Island steckte die Banker ins Gefängnis anstatt sie zu retten – und es funktionierte

Anfang Juni kündigte Islands Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson ein Vorhaben an, mit dem sein Land im wesentlichen die Bücher über sein besonderes Herangehen an die Folgen der Finanzkrise schließen will – einem Ansatz, der stark von den Präferenzen der globalen Finanzeliten abwich und dabei auch noch ganz gut gelang.

Strokkur geyser eruption, close-up view
Ausbruch eines Geysirs auf Island

Anstatt der Orthodoxie von Bankenrettungen, Austerität und niedriger Inflation zu folgen, tat Island genau das Gegenteil. Und auch wenn seine Wirtschaft durch die Bankenkrise vielleicht härter als jede andere in der Welt getroffen wurde, erging es seinen Arbeitskräften nicht sehr viel schlechter, und es erlebte zudem einen eindrucksvollen Aufschwung.

Wie gut? Nun, vergleichen wir die Entwicklung der isländischen Arbeitslosenquote mit dem, was in Irland, dem Musterschüler der „Very Serious People“, oder auch in den USA passierte:

Wie hat Island das geschafft?

Indem man die Banken pleite gehen ließ
Zunächst einmal weigerte man sich, mit öffentlichen Mitteln sicherzustellen, dass die Banken ihren verschiedenen Verpflichtungen nachkommen konnten, stattdessen ließ Island die Finanzinstitute Bankrott gehen. Führungskräfte der wichtigsten Bank des Landes wurden als Kriminelle angeklagt.

Und die „Sparpolitik“ ablehnte
Island wurde dennoch von einer sehr schweren Rezession getroffen, die die Staatsschulden im Verhältnis zum BIP hochschnellen ließ. Aber auch nach mehreren Jahren der stetigen Verschuldungszunahme geriet die Regierung nicht in Panik. Sie priorisierte weiterhin die wirtschaftliche Erholung. Und als diese einsetzte und die Schuldenrate zu fallen begann, setzte die Regierung alles daran, sie möglichst sanft abzusenken.

Abwerten und die Inflation akzeptieren
Es gibt nichts umsonst im Leben, und kein Land erholt sich von einer schweren Rezession, ohne dass einige Dinge schlecht laufen. Doch während die meisten Industrieländer durch Jahre mit drückend hoher Arbeitslosigkeit gepaart mit super-niedriger Inflation gingen, tat Island das Gegenteil. Es ließ den Wert seiner Währung fallen, was natürlich zu höheren Preisen führte.

Aber als Folge gewann die Exportindustrie des Landes schnell an Boden in den internationalen Märkten. Die Arbeitslosigkeit stieg zuerst, doch nach einem Höhepunkt von bescheidenen 7,6 Prozent sank sie auf ein sehr niedriges Niveau. In den USA und Europa lag die Priorität stattdessen auf niedriger Inflation, um die Vermögenswerte der Reichen zu schützen. Island priorisiert dagegen den Erhalt von Arbeitsplätzen, und es funktionierte.

Vorübergehende Kapitalverkehrskontrollen einführen
Angesichts von Bankenpleiten und einer abstürzenden Währung hielt es die Regierung für notwendig, eine zusätzliche Maßnahme zu verhängen – Kapitalverkehrskontrollen, mit denen die Fähigkeit der isländischen Bürger, ihr Geld aus dem Land zu bringen, eingeschränkt wurden. Diese stellen eigentlich eine schwere Verletzung des Glaubens an die freien Märkte dar. Noch gravierender können aber ihre Folgen für das Leben der einfachen Menschen sein, zudem sind sie ein mögliches Hindernis für die Gründung neuer Unternehmen. In einigen Ländern wie Argentinien wurden Kapitalverkehrskontrollen zu einer Brutstätte der Korruption und anderen Unfugs.

Diese Gründe führen oft dazu, dass viele Menschen glauben, egal wie gut heterodoxe Politiker auch wirtschaftlich arbeiten mögen, sie schließlich doch zum politischen Scheitern verurteilt sind.

Island zeigt, dass das nicht der Fall sein muss. Diese Politik richtig anzuwenden ist schwierig, aber es kann geschafft werden. Und die Auswirkungen, wenn man alles auf den Kopf stellt, um das Richtige zu tun – die Währung massiv abwerten, dann imponierende Kapitalverkehrskontrollen einführen, um den Niedergang in Grenzen zu halten, und schließlich das Ende der Kontrollen, sobald sich die Wirtschaft erholt – können enorm sein. Island hat eine harte Zeit in den letzten sieben oder acht Jahre erlebt, aber vielen anderen Ländern erging es auch nicht besser. Die Dinge sind dort nun auf dem Wege der Besserung, da die Führer des Landes die Weisheit und den Mut hatten, die Elemente der selbstzufriedenen konventionellen Lehre, die sich anderswo als so schädlich erwiesen haben, zurückzuweisen.

(eigene Übersetzung eines Artikels von Matthew Yglesias)

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