Clayton Kershaw arbeitet wieder neu an seinem Playoff-Vermächtnis

Karrieren entstehen normalerweise in der regulären Saison. Ebenso werden auch Verträge auf der Grundlage entsprechender Auftritte in der Zeit zwischen April und September ausgehandelt.

Clayton Kershaw on July 23, 2015 (1)
Clayton Kershaw in der Saison 2015 während eines Spiels seiner
L. A. Dodgers bei den New York Mets

Doch echte Legenden können nur allein in der Postseason durch magische Oktober-Momente geschaffen werden, die dann von Generation zu Generation weiterleben.

Clayton Kershaw von den Los Angeles Dodgers hat einige dieser überirdischen Momente aufgesammelt – drei von ihnen allein in der letzten Woche, einschließlich des 1:0-Sieges in Spiel 2 der National League Championship Series gegen die Chicago Cubs.

Vor 2016 waren die Playoffs der einzige Makel in Kershaws glanzvollem Rekordbuch. Doch das hat sich bereits jetzt eindrucksvoll geändert.

Im Spiel 4 der NL Division Series gegen die Washington Nationals pitchte er nach nur drei Tagen Pause. Die Dodgers gewannen. Zwei Tage später erreichte er die letzten beiden Outs für den ersten Save seiner Karriere im entscheidenden Spiel 5. Am Sonntagabend, in Spiel 2 der NLCS gegen die Cubs, warf er sieben hervorragende Shutout Innings. Die Dodgers konnten die Serie auf 1-1 ausgleichen. Und plötzlich scheint die Legende von den Problemen, die Kershaw in der Nachsaison hat, nur noch eine alte Geschichte zu sein.

Der letzte Werfer, der mindestens 19 1/3 Innings über vier Playoffspiele in einer Spanne von nur 10 Tagen pitchte, war Orel Hershiser für die Dodgers im Jahre 1988, so die Recherchen vom Elias Sports Bureau und dem MLB Network Research. Damals gewannen die Südkalifornier übrigens letztmalig die World Series, ein Ziel, welches auch Kershaw noch anstrebt.

„Für mich ist er natürlich der beste Pitcher auf diesem Planeten, das habe ich immer wieder gesagt“, so Dodgers-Manager Dave Roberts. „Ich würde ihn am liebsten jeden Tag aufstellen, so wie 29 andere Manager auch. Die Geschichte der letzten Jahre hat für mich keine Bedeutung. Dies ist ein neues Jahr, und er hat eindeutig bewiesen, was er in der Nachsaison schaffen kann. Daher glaube ich nicht, dass sich in diesem Verein noch jemand um die Vergangenheit schert. Er hat gezeigt, dass er alles einbringt für seine Teamkollegen, und das ist alles, was uns wirklich interessiert.“

Was Kershaw geleistet hatte, war schlicht einzigartig. Die 6 2/3 Innings nach nur kurzer Pause gegen die Nats absolvierte er am letzten Dienstag. „Kershaw spielte hervorragend“, urteilte Nationals-Manager Dusty Baker. „Das ist eine der besten Leistungen, die ich je gesehen habe, besonders nach nur drei Tagen Ruhe.“

Zwei Tage später gab es diesen Two-out-Save in Game 5, mit dem die Dodgers die Serie gegen Washington gewannen. Und schließlich kamen dann noch die unglaublichen sieben Innings Sonntag gegen die Cubs. All dies von einem Mann, der mehr als zwei Monate der Saison mit einem Bandscheibenvorfall verpasst hatte. Es kann keine Übertreibung geben bei der Beurteilung dessen, was Kershaw hier vollbracht hat.

Auch den Cubs blieb nichts anderes mehr übrig, als Kershaws Arbeit zu bewundern. „Was soll ich sagen, Mann“, so ein frustrierter Cubs-Manager Joe Maddon. „Ich schätze, dass er in erster Linie mit seinem Fastball gearbeitet hat, und das, worauf ich wirklich gespannt war, waren seine Geschwindigkeit und seine Präzision vor dem Spiel, und er hatte beides: Die Kontrolle über seinen Fastball war hervorragend, das hat uns fertig gemacht.“

Trotz der jüngsten starken Arbeitsbelastung und dem hohen Stresslevel dabei sagte Kershaw, er fühle sich nicht anders als nach den meisten anderen Starts seiner Karriere.

„Nein, ich empfinde es als recht ähnlich“, so Kershaw weiter. „Was mir ein wenig fehlt ist die Routine, die man sich als Starting Pitcher über eine Saison zurecht legt, man weiß genau, was man zu tun hat, wenn man alle vier bis fünf Tage auf dem Platz steht. Meine letzten sieben oder acht Tage dagegen sind völlig anders gewesen, es ging sehr viel mehr ins Unerwartete…ein wenig Sorge hatte ich schon, ob ich dieser ungewöhnlichen Belastung standhalten würde.“

Kershaw hat tatsächlich ein großes Pensum und jede Menge Druck auf sich genommen, diesen jedoch in echte Playoff-Begeisterung umgewandelt.

„Es macht Spaß, wenn du gewinnst, klar, ich genieße das natürlich jetzt“, sagte er. Kershaw hatte bereits die Karriere und den Vertrag und die gesamte Sache mit der regulären Saison abgehakt. Er gewann bereits drei mal den NL Cy Young Award bevor er 26 Jahre alt wurde. Er war der beste Pitcher in den Majors über die letzten sechs Jahre.

Die einzige Angelegenheit, die in seinem einzigartigen Lebenslauf bisher fehlte, war ein ähnlicher Erfolg in den Playoffs. Doch seit letzten Sonntag spricht niemand mehr über irgendwelche Probleme in der Postseason.

Kershaw präsentierte sich überragend. Die ersten 14 Cubs-Spieler, die gegen ihn antreten mussten, schickte er gleich wieder zurück auf die Bank. Er ließ nur zwei Singles im fünften Inning zu und einen Walk im siebten. Aber niemand konnte die Homeplate erreichen. Kershaw ließ sich einfach selbst keinerlei Spielraum für Fehler.

Dreimal in der letzten Woche gab Kershaw seinen Dodgers Grund zum Feiern. Er ist dabei, an einem ganz neuen Oktober-Vermächtnis zu arbeiten. Morgen, im entscheidenden sechsten Spiel gegen die Cubs um den Einzug in die World Series, könnte er dieser Legende einen entscheidenden weiteren Baustein hinzufügen.

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