonnen hat, die Anfälligkeit des Landes erhöht. Unklar war, wann Argentiniens Wirtschaft auf die Probe gestellt werden würde. Als der Test dann kam, scheiterten Land und Regierung.

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Heiner Flassbeck: Gescheiterte Globalisierung – sinkende Investitionen und steigende Staatsverschuldung

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Panorama des BASF-Werks in Ludwigshafen

…Die Kernidee jeder marktwirtschaftlichen Ordnung ist es, dass den Ersparnissen der privaten Haushalte, die Ausdruck privater Vorsorge sind, jederzeit und ohne jede Verzögerung eine Investitionstätigkeit gegenüber-steht, die aus dem heute nicht verbrauchten Teil des Einkommens eine sichere Einkommensquelle für die Zukunft macht.

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Die Bedeutung der Institutionen – hier: Nord- und Südkorea

In diesem Video diskutieren wir ein für das Verständnis des Wirtschaftswachstums entscheidendes Thema: die Macht der Institutionen.

Um das besser zu verstehen, schauen wir uns ein tragisches und extremes Beispiel an: im Jahr 1945 wurden Nord- und Südkorea geteilt, womit 35 Jahre japanischer Kolonial-herrschaft über die koreanische Halbinsel beendet wurden. Von da an gingen die beiden Koreas ganz andere Wege. Nordkorea beschritt den Pfad des Kommunismus, und Südkorea wählte eine relativ kapitalistische, freie Marktwirtschaft.

Nun – was waren die Ergebnisse dieser Entscheidungen?

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Ist Wachstum gut?

Wann immer das Thema des Wirtschaftswachstums angesprochen wird, gibt es eine weit verbreitete und verständliche Reaktion in dem Sinne, dass Wachstum ökologisch nicht nachhaltig oder sozial schädlich sei.

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Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts der Welt und der OECD

Da eines der Hauptanliegen dieses Blogs das nachfragegesteuerte Wachstum ist, lohnt es sich vielleicht innezuhalten, um über die Angemessenheit des Themas nachzudenken. Die generelle Problematik kann dabei in zwei Abschnitte unterteilt werden. Warum sollte man überhaupt das Wachstum als solches betrachten? Und warum die Möglichkeit hervor-heben, dass Wachstum nachfragegeleitet sein kann?

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John Stuart Mill (1848): „Grundsätze der politischen Ökonomie“

Bis dato ist es eher fraglich, ob all diese mechanischen Erfindungen, die bisher gemacht wurden, die täglichen Mühen der Menschen tatsächlich erleichtert haben…

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Unterschrift von John Stuart Mill

…Sie haben es lediglich einer größeren Bevölkerungsanzahl ermöglicht, das gleiche Leben in Schufterei und Freiheitsentzug zu führen, wogegen eine größere Anzahl von Fabrikanten und anderen sie genutzt haben, um damit ein Vermögen zu machen.

Sie konnten zwar den Komfort der Mittelklasse erhöhen, doch sie haben noch nicht begonnen, jene großen Veränderungen im menschlichen Schicksal zu bewirken, die es in ihrer Natur und in ihrer Zukünftigkeit zu erreichen gilt.

Erst wenn neben den Institutionen auch die Mehrheit der Menschen von vernünftiger Voraussicht geleitet wird, können die durch den Verstand und die Energie der wissenschaftlichen Entdecker aus den Naturgewalten gemachten Eroberungen zum gemeinsamen Eigentum dieser Spezies werden, sowie zum Mittel zur Verbesserung und Steigerung des universellen Wohlbefindens…

aus Principles of Political Economy von John Stuart Mill

Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – die Notwendigkeit der zyklischen Krise

Weltwirtschaftswachstum
Reales Wirtschaftswachstum der Welt von 1950-2014
(schwarze Linie: 5-jährlicher laufender Durchschnitt)

…Und die traditionelle zyklische Krise ist lebenswichtig für den Kapitalismus: Nur in der zyklischen Krise konnte die aufgeblasene (überakkumulierte, dabei zum guten Teil auch immer rein „umverteilte“) Kapitalmenge, die sich klassischerweise im investierten Sachkapital und heute überwiegend im fiktiven nominalen Spekulationskapital aufhäuft, so radikal entwertet werden, dass die Profitrate wieder auf normale Werte steigen konnte und für die übriggebliebenen und einige neue Kapitalisten sich das Investieren und Produzieren, und heutzutage: das Spekulieren („Finanzinvestitionen“) wieder lohnten.

Eine neue Dynamik des Kapitalismus konnte nach sozial mehr oder weniger schlimmen, mehr oder weniger lang anhaltenden und mehr oder weniger gewalttätigen Krisen (mit oder ohne Kriegen) beginnen. Die ersten investieren dann schon wieder, wie es in Spekulantenkreisen heißt, „wenn das Blut auf der Straße liegt“.

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011

Die Lehren aus einer Roboter-Übernahme in Zeitlupe

Die Baumwollernte wird heute von Maschinen dominiert. Aber bis es soweit war, hat es Jahrzehnte gedauert.

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Eine Baumwoll-Erntemaschine von John Deere bei der Arbeit in den USA

Aus der Kabine eines hochmodernen Cotton-Ernters Marke John Deere erscheint das Pflücken von Baumwolle heute als der einfachste Job der Welt. Man tuckert mit vier oder fünf Meilen pro Stunde herum und sieht zu, wie die leuchtend gelben Finger der riesigen Maschine acht Reihen von Kapseln gleichzeitig verschlingen.

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