John Stuart Mill (1848): „Grundsätze der politischen Ökonomie“

Bis dato ist es eher fraglich, ob all diese mechanischen Erfindungen, die bisher gemacht wurden, die täglichen Mühen der Menschen tatsächlich erleichtert haben…

John Stuart Mill signature
Unterschrift von John Stuart Mill

…Sie haben es lediglich einer größeren Bevölkerungsanzahl ermöglicht, das gleiche Leben in Schufterei und Freiheitsentzug zu führen, wogegen eine größere Anzahl von Fabrikanten und anderen sie genutzt haben, um damit ein Vermögen zu machen.

Sie konnten zwar den Komfort der Mittelklasse erhöhen, doch sie haben noch nicht begonnen, jene großen Veränderungen im menschlichen Schicksal zu bewirken, die es in ihrer Natur und in ihrer Zukünftigkeit zu erreichen gilt.

Erst wenn neben den Institutionen auch die Mehrheit der Menschen von vernünftiger Voraussicht geleitet wird, können die durch den Verstand und die Energie der wissenschaftlichen Entdecker aus den Naturgewalten gemachten Eroberungen zum gemeinsamen Eigentum dieser Spezies werden, sowie zum Mittel zur Verbesserung und Steigerung des universellen Wohlbefindens…

aus Principles of Political Economy von John Stuart Mill

Abschließend: Kansas unter Gouverneur Sam Brownback – als „Drogen-Labor“ der Demokratie

All Employees Total Nonfarm in Kansas FRED St Louis Fed
Beschäftigungsentwicklung im US-Bundesstaat Kansas von 1990 bis heute

Hintergründe dazu in meinen Blogbeiträgen Das Ende des republikanischen „Trickle-Down“-Experiments in Kansas, Mehr über den Kollaps der Beschäftigung in Kansas und Kansas verliert langsam die Geduld mit den Steuersenkungen von Gouverneur Brownback sowie Kansas: Der Kollaps eines republikanischen Experiments.

Sollte eine Regierung versuchen das Glück zu maximieren?

„Money can’t buy me love (Geld kann mir keine Liebe kaufen)“, sangen die Beatles früher einmal, obwohl es zweifelhaft erscheint, dass dies wirklich ein strenger empirischer Anspruch war.

Paul, George & John
Paul McCartney, George Harrison und John Lennon performen
„Can’t buy me love“ (1964)

Dennoch bestreitet niemand, dass es mehr im Leben gibt als Geld und ein neues Buch, The Origins of Happiness argumentiert, dass Glück und Zufriedenheit ein Leitfaden für die Regierungspolitik sein sollten.

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Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – die Notwendigkeit der zyklischen Krise

Weltwirtschaftswachstum
Reales Wirtschaftswachstum der Welt von 1950-2014
(schwarze Linie: 5-jährlicher laufender Durchschnitt)

…Und die traditionelle zyklische Krise ist lebenswichtig für den Kapitalismus: Nur in der zyklischen Krise konnte die aufgeblasene (überakkumulierte, dabei zum guten Teil auch immer rein „umverteilte“) Kapitalmenge, die sich klassischerweise im investierten Sachkapital und heute überwiegend im fiktiven nominalen Spekulationskapital aufhäuft, so radikal entwertet werden, dass die Profitrate wieder auf normale Werte steigen konnte und für die übriggebliebenen und einige neue Kapitalisten sich das Investieren und Produzieren, und heutzutage: das Spekulieren („Finanzinvestitionen“) wieder lohnten.

Eine neue Dynamik des Kapitalismus konnte nach sozial mehr oder weniger schlimmen, mehr oder weniger lang anhaltenden und mehr oder weniger gewalttätigen Krisen (mit oder ohne Kriegen) beginnen. Die ersten investieren dann schon wieder, wie es in Spekulantenkreisen heißt, „wenn das Blut auf der Straße liegt“.

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011

Neoliberale Beharrlichkeiten im Tafel-Skandal

Unfassbar, was da momentan in der Debatte um die Verteilungsregeln der Essener Tafeln abgeht. Unglaublich, dass der eigentliche Skandal, nämlich die bloße Existenz solcher ehrenamtlicher „Essensversorger der letzten Instanz“ in einem der reichsten Länder der Welt dabei überhaupt nicht thematisiert wird.

Die Tafeln
Logo von „Die Tafeln“

Ganz im Gegenteil hat man den Eindruck, dass unsere sogenannten „Eliten“ alles tun, um gerade diese Diskussion überhaupt nicht aufkommen zu lassen. Kein Wunder, würde doch damit an einem der Grundsätze neoliberaler Politik gerüttelt: „Jeder ist zuerst einmal seines eigenen Glückes Schmied!“

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Die Lehren aus einer Roboter-Übernahme in Zeitlupe

Die Baumwollernte wird heute von Maschinen dominiert. Aber bis es soweit war, hat es Jahrzehnte gedauert.

