Das Schulden-Mysterium: Warum sich das am höchsten verschuldete Land als Erstes industrialisierte

Sind Staatsschulden wirklich so schlimm? In diesem Beitrag werden die hohe Verschuldung, die raschen Steuererhöhungen und der ständige Kriegszustand, die zur industriellen Revolution in Großbritannien geführt hatten, näher durchleuchtet.

Bank of England & the City (49121788047)
Threadneedle Street in der City of London mit der Eingangsfassade
der Bank of England links und der Royal Exchange rechts

Dabei zeigt sich, dass der Teufel bei der Beurteilung der Staatsverschuldung eher im Detail liegt. Wenn wir die Gefahren von Schulden in der heutigen Welt betrachten, sollten wir auch deren potenziellen Nutzen im Auge behalten.

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Am Gelde hängt doch alles…

Reichstag building Berlin view from west before sunset
Reichstagsgebäude in Berlin, kurz vor Sonnenuntergang.

…Letztlich scheitert jede vernünftige Idee in Deutschland am Geld. Das Land hat sich in eine Geiz-ist-geil-Mentalität hineingefressen, die vor allem den öffentlichen Raum zu einem Refugium von Bedenkenträgern und Pfennigfuchsern macht.

Hinzu kommt, dass die mit Abstand wichtigste Lobbygruppe, die deutschen Unternehmensverbände, diese Mentalität unter-stützen, weil sie glauben, sie dürften in dem immerwährenden Kampf Staat gegen Markt nichts unversucht lassen, den Staat auf eine Nachtwächterrolle zu schrumpfen.

Dass sie dabei gegen ihre Interessen verstoßen und dem Land insgesamt jede Perspektive nehmen, betrachten sie wohl als unvermeidbaren Kollateralschaden des großen ideologischen Krieges.

aus Makroskop: Wohnen und Politik von Heiner Flassbeck

Ohne weitere Worte, denn man kann die deutsche Misere eigentlich kaum besser beschreiben…

Der Trugschluss der Loanable Funds-Theorie

Die Loanable Funds-Theorie ist in vielerlei Hinsicht nichts anderes als ein Ansatz, bei dem schlicht und einfach die vorherrschende Zinsrate in einer Gesellschaft als der Preis für Kredite der Banken oder für andere Darlehen gedacht ist und von Angebot und Nachfrage bestimmt wird – wie Bertil Ohlin es einmal ausführte – „genauso wie der Preis von Eiern und Erdbeeren auf einem Dorfmarkt.“


Der Markt für Kreditfonds gemäß neoliberaler Theorie

Das ist ein sehr schönes Märchen, doch das Problem dabei ist, dass Banken keine Tauschhändler sind, die bereits vorhandene ausleihbare Mittel von Einlegern auf Kreditnehmer übertragen. Warum nicht? Weil es in der realen Welt einfach keine bereitgestellten verleihbaren Fonds gibt. Banken schaffen neue Mittel – als Kredit – nur, wenn sich jemand vorher verschuldet hat! Denn Banken sind Geldinstitute, keine Tauschhändler.

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Beunruhigender Nebeneffekt der Einkommensungleich-heit: die Mordrate

Einkommensungleichheit kann im gesamten ökonomischen Spektrum zu allen möglichen Problemen führen – aber am erschreckendsten ist dabei der Mord.

Actor lying behind caution tape
Schauspieler als Mordopfer hinter einem Absperrband liegend

Nach Ansicht von Martin Daly, dem emeritierten Professor für Psychologie an der McMaster University in Ontario, der diese Verbindung seit Jahrzehnten untersucht, prognostiziert die Ungleichheit – die Kluft zwischen den Reichsten und Ärmsten innerhalb einer Gesellschaft – Mordraten besser als jede andere Variable.

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Eine einfache moderne Geld-Geschichte – die Buckwell-Insel etabliert eine eigene Währung

Irgendwann haben sich viele vermutlich Fragen gestellt wie diese: Woher kommt eigentlich eine eigene nationale Währung? Wie funktioniert so ein eigenständiges Währungssystem überhaupt?

Coral reef on Nauru
Korallenriff am Strand von Nauru, einem der kleinsten Inselstaaten der Welt

Warum sollten die Leute eine nationale Währung überhaupt akzeptieren? Wie können wir darauf vertrauen, dass eine nationale Währung nicht zusammenbricht und dass die Menschen sie weiterhin bei ökonomischen Transaktionen annehmen werden? Kann eine Regierung jemals pleite gehen und ihre Bürger die Rechnung dafür bezahlen lassen? Kann diese finanzpolitische Fähigkeit möglicherweise sogar ein Problem für eine Administration werden?

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Das durchaus erklärbare Geheimnis der US-Staatsschulden

Amerikas aktuelle „Staatsverschuldung“ beläuft sich auf immerhin 21,5 Billionen US-Dollar.

6 Av 44 St debt clock Feb 2017
US-Staatsschuldenuhr an der Kreuzung 6th Avenue und 44th Street
in Manhattan, New York, Februar 2017

Wenn Politiker und Wirtschaftsexperten über diese „Schulden“ reden (sich sorgen, ärgern, die Hände reiben, mit den Zähnen knirschen oder wie auch immer), nehmen sie implizit – gemeinsam mit ihren Zuhörern, Lesern und potenziellen Wählern – an, dass diese fantastische Summe letztendlich auch zurückgezahlt werden muss.

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Yanis Varoufakis – Unter dem Deckmantel der Marktwirtschaft

Die Austeritätspolitik dominiert das Denken in den westlichen Staaten, weil drei wichtige Gruppen sie für das allein selig-machende Mittel halten: die Feinde des starken Staates, etliche europäische Sozialdemokraten und die steuersenkungsverrückten Republikaner in den USA. Sie destabilisieren damit Wirtschaft und Gesellschaft.

Yanis Varoufakis - El Desperttador 2016
Yanis Varoufakis bei einem Interview 2016 in Madrid.

Keine politische Strategie ist in Zeiten der Rezession so kontraproduktiv wie das Streben nach einem Haushaltsüberschuss, um die Staatsverschuldung einzudämmen – auch als Austerität bekannt, also strenge Sparpolitik eines Staates.

Angesichts des nahenden zehnten Jahrestags des Zusammenbruchs von Lehman Brothers ist daher die Frage angebracht: Warum erfreute sich Austerität derartiger Beliebtheit bei der politischen Elite des Westens, nachdem der Finanzsektor im Jahr 2008 implodiert war?

Varoufakis im DGB-Debattenportal Gegenblende