S04-Bayern: (wieder einmal) die Geburt einer neuen Schalker Mannschaft?

Die Skepsis war groß unter den Schalker Fans vor dem zweiten Spieltag der Bundesliga am Freitag Abend. Schließlich gab nach dem misslungenen Auftakt in Frankfurt mit dem FC Bayern München die deutsche Übermannschaft der letzten Jahre schlechthin ihre Visitenkarte in der Veltins-Arena ab.

Robert Lewandowski FCB
Sein Tor machte letztlich den Unterschied aus: Münchens Goalgetter
Robert Lewandowski

Die Augenbrauen zogen sich zusammen, die Stirn wurde in Falten gelegt. Nein, echter Optimismus sah anders aus. „Die müssen aufpassen, dass sie nicht schon in der ersten Halbzeit drei Stück bekommen…“, „Ich hoffe ja auf eine Leistungssteigerung, aber…“ und „Wenn die Blauen so wie gegen die Eintracht spielen, kann das echt bitter werden…“

So oder ähnlich lauteten die Statements einiger blau-weißer Anhänger in meinem näheren Umfeld. Sie dürften sich mit den Gedankengängen vieler andere Fans vor dem Zusammentreffen mit dem vermeintlichen Giganten aus dem Süden der Republik überwiegend gedeckt haben.

Später, kurz vor der Halbzeit in einer Begegnung, die für viele offene Münder und echte Begeisterung auf der Tribüne sorgte: nachdem schon zuvor Nationalkeeper Manuel Neuer (wie immer unter den Pfiffen der Schalker Fans) den Ball unter Druck planlos in die Ränge gedrescht hatte, war nun der Alt-Internationale Philipp Lahm an der Reihe.

Gepresst von der ersten Schalker Angriffsreihe mit Eric Maxim Choupo-Moting, Leon Goretzka und Klaas-Jan Huntelaar, blieb Lahm ohne echte Anspielstationen nichts anderes übrig, als das Leder ins Seitenaus zu spielen. Sein Blick in der darauf folgenden TV-Großaufnahme sprach deutlich Bände. Der Kapitän der Bayern wirkte hilflos, verstand offenbar nicht, warum es ihm nicht gelang, das übliche Kombinationsspiel der Münchener aufzuziehen.

Es war dies die stärkste Phase einer Schalker Mannschaft, die nach einer kurzen Anlaufzeit immer besser ihren Rhythmus gegen den Deutschen Meister fand und diesem über nahezu 70 Minuten erhebliche Probleme bereitete. S04-Trainer Markus Weinzierl hatte offenbar trotz (oder gerade wegen) der vielen eingesetzten Neuzugänge ein Team geformt, welches seine Idee eines aggressiven Pressings schon an der Strafraumgrenze des Gegners hervorragend umsetzen konnte.

Und so waren es nicht nur die Münder der Schalker Fans, die sich nicht mehr schließen wollten, sondern auch die der Bayern-Spieler um Philipp Lahm, die aufgrund einer engagierten Leistung der Blau-Weißen immer wieder Sand in den stotternden Hochleistungsmotor gestreut bekamen.

Und wer weiß, was passiert wäre, hätte Klaas-Jan Huntelaar in der 38. Minute nach einer sehenswerten Hereingabe von Yevhen Konoplyanka oder in der 56. Minute anstelle der Querlatte ins Tor getroffen. Es wäre die Führung für Schalke 04 gewesen, und das in dieser Phase nicht einmal unverdient. Aber die „Lex pro Bayern“ ist nun einmal unerbittlich: wenn man die 2 bis 3 Großchancen, die man maximal gegen die Münchener herausspielen kann, nicht nutzt, gehen die Punkte in der Regel an die Isar, da es selten gelingt, Lewandowski und Co. komplett am Toreschießen zu hindern.

Trotzdem feierten die Gelsenkirchener Anhänger „ihre“ Mannschaft nach dem Schlusspfiff so, als wenn sie gewonnen hätte. Doch dabei ging es hauptsächlich um andere „Werte“: Kampf, Einsatzwille und Leidenschaft, gepaart mit Mut und Selbstvertrauen. Eigenschaften, die in der Veltins-Arena in den letzten Jahren viel zu oft schmerzlich vermisst wurden.

Mit dem neuen Management um Christian Heidel und Dirk Schuster, einem neuen Coach Markus Weinzierl, für den diese Attribute zwingend Teil seiner Taktik zu sein scheinen sowie engagierten Neuzugängen wie Konoplyanka, Benjamin Stambouli, Nabil Bentaleb, Naldo, Breel Embolo und Abdul Rahman Baba (der mir am Freitag von allen am besten gefallen hat) soll nun wieder einmal ein Neuanfang gestartet werden. Die Zeichen zeigen nach diesem Spiel gegen die Bayern in die richtige Richtung, der Optimismus aller Beteiligten erscheint fast grenzenlos.

Und doch stehen nach zwei Partien in der Bundesliga immer noch keine Punkte auf der Habenseite. Bei aller Euphorie sollte man diese Tatsache nicht vergessen, aber mit möglichen Erfolgen morgen in Nizza und Sonntag bei der Hertha in Berlin wäre die Kehrtwende drin.

An der Côte d’azur warten allerdings mit Trainer Lucien Favre, dem brasilianischen Abwehrrecken Dante, Schalkes letztjähriger Winterausleihe Younes Belhanda und Italiens Enfant terrible Mario Balotelli einige bekannte Namen auf die Schalker, und gerade Letzterer feierte einen bemerkenswerten Einstand bei seinem neuen Club. Nach vier Spieltagen belegt OGC Nizza den zweiten Tabellenrang in der französischen Liga und dürfte damit ein echter Prüfstein für die Gelsenkirchener in der Europa-Liga darstellen.

Nicht viel einfacher wird wohl auch die Begegnung in der Bundeshauptstadt drei Tage später. Die Hertha ist mit zwei Siegen erfolgreich in die Saison gestartet und will wieder das internationale Geschäft anpeilen. Damit aber stellt das Team des ungarischen Trainers Pal Dardai eine direkte Konkurrenz für den S04 dar.

Keine leichten Aufgaben also, und mit zwei Niederlagen im Gepäck droht bei weiteren Schlappen womöglich doch noch ein Fehlstart, der für die neu entfachte Aufbruchsstimmung äußerst schädlich sein könnte. Demnach ist der Druck auf das runderneuerte Kollektiv bereits jetzt enorm hoch. Es gilt sich jetzt rasch zu finden und die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen zu bündeln und damit eine auf Dauer erfolgreiche Mannschaft zu formen.

Doch mit Leistungen ähnlich der gegen die Münchener Bayern sollte das möglich sein.

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