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Eine Baumwoll-Erntemaschine von John Deere bei der Arbeit in den USA

Aus der Kabine eines hochmodernen Cotton-Ernters Marke John Deere erscheint das Pflücken von Baumwolle heute als der einfachste Job der Welt. Man tuckert mit vier oder fünf Meilen pro Stunde herum und sieht zu, wie die leuchtend gelben Finger der riesigen Maschine acht Reihen von Kapseln gleichzeitig verschlingen.

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Elsner: Neoliberalismus vs. Demokratie – die Lüge über die Effektivität der „Märkte“

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Graffito „Destroy Capitalism!“ (Zerstört den Kapitalismus!) auf einer Fabrikmauer

…Ich will deutlich machen, dass der „Neoliberalismus“ aufgrund der historischen Lüge über die Effektivität der „Märkte“ – Lügen, die ihm heute selbst um die Ohren fliegen –, die Zukunft eines dynamischen Kapitalismus selbst verhindert.

Der größte Feind eines funktionierenden Kapitalismus ist also der „neoliberal“ degenerierte Kapitalismus, der nur noch das kürzestfristige Raffinteresse der Megareichen und Mega-mächtigen, der „Systemrelevanten“, der „Too-big-to-fails“ bedient, bedienen will und unter gegebenen Umständen bedienen muss, aber kein allgemeines, längerfristiges Systeminteresse mehr verfolgt.

Niedergang perfekt. Der Kapitalismus hat damit jegliche vorantreibende, also jegliche historische Funktion verloren, wenn die myopische „Rationalität“ des Einzelkapitals statt die des Gesamtkapitals dominieren.

Realökonomisch, ökologisch, sozial, politisch oder moralisch, – keinerlei historische Perspektiven sind mehr erkennbar, bestenfalls noch ein Vor-sich-Hindümpeln, schlimmstenfalls chaotische Zusammenbrüche.

aus dem Vortrag „Neoliberaler“ Kapitalismus versus Demokratie von Wolfram Elsner, gehalten in Linz 2011

Dani Rodrik: Welche Auswirkungen haben Handels-abkommen wirklich?

Da sich die internationalen Handelsabkommen immer weiterentwickelt haben und über die Einfuhrzölle und -quoten hinaus in regulatorische Vorschriften und die weitere Harmonisierung hineinwirken, ist es erheblich schwieriger geworden, sie in die vor-herrschende Wirtschaftstheorie einzupassen und zu integrieren.

EU free trade agreements
Weltweite Freihandelsabkommen der Europäischen Union

Dennoch beurteilen viele Ökonomen Handelsabkommen wie die Transpazifische Partnerschaft (TPP) weiterhin positiv. Die Standardansicht scheint zu sein, dass diese Vereinbarungen uns dem Freihandel näher bringen, indem wir Transaktionskosten reduzieren, die allgemein mit regulatorischen Unterschieden oder explizitem Protektionismus verbunden werden.

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Makroskop: Der kranke Mann Europas wird gesund, der Rest bekommt Fieber

Fieberthermometer

…Die Übertragung des merkantilistischen Modells auf die gesamte EU (insbesondere die Eurozone) wird auf Dauer nicht nachhaltig sein können. Zunächst macht sich Europa damit abhängig von der Nachfrage in der übrigen Welt.

Zweitens wird der Euro bei gravierenden Überschüssen und restriktiverer Geldpolitik so stark aufwerten, dass jeglicher Wettbewerbsvorteil, der durch Lohnzurückhaltung erreicht wurde, zunichte gemacht wird.

Drittens hat Europa einen Exportanteil von 15 % und es ist ebenso unwahrscheinlich wie irrational, diesen Anteil signifikant steigern zu wollen; die Welt ist kein großer und integrierter Markt, sondern besteht aus mehreren, recht geschlossenen Volkswirtschaften.

Viertens, und das ist mindestens ebenso wichtig, stellt sich beim Merkantilismus natürlich auch eine moralische Frage, weshalb die einen immer auf Kosten der anderen die Überschüsse fahren müssen, anstatt sich einem fairen und ausgeglichenen Handel zu widmen.

aus Der kranke Mann Europas wird gesund, der Rest bekommt Fieber

Griechenland – der nächste Bailout wartet bereits um die Ecke

Als am 16. Juni 2017 die letzte Griechenland-Rettungsaktion zwischen der griechischen Regierung und der Europäischen Kommission sowie dem IWF abgeschlossen wurde, kam Bill Mitchell zu dem Schluss, dass sie von vornherein zum Scheitern verurteilt war.


Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes (GDP)
Griechenlands von 2008 bis 2017

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Europäischen Kommission und des IWF bestätigen die Bedingungen dieser Vereinbarung mit der griechischen Regierung, dass diese Institutionen jegliche Vortäuschung aufgegeben haben, an einer ernsthaften Wirtschaftspolitik interessiert zu sein.

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