Keine Erholung ohne Strukturreformen? Beispiel Japan der 1990er Jahre – Teil 1: Einleitung

Die Krise in Japan wurde 1990 ausgelöst, als eine Finanz- und Immobilienblase platzte. In den Jahren zuvor waren die Immobilienpreise sowie die Aktienkurse ins Unermessliche gestiegen. Das Land versank in einer Deflation, aus der es sich bis heute nicht richtig befreien konnte.

Es entstand der Begriff der „verlorenen Dekade“, Schlagwort für eine schwere makroökonomische Absatzkrise, die in dieser Form auch der Europäischen Union bevorstehen könnte.

Traffic signal and Security guard in Japan

Schon damals war es die konventionelle Gewissheit bei vielen Ökonomen, Notenbankern, Finanzjournalisten und Politikern, dass Japan „dringend benötigte Strukturreformen“ implementieren müsse, um die Krise überwinden zu können.

„Keine Erholung ohne Strukturreform“, verkündete der damalige Ministerpräsident Jun’ichirō Koizumi. Der Fall Japan wurde auch zum Vorbild ähnlicher Reformen in anderen Ländern und Regionen, wie zum Beispiel Deutschland, wo sie bald ebenfalls ein Schwerpunkt der Regierungspolitik wurden.

Angesichts dieses überwältigenden Konsens ist es verlockend anzunehmen, dass die Theorie der Struktur- reformen damals gründlichen empirischen Tests unterzogen und durch diese deutlich unterstützt wurde. Solche empirischen Überprüfungen hatte es bis dahin allerdings nicht gegeben. Erst der deutsche Ökonom Richard A. Werner lieferte 2004 ein solches Papier, mit dem die empirische Daten-Erfassung analysiert und die neoklassischen Theorien, auf denen die Idee der strukturellen Reformen beruhte, getestet wurden.

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Und täglich grüßt das Murmeltier…

Man fühlt sich eigentlich jedes Mal unweigerlich an diesen Film erinnert:

Wieder einmal wird in deutschen Medien gejubelt: Auch im Juli 2014 erreichten die deutschen Ausfuhren einen neuen Höchstwert.

Murmeltiertag 2005 in Punxsutawney, Pennsylvania
Murmeltiertag 2005 in Punxsutawney, Pennsylvania, USA

Im sechsten Jahr nach Ausbruch der Eurokrise ist die saldenmechanische Problematik der Handelbilanzüberschüsse bei einem Großteil der hiesigen Journaille offenbar immer noch nicht angekommen.


Der Wettbewerb der Nationen ist also immer ein Abwertungswettlauf mit anderen Mitteln. Steht wie in der europäischen Union das Mittel der Abwertung der Währung den einzelnen Staaten aber nicht zur Verfügung, so muss die Lektion aus der Eurokrise und den zahlreichen anderen Desastern der letzten Jahrzehnte sein, die Erträge aus der wirtschaftlichen Entwicklung im Inland zu konsumieren und das Entstehen von Handelsungleichgewichten als Folge unterschiedlicher Lohnstückkosten- entwicklungen zu verhindern bzw. abzubauen.

Denn:
Die Überschüsse des Einen sind die Schulden des Anderen.

Zu den Hintergründen speziell in der Eurozone verweise ich zudem auf diesen Beitrag:
Die Eurokrise – vorläufiger Höhepunkt des Transferproblems

Zu den Handelsbilanzüberschüssen im allgemeinen siehe auch:
Ein wohltuend sachlicher Beitrag zur Diskussion über die deutschen Exportüberschüsse
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Der amerikanische Bürgerkrieg 1861 bis 1865 – die Folge einer verfehlten Krisenpolitik?

Bekanntlich endete die erste Weltwirtschaftskrise von 1857 nach nur wenigen Jahren vor allem deshalb, weil in vielen Ländern die Löhne während und nach der Krise entgegen heutiger Annahmen gerade nicht in gleichem Maße dem Absinken der vorher spekulationsbedingt hohen Preise folgten oder diese noch unterboten.

Photograph of the field at Antietam, American Civil War. Confederate dead by a fence at the Hagerstown Turnpike

Der Historiker Hans Rosenberg beschrieb in seinem Werk Die Weltwirtschaftskrise 1857–1859, Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Auflage Göttingen 1974 (1. Auflage Stuttgart 1932), wie die Krise vor allem wegen der Konsumausgaben der Verbraucher, die aufgrund der erhaltenen Kaufkraft ihrer Löhne einen Zusammenbruch der Verbrauchsgüterindustrie weitestgehend verhinderten, relativ zügig überwunden werden konnte.

Doch nicht alle Staaten folgten dieser wirtschaftlichen Logik, mit der Nachfragesteigerung nach Fertiggütern und dank gleichzeitigem Anziehen der Preise auch die heimische Investitionsgüterindustrie wieder anzukurbeln und so der Stagnierungs- und Schrumpfungsgefahr der Wirtschaftskrise zu entgehen.

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Es war nicht Greenspans Geldpolitik – Teil 1: Finanzkrise, Geldvermögensbeziehungen und Lohndumping

Beim Aufspüren der Ursachen der Finanzkrise ab 2007 halten immer noch viele Experten die expansive amerikanische Geldpolitik in den Jahren nach der Dotcom-Blase für einen der maßgeblichen Gründe für die Entstehung der Krise.

Cartoon - two children are going to see Alan Greenspan give a magic show - Greenspan can turn anything into a bubble... Even houses.

Auch die Bundeskanzlerin und der Sachverständigenrat waren sich sehr frühzeitig bereits 2008 weitgehend einig, dass es schlicht am „zu vielen Geld“ als eine der Hauptursachen für das Auftreten der Misere lag.

