Makroskop: Der kranke Mann Europas wird gesund, der Rest bekommt Fieber

Fieberthermometer

…Die Übertragung des merkantilistischen Modells auf die gesamte EU (insbesondere die Eurozone) wird auf Dauer nicht nachhaltig sein können. Zunächst macht sich Europa damit abhängig von der Nachfrage in der übrigen Welt.

Zweitens wird der Euro bei gravierenden Überschüssen und restriktiverer Geldpolitik so stark aufwerten, dass jeglicher Wettbewerbsvorteil, der durch Lohnzurückhaltung erreicht wurde, zunichte gemacht wird.

Drittens hat Europa einen Exportanteil von 15 % und es ist ebenso unwahrscheinlich wie irrational, diesen Anteil signifikant steigern zu wollen; die Welt ist kein großer und integrierter Markt, sondern besteht aus mehreren, recht geschlossenen Volkswirtschaften.

Viertens, und das ist mindestens ebenso wichtig, stellt sich beim Merkantilismus natürlich auch eine moralische Frage, weshalb die einen immer auf Kosten der anderen die Überschüsse fahren müssen, anstatt sich einem fairen und ausgeglichenen Handel zu widmen.

aus Der kranke Mann Europas wird gesund, der Rest bekommt Fieber

Griechenland – der nächste Bailout wartet bereits um die Ecke

Als am 16. Juni 2017 die letzte Griechenland-Rettungsaktion zwischen der griechischen Regierung und der Europäischen Kommission sowie dem IWF abgeschlossen wurde, kam Bill Mitchell zu dem Schluss, dass sie von vornherein zum Scheitern verurteilt war.


Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes (GDP)
Griechenlands von 2008 bis 2017

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Europäischen Kommission und des IWF bestätigen die Bedingungen dieser Vereinbarung mit der griechischen Regierung, dass diese Institutionen jegliche Vortäuschung aufgegeben haben, an einer ernsthaften Wirtschaftspolitik interessiert zu sein.

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Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – Eine globale Gläubiger-Schuldner-Ökonomie

Global Distribution of Wealth v3 (de)

…Seitdem es Statistiken über Einkommens- und Vermögens-verteilungen gibt (in einem der Weltsozialberichte der UNO konnten vor wenigen Jahren Verteilungsdaten seit etwa dem Jahre 1800 rekonstruiert werden) hat es eine Ungleichheit wie heute, sowohl in räumlicher als auch sozialer Hinsicht, noch nicht gegeben.

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42 Milliardäre vs. 3,7 Milliarden sonstiger Menschen

Laut Oxfams von der Credit Suisse erstellten Daten-Analyse (die ich Ende letzten Jahres auf andere Weise unter die Lupe genommen hatte) besitzen jetzt 42 Milliardäre das gleiche Vermögen wie die unteren – 3,7 Milliarden – der Weltbevölkerung.

Zusammen haben diese 3,7 Milliarden Menschen nur die Hälfte von einem Prozent (0,53 Prozent) des Weltvermögens, eine Zahl, die auf gerade einmal ein Prozent (0,96 Prozent) steigt, wenn die Nettoverschuldung ausgeschlossen wird.

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Ist es Zeit für einen erneuten Crash?

Am Black Friday 1929 wurden die feuchten Träume der Marktfundamentalisten vom ewigen Wachstum schwer getroffen. Die Aktienmarktblase explodierte und die Kurse stürzten ab.

Heute haben wir eine Finanzmarktsituation, die sehr an die von 1929 erinnert. Das Shiller P/E-Ratio ist momentan noch höher als damals. Diejenigen von uns, die ihren KeynesFisherKindlebergerMinsky kennen und die Wirtschaftsgeschichte nicht völlig vergessen haben, fangen an sich Sorgen zu machen…

(eigene Übersetzung eines Blogbeitrages des schwedischen Ökonomen Lars Syll)

Keynes hatte recht, was das Quantitative Easing (QE) angeht

Hat das durch QE verursachte Geldmengenwachstum in der Eurozone (siehe Grafik) die Konjunktur angekurbelt? Nicht genug. Nach John Maynard Keynes in seiner „Allgemeinen Theorie“ (1936),

hängt die Beziehung der Veränderungen von M (Geldmenge) zu Y (Einkommen) und r (dem Zinssatz) in erster Linie davon ab, wie die Veränderungen in M zustande kommen.

