Grundlage der Eurokrise – der reale innere Wert einer Währung

Auch wenn die Eurokrise, seit nunmehr fast sieben Jahren ungelöst, ein wenig aus den politischen Schlagzeilen verschwunden ist, steht vor allem Griechenland immer noch im Fokus der Kritik: Korruption, ein enorm aufgeblähter Staatsapparat, zu spendable Politiker, aber auch die angeblich „zu faulen“ Griechen selbst werden oft als Gründe für den Ausbruch der Krise angeführt. Ebenso geht das Aufrechnen von moralischer Schuld und (Geld-)Schulden ungehemmt weiter.

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Doch ist das alles auch wirklich richtig so? Oder gibt es möglicherweise noch ganz andere Fakten, die ohne den Rückgriff auf empörende Moralität die ganze Malaise erklären können? Doch wo soll man da anfangen in der verwirrenden Kakophonie verschiedenster Meinungen?

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Fed St. Louis: Wie beeinflussen Staatsausgaben die Inflation?

Das eher glanzlose Wachstum des us-amerikanischen Bruttosozialproduktes (BIP) um nur etwa 0,5 Prozent im ersten Quartal 2016 könnte erneut zu Forderungen nach höheren Staatsausgaben führen, um die Wirtschaft noch mehr zu stimulieren.

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Eine mögliche Begründung wäre die, dass eine Erhöhung der staatlichen Einkäufe die Produktionskosten nach oben treiben könnte. Im Gegenzug würde dies die Inflation ankurbeln. Solange die Federal Reserve dieser Erhöhung nicht mit einer restriktiven Geldpolitik entgegenzuwirken versucht, könnte der Anstieg der Inflation helfen den realen Zinssatz zu senken.

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Wilhelm Lautenbach über verstärktes „Sparen“ und seine fatalen Folgen

…Wir wollen einmal unterstellen, eine Wirtschaft befände sich auf mäßigem Beschäftigungsniveau im Gleichgewicht und nunmehr veranlasste irgendein äußerer Umstand die Angehörigen dieser Wirtschaft, sich im Verbrauch mehr zu beschränken, ohne daß sich im Warenangebot oder im Einkommen bis dahin schon etwas geändert habe.

Unterstellen wir, die Einkommenbezieher würden durch eine wirkungsvolle Propaganda veranlaßt, weniger auszugeben und mehr zu sparen! So etwas wäre zwar ein Schildbürgerstreich, aber durchaus nicht außer dem Bereich der Möglichkeit.

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Hans-Werner Sinn über Mindestlöhne, die Eurokrise, Say’s Law und die absurde Logik der neoklassischen Theorie

Man ist ja eigentlich von den neoliberalen Apologeten gewohnt, dass sie gerne bei ihren Aussagen im Ungefähren bleiben, dafür Schlagworte heraushauen (wie etwa der neue Ifo-Chef Clemens Fuest in einem Interview: „Mehr Mindestlohn, mehr Arbeitslosigkeit“ oder „Höhere Unternehmensteuern oder Netto-Vermögensteuern kosten Arbeitsplätze“), ohne aber wirklich bei den Begründungen in die Tiefe gehen zu müssen.

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Der ehemalige Präsident des Ifo-Institutes Hans-Werner Sinn

Das ist natürlich an sich schon oft problematisch, weil in solchen Zwiegesprächen meist die Zeit knapp bemessen wird, viele Themen auf einmal abgehandelt werden sollen oder aber, was ebenso häufig vorkommt, die Interviewer mangels fundiertem Wissen nicht nachhaken können oder wollen.

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Das Scheitern der Austerität: „Il Duce“-Edition

Kurz gefasst: nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine kurze, aber sehr wichtige Phase in der europäischen Geschichte, in der die Menschen Rechte bekamen wie etwa das Wahlrecht, den 8-Stunden-Arbeitstag und andere vergleichbare, das allgemeine Wohlergehen verbessernde Annehmlichkeiten.

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Benito Mussolini bei einer Rede in Mailand 1930

So auch in Italien. In einigen Ländern führte dies allerdings zu heftigen Gegenreaktionen: so beispielsweise im Jahr 1922 zu Benito Mussolinis faschistischen „Marsch auf Rom“, mit dem die demokratische Phase in diesem Land beendet und die ab 1925 diktatorische Macht Mussolinis begründet wurde.

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Von Berlin nach Basel: was uns das Deutsche Reich der 1930er Jahre über Bankenregulierung lehren kann

Zwei der größten Banken des Landes kollabierten. Die anschließende Panik zwang das Bankensystem in die Knie und nur ein kostspieliger Bail-Out durch die Regierung verhinderte eine noch größere Katastrophe. Eine radikales Umdenken bei der Banken- regulierung erschien mehr denn je dringend erforderlich zu sein.