Sicherlich gab es zusätzlich auch noch erhebliche Regulierungmängel an den Finanzmärkten in den USA und Großbritannien, die durch schärfere Kontrollen und Reformen eigentlich schon vorher hätten beseitigt werden müssen.

Doch ohne die Politik des billigen Geldes, für die vor allem der damalige Vorsitzende der amerikanischen Notenbank FED Alan Greenspan geradezu sinnbildlich steht, wäre nach einhelliger Ansicht ein solches Desaster nicht möglich gewesen.

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Positive Erfahrungen Dänemarks mit negativen Zinsen

Da die Inflation in der Eurozone nicht wirklich steigt, grübeln die Medien weiter über die nächsten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank in ihrem Kampf gegen sinkende Preise:
„Sparer zittern vor EZB-Strafgebühren“ und „Zinsen bleiben für Jahre negativ“ spekulierte n-tv vor einigen Tagen. Die zur Zeit stattfindende EZB-Konferenz in Sintra (Portugal) wirft also bereits ihre Schatten voraus. Da inzwischen auch bekannt wurde, dass die Netto-Investitionen der Euro-Staaten 2013 erstmals negativ waren, wird ein entsprechendes Eingreifen der EZB allgemein erwartet.

National Bank of Denmark, as seen from the Central Square in Copenhagen

Eine weitere Leitzinssenkung auf nur noch 0,15 Prozent sowie die Möglichkeit eines negativen Einlagezins- satzes sind die Maßnahmen, über die in der EZB offenbar am intensivsten nachgedacht werden. Die drohende oder bereits reale Gefahr einer Deflation in einigen Euro-Staaten lassen ein solches Verdikt des EZB-Rates unter seinem Chef Mario Draghi immer wahrscheinlicher werden.

Doch was wären die realen Auswirkungen solcher Entscheidungen?

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Die erste Weltwirtschaftskrise 1857 und ihr erstaunlich schnelles Ende

Über die Ursachen der Wirtschaftskrise von 1857, aus der schließlich die erste echte Krise der Weltwirtschaft erwuchs, ist im Zuge der Aufarbeitung der globalen Wirtschaftskrise seit 2007 schon einiges geschrieben worden:

1857 panic

Der tickende Zusammenbruch | WOZ Die Wochenzeitung, Weltwirtschaft: Alles ist weg | ZEIT ONLINE oder sehr ausführlich in Die „erste“ Weltwirtschaftskrise 1857-1859 | Texte zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

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Ein wohltuend sachlicher Beitrag zur Diskussion über die deutschen Exportüberschüsse

CMA CGM Christophe Colomb 01

Schuldenexporteur Deutschland

Lange duldete der Handelsweltmeister keine Nestbeschmutzung. Unter Druck der EU ändert sich nun die Tonlage der Regierung in der Exportdebatte. Sie sollte mehr tun, damit sich Deutsche öfter Autos von den Franzosen oder Urlaub bei den Griechen leisten können – und nicht nur deren Schulden in die Höhe treiben.

Ausfuhrüberschüsse – Schuldenexporteur Deutschland – Wirtschaft – Süddeutsche.de

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Die Krise der Schwellenländer: das alte Problem mit Carry Trades und flexiblen Wechselkursen

Krise war gestern? Von wegen! Wer die aktuellen Schlagzeilen der letzten Wochen zu den fast panischen Vorgängen in vielen Schwellenländern liest, bekommt wieder einmal vorgeführt, dass die Finanzkrise mitnichten schon vorbei ist:

Aktien: Anleger brauchen in Schwellenländern Nerven | ZEIT ONLINE
Kapitalabflüsse: Die Krise springt auf weitere Schwellenländer über – Devisen & Rohstoffe – FAZ

Euro exchange rate to ZAR
Aufwertung des Euro-Wechselkurses zum Südafrikanischen Rand

Wieder einmal schaut man verwundert auf das Verhalten vieler Anleger. Galten die sogenannten Emerging Markets nicht vor kurzem noch als die Wachstumsregion schlechthin?
Hatte nicht jeder Analyst diese Länder auf dem Schirm, wenn es darum ging, gewinnbringende Anlageformen zu „erschließen“?
Waren die Schwellenländer nicht die Verheißung für jeden Investor, der an der Niedrigzinspolitik der Industriestaaten förmlich verzweifelte?

Doch was ist daraus geworden?
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Vorspiel zur Krise: Long-Term Capital Management 1998

Sechs Stunden dauerte das Treffen der mächtigsten Bankiers und Spekulanten in der New Yorker Zentralbank.
Einige der größten Finanztycoone der Welt, darunter die Vorsitzenden bzw. Hauptteilhaber der Travelers Group bzw. Citigroup, von Goldman Sachs, von Merill Lynch, von J.P. Morgan & Co. und eines Dutzend weiterer Unternehmen, darunter auch der Deutschen Bank und der Dresdner Bank hatten sich dort eingefunden, um unter dem Vorsitz des Präsidenten der New Yorker Federal Reserve (Fed) zu tagen.

Federal Reserve Bank of NY, 33 Liberty Street

Na ja, denkt sich da der geneigte Leser, das kennen wir doch alles schon, diese Sitzungen gab es doch häufiger, um den fatalen Auswirkungen der globalen Finanzkrise ab 2007 zu begegnen.

Doch dieses Treffen fand bereits am 23. September 1998 statt, und es ging natürlich noch nicht um die Folgen der Finanzkrise, sondern „nur“ um die Auswirkungen des drohenden Zusammenbruchs des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM), dessen Eigenmittel in dramatischen Ausmaßen dahinschwanden.

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