Wollen sich die Kapitalisten Wirtschaftswachstum überhaupt noch leisten?

Trotz der globalen Dominanz des Kapitalismus sind die Wachstumsraten weiterhin rückläufig. Die Mainstream-Ökonomen machen verschiedene „Verzerrungen“ für die Verlangsamung verantwortlich, doch wie die obige Animation von Elvire Thouvenot zeigt, sieht die Realität ganz anders aus.

Die Besitzenden streben nicht nach mehr Einkommen an sich, sondern nach größerer Macht durch Umverteilung, die sie erreichen indem sie das Wachstum strategisch hemmen.

Aus Blickpunkt WiSo: Wie unfreiwillige Teilzeitarbeit die Reservearmee der Arbeitslosen ersetzt

Notenbanken haben das ungewohnte Problem, dass die Inflation zu niedrig bleibt. Ökonomen weisen mit einem Unterbeschäftigungsindex nach, dass das in beträchtlichem Maß auf unfreiwillige Teilzeitarbeit zurückgeht. Dank ihr können die Arbeitgeber die Löhne und damit die Inflation drücken.

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David Cameron: Der Mann der Großbritannien zerbrochen hat

David Cameron outside No 10
David Cameron vor seinem damaligen Amtssitz 10 Downing Street

Drei Jahre später ist es schmerzlich offensichtlich, dass Cameron genau das Gegenteil von dem erreicht hat, was er beabsichtigt hatte. Er rief das Referendum aus um seine Partei zu vereinen, Ukip zu neutralisieren und schließlich die verfahrene Frage Europas zu lösen.

Stattdessen hat er seine Partei fast unwiderruflich gespalten, sein Land wie nie zuvor polarisiert, den britischen Euroskeptizismus neu entflammt und die Beziehungen zu Europa für kommende Generationen völlig vergiftet. Kurz gesagt, er hat jede nur mögliche Art von Dämonen entfesselt.

aus New Statesman: The man who broke Britain

Paul Krugman: „Die Welt hat ein deutsches Problem“

…Das Problem ist vielmehr, dass die Europäer und insbesondere die Deutschen mit ihrer ruinösen Besessenheit gegen die Staatsverschuldung sich selbst schlecht behandeln. Und die Kosten dieser Besessenheit hat die Welt als Ganzes zu tragen.

Angela Merkel, Donald Trump and Theresa May at the G-20 Hamburg summit, July 7, 2017
Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Hamburger G20-Treffen 2017,
mit Donald Trump und Theresa May

…Obwohl zugleich hier [in den USA] als auch in Europa der Verschuldungs-alarmismus herrschte wurde schließlich klar, dass es einen entscheidenden Unterschied in der zugrunde liegenden Motivation gab. Unsere Defizit-Falken waren in der Tat Heuchler, die plötzlich jedes Interesse an der Verschuldung verloren, sobald ein Republikaner im Weißen Haus saß. Die Deutschen aber meinten es tatsächlich ernst.

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Europa, Europa! Dieser Traum stirbt nie!

Dieses Video zeigt beispielhaft die Probleme der Europäischen Union bei der Verwaltung ihres eigenen Images. Es wurde 2012 produziert und dann zurückgerufen, nachdem es allgemein als „rassistisch“ eingestuft wurde.

In gewisser Hinsicht war es das auch, aber gleichzeitig bedeutete es auch einen der wenigen Versuche der Union, sich auf eine Weise zu präsentieren, die über das langweilige Bild einer Gruppe von Bürokraten hinausgeht, die im Namen der globalen Finanzmächte handeln.

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Die „sichtbare Hand“, die wir heute benötigen würden

Nach der (in Amerika) lange gefeierten Theorie der „unsichtbaren Hand“ sollte der private Handel nun damit beschäftigt sein, unsere Anstrengungen und Ressourcen auf die Dinge auszurichten, die wir wirklich benötigen, um als kollektive Gesellschaft erfolgreich zu sein.

Kirkcaldy High Street Adam Smith Plaque
Gedenktafel zur Erinnerung an das Haus,
in dem Adam Smith The Wealth Of Nations schrieb.