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Schleusengraben und Jungfernbrücke vor dem ehemaligen Reichsbankgebäude
(heute Auswärtiges Amt) in Berlin

Nein, es handelte sich nicht um London oder New York im Jahre 2008. Es geht um Berlin in den 1930er Jahren. Denn genau das war damals die Zeit, als die risikogewichtete Eigen- kapitalregulierung der Banken geboren wurde, die vor allem neben einer Reihe von anderen Werkzeugen zur Schadensbehebung in der Krise angewendet wurde, wie zum Beispiel der notwendigen Liquiditätsversorgung oder solch moderner Ideen wie Bonusbegrenzungen und Maßnahmen zur Einlagensicherung.

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Frances Coppola: Euro-Verzweifelung und die deutschen Sirenengesänge

In einem ihrer Posts warnte die britische Finanzexpertin Frances Coppola vor den „Sirenenstimmen“, die eine straffere Geldpolitik verlangen, während die Wirtschaft der Eurozone weiter in einem toxischen Gleichgewicht niedrigen Wachstums, Null-Inflation und hartnäckig hoher Arbeitslosigkeit feststeckt.

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Heinrich Heines Gedicht über die Sirenengesänge der Loreley

Insbesondere verwies sie auf das Jahresgutachten des Sachverständigenrates, mit dem die „Fünf Wirtschaftsweisen“ von der EZB ein Aussetzen oder Reduzieren der Staatsanleihenkäufe (QE) forderten. Weiter schrieb sie:

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Takahashi Korekiyo – der japanische Keynes

Um fünf Uhr morgens am 26. Februar 1936 brachen rebellierende Soldaten im Schneetreiben die Türen des Hauses des japanischen Finanzministers Takahashi Korekiyo in Tokio auf. Zwei ihrer Offiziere gingen in den Raum, in dem Takahashi schlief und ermordeten ihn mit mehreren Pistolenschüssen. Anschließend wurde sein Körper von den Soldaten unter „Verräter“-Rufen förmlich zerhackt.

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Japanische 50-Yen-Banknote aus den 1950er Jahren mit dem Porträt von Takahashi Korekiyo

So endete das Leben eines der damals populärsten und beliebtesten Politikers und Ökonomen der japanischen Vorkriegsära. Einer seiner Mörder sagte später vor Gericht aus, er hätte sterben müssen, weil er eine radikal andere Wirtschafts-, Außen- und Militärpolitik als die japanische Armee befürwortete.

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Fatale Irrtümer des finanziellen Fundamentalismus – Von der notwendigen Erwerbslosigkeit zur Eindämmung der Inflation (NAIRU)

Eine Abhandlung über die Ökonomie der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
Teil 6

Irrtum Nr. 6: Es wird als notwendig erachtet, die Arbeitslosigkeit an einem „inflationsstabilen“ Pegel („NAIRU“) im Bereich von 4 bis 6 % zu halten, wenn dadurch ein inakzeptables Ansteigen der Inflation verhindert werden kann.
1996, als William Vickrey seine Abhandlung der fatalen Finanzirrtümer verfasste, war die amtlich ermittelte Arbeitslosenquote in den USA auf 5,1 % zurückgegangen, während das Congressional Budget Office (CBO) die NAIRU seit 1964 bei 6,0 Prozent festgelegt hatte, nachdem sie vorher seit 1958 zwischen 5,5 und 6,3 Prozent betrug. Seit der Finanzkrise ist die NAIRU ab 2010 wieder gestiegen, bis 5,5 Prozent in 2013, in den nächsten Jahren bis 2020 soll sie dann wieder bis auf 5,1 Prozent sinken.

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Island steckte die Banker ins Gefängnis anstatt sie zu retten – und es funktionierte

Anfang Juni kündigte Islands Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson ein Vorhaben an, mit dem sein Land im wesentlichen die Bücher über sein besonderes Herangehen an die Folgen der Finanzkrise schließen will – einem Ansatz, der stark von den Präferenzen der globalen Finanzeliten abwich und dabei auch noch ganz gut gelang.

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Ausbruch eines Geysirs auf Island

Anstatt der Orthodoxie von Bankenrettungen, Austerität und niedriger Inflation zu folgen, tat Island genau das Gegenteil. Und auch wenn seine Wirtschaft durch die Bankenkrise vielleicht härter als jede andere in der Welt getroffen wurde, erging es seinen Arbeitskräften nicht sehr viel schlechter, und es erlebte zudem einen eindrucksvollen Aufschwung.

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