Anders ausgedrückt: nur der (wirtschaftlich sinnvolle) Kredit und nicht das Geld allein lässt die Welt auf Touren kommen. Geld, welches als Kredit Haushalten den Kauf bereits bestehender Häuser ermöglicht, hat einen ganz anderen Effekt auf die Konjunktur als das Geld, das per Kredit neuen Firmen zur Verfügung gestellt wird, die damit viele Arbeits-kräfte für die Herstellung von z. B. medizinischen Geräten einstellen.

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Ein Blick in die Bücher: Die Bank von England als Kreditgeber der letzten Instanz

Stellen Sie sich vor, Sie könnten in die historischen Bücher der britischen Zentralbank schauen und dabei die Bandbreite der Zinssätze ersehen, die die Bank in der Vergangenheit für Notkredite in Rechnung gestellt hat.

Könnten Sie herausfinden, wie viele dieser Kredite nie zurückgezahlt wurden und wie sich das auf den Gewinn der Bank auswirkte? Jetzt können Sie es. Wir haben die täglichen Geschäftsbücher der Bank digital übertragen und in einer Excel-Arbeitsmappe abgelegt, die Sie nun erforschen können. Diese Bücher enthalten eine Fülle von Informationen über jeden, der die Bank während der Krisen von 1847, 1857 und 1866 um ein Darlehen gebeten haben.

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Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – die Strategie der systematischen Staatszerstörung

Rheinbruecke Neuenkamp pano
Die Rheinbrücke Neuenkamp, deren Sperrung im August 2017 als Sinnbild des unten ausgeführten Sachverhalts gelten kann…

…Die Strategie der systematischen Staatszerstörung und des systematischen Ausblutens des Staates mit dem Ziel, den Staat (sozial, kollektiv) handlungsunfähig zu machen und seine Finanzierung abhängig zu machen vom Geld der privaten Spekulationsindustrie (vulgo: „Finanzmärkte“), also den wenigen hundert Top-Entscheidern im o.g. herrschenden Finanzoligopol sowie ihrer weltweit wenigen hundert super- und megareichen privaten Aktionäre und Gläubiger (die dafür in der Post-2008-Welt bisher von den Regierungen systematisch daran gehindert wurden, zu den negativen Folgen der von ihnen verursachten Krise beizutragen, so wie es unter „marktlichen“ Bedingungen vom „Markt“ erzwungen worden wäre).

Damit wird die staatliche soziale Handlungsfähigkeit und Kompetenz systematisch in Richtung null gedrückt. Der „neoliberale“ Staat wird sozial, kulturell, ökologisch und zukunftsbezogen komplett inkompetent gemacht, von der Spekulationsindustrie abhängig und finanziert – von ihr jederzeit beliebig zu Tode spekulierbar und (davor und danach) von ihr beliebig an die Kandare zu nehmen.

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011

Wider die Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge

Bahnhof-Aulendorf
Der Bahnhof Aulendorf im November 2011 mit Zügen
von drei verschiedenen Bahngesellschaften

…Die Verlierer der Privatisierung der Daseinsvorsorge sind also die weit überwiegende Mehrheit der Bürger. Geradezu tragisch ist dabei, dass viele dieser Bürger das ob der erfolgreichen neoliberalen Propaganda noch nicht einmal zu sehen in der Lage sind.

Die wohl am schwersten zu vermittelnde Wahrheit ist, dass es ohne den bürokratisch organisierten Staat keine Demokratie geben kann. Denn er ist der einzige Akteur, der mit den Mitteln des Rechts und der Geldschöpfung das Gemeinwohl zu optimieren in der Lage ist.

aus Makroskop: Schlachtfeld Öffentliche Daseinsvorsorge

Thomas Piketty: Soziale Ungleichheit weltweit gewachsen

Der französische Starökonom Thomas Piketty prangert laut einem ZEIT-Artikel diesen Trend auch in Deutschland an.

Picketty 3
Thomas Piketty 2014 in Paris

Mitschuldig seien auch die Privatisierungen durch den Staat, von denen fast ausschließlich nur die bereits Begüterten profitiert hätten. Für die untere Hälfte der Verdiener dagegen lägen die Löhne inflationsbereinigt heute unter denen von vor zwanzig Jahren.

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