Stattdessen scheint uns die „unsichtbare Hand“ absichtlich genau in die entgegengesetzte Richtung zu führen. Wie kann das sein? Hat sich etwas grundlegendes geändert, wodurch der Mechanismus der amerikanischen Wirtschaft nicht nur blind, sondern auch rück-sichtslos gesteuert wird?

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Thread: 12 Fakten zur Debatte um die Vermögensteuer

Fakt #1: Kaum ein Industrieland besteuert (Einkommen auf) Vermögen weniger und Einkommen auf Arbeit stärker als Deutschland. pic.twitter.com/9odxs8NRJk
— Marcel Fratzscher (@MFratzscher) August 24, 2019

Euros - panoramio
500-Euro-Banknoten

Fakt #2: Deutschland gehört mit zu den Ländern mit der höchsten Ungleichheit bei privaten Vermögen in Europa.
(Daran ändern auch Pensionsansprüche wenig, zumal diese keine Vermögen sind). pic.twitter.com/myNe1r9Plm
— Marcel Fratzscher (@MFratzscher) August 24, 2019

Fakt #3: 40 % der Deutschen haben keinerlei Vermögen — als Vorsorge für sich, fürs Alter, für die Kinder, für Notfälle.
(Nicht der starke Sozialstaat, sondern geringe Einkommen und ein ungewöhnlich großer Niedriglohnbereich sind der Hauptgrund.) pic.twitter.com/JTODPAWtz6
— Marcel Fratzscher (@MFratzscher) August 25, 2019

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Über die Irrelevanz der ökonomischen Wissenschaft

Ich glaube, dass ich als Wirtschaftstheoretiker sehr wenig über die reale Welt zu sagen habe und dass es nur sehr wenige Modelle in der Wirtschaftstheorie gibt, die für ernsthafte Ratschläge verwendet werden können. Die ökonomische Theorie hat jedoch sehr reale Auswirkungen.

TAU Economics School 01
Schule für Wirtschaftswissenschaften der Universität Tel Aviv

Ich kann die Tatsache nicht ignorieren, dass unsere Arbeit als Lehrer und Forscher die Gedanken der Schüler beeinflusst und dies auf eine Weise, mit der ich mich nicht wohl fühle. Können wir einen Weg finden, relevant zu sein, ohne Scharlatane zu sein?

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Die Ursprünge anhaltender Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz nach Bretton Woods

Warum weisen einige Länder anhaltende Leistungsbilanzüberschüsse auf? Warum haben andere oft über Jahrzehnte hinweg Defizite, die zu dauerhaften globalen Ungleichgewichten führen?

Cumulative Current Account Balance
Kumulierte Leistungsbilanzsalden von 1980 bis 2008:
grün = positiv, rot = negativ, grau = keine Daten

Solche anhaltenden Ungleichgewichte sind die Wurzel vieler Finanzkrisen und eine Hauptursache für internationale Wirtschaftskonflikte. Wir fanden heraus, dass Unterschiede in den Lohnverhandlungs-institutionen einen großen Teil der Ungleichgewichte durch ihre Auswirkungen auf die Handelsbilanz erklären.

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Der Sun-Boykott in Liverpool (Merseyside) reduzierte die Euroskepsis

In dem englischen County Merseyside stimmten die Menschen beim EU-Referendum 2016 mehrheitlich für den Verbleib in der EU, ohne den Boykott der Boulevard-Zeitung The Sun hätten sie aber wahrscheinlich mit 60 Prozent die „Leave“-Kampagne unterstützt.

The Sun
Das Logo der britischen Zeitung The Sun

Ein langjähriger Boykott der Sun in Merseyside reduzierte die Euroskepsis entscheidend und beeinflusste das Remain-Votum im Brexit-Referendum, wie Forscher der Universität der London School of Economics und der Universität Zürich nun herausfanden. Sie kamen dabei zu dem Schluss, dass Massenmedien durchaus über mehrere Jahre die öffentliche Meinung beeinflussen können.

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