Schalke 04: der Weg zurück nach oben bleibt noch ein schweres Stück Arbeit

Die beiden Spiele in der letzten Woche, die unglückliche 0:3-Niederlage in London beim FC Chelsea und der doch mit einiger Mühe errungene Sieg über Werder Bremen, offenbarten wieder einmal einige altbekannte grundsätzliche Probleme im Schalker Kader.

War es in der Champions League Torwart Timo Hildebrand, der mit seinem Aussetzer zur tragischen Figur wurde, so avancierte Kevin-Prince Boateng mit zwei Kopfballtoren in der Bundesliga zum Matchwinner.

Stamford Bridge Stadium

Champions League: Chelsea ist einfach nicht zu packen

Es wäre mehr drin gewesen an der Stamford Bridge im Londoner Stadtteil Fulham. Eine halbe Stunde lang konnten die Schalker den FC Chelsea vor echte Probleme stellen, wirkten optisch überlegen und hatten durch Julian Draxler und Adam Szalai zwei erstklassige Einschussmöglichkeiten.

Doch all dies machte der Keeper der Blau-Weißen durch seinen unbegreiflichen Patzer zunichte. Dieser aus heiterem Himmel erzielte Treffer von Samuel Eto’o stellte die Verhältnisse völlig auf den Kopf. Der FC Schalke, bis dahin zumindest gleichwertig, sah sich nun einer Londoner Mannschaft gegenüber, die sich wie im Hinspiel weit zurückfallen ließ und nun auf Konter lauern konnte.

Während der S04 sich bemühte, gegen die massierte Chelsea-Abwehr überhaupt zu Torchancen zu kommen, nützten die Schützlinge des portugiesischen Trainers Jose Mourinho jeden Fehler der Gelsenkirchener eiskalt.
Als die Schalker im weiteren Verlauf des Spiels die eigene Torsicherung immer weiter vernachlässigten, um nach vorn etwas mehr zu bewegen, erzielte Chelsea mit wenigen Kontern die endgültige Entscheidung.

Es ist schon bitter, im Nachhinein feststellen zu müssen, dass man wesentlich besser hätte abschneiden können, wenn man die eigenen Fehlerqoute wesentlich niedriger gehalten hätte. So bleibt als Fazit aus den beiden 0:3-Niederlagen gegen Chelsea:
Es war klar zu erkennen, wo die hauptsächlichen Unterschiede zwischen der Schalker Mannschaft und den Top-Teams in Europa (aber auch gegenüber den Münchener Bayern und dem BVB) momentan liegen. Während diese Spitzen-Mannschaften konsequent ihre Trefferquote maximieren und den Hang zu individuellen Fehlern quasi vollständig eliminieren, gelingt dies den Schützlingen um Trainer Jens Keller gerade nicht.

Das ist gerade gegen starke Mannschaften fatal, wenn man die wenigen eigenen Torchancen nicht nutzt und sich durch Fehler und Unzulänglichkeiten immer wieder auf die Verliererstrasse bringt.

Doch gerade in der Champions League sollte man nicht alles schlecht reden. Die Ausgangssituation ist nach wie vor besonders gut, ein Sieg aus den verbleibenden Begegnungen in Bukarest und gegen Basel sollte ausreichen, um in der Königsklasse überwintern zu können.
Nach den bisherigen Ergebnissen gegen diese beiden Mannschaften ist das durchaus machbar.

Die Situation in der Bundesliga

Etwas anders sieht die Konstellation in der Bundesliga aus: Wie bereits in der Analyse nach dem Revierderby festgestellt, ist der Zug nach oben erst einmal abgefahren.
Bayern, Dortmund und Leverkusen sind auf absehbare Zeit nicht erreichbar, der Fokus muss nun vorläufig auf das Erreichen des vierten Tabellenranges gestellt werden.

Und selbst das dürfte noch schwer genug werden. Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg sind mit 22 bzw. 21 Punkten vorbeigezogen, hinter den Schalkern lauern mit Hertha BSC, Stuttgart und Mainz weitere Mannschaften in der Tabelle.

Kevin-Prince Boateng

Die Begegnung gegen Werder Bremen hat gezeigt, was die Truppe von Jens Keller in den nächsten Spielen erwarten wird. Nicht immer wird ein Kevin-Prince Boateng zur Stelle sein, um eine eher schwache Vorstellung noch in einen Erfolg umzumünzen.
Es ist eine Steigerung des gesamten Teams notwendig, um gegen solche Gegner die unbedingt erforderliche spielerische Überlegenheit herzustellen, damit die dringend benötigten Punkte möglichst ungefährdet eingefahren werden können.

Doch dem Beispiel der Norddeutschen folgend wird auch jede andere Mannschaft, die nicht so stark wie der FC Schalke besetzt ist, ihr Heil in der unbedingten Defensive und im frühen Verhindern eines vernünftigen Aufbauspiels suchen.

Und da sehe ich momentan noch eine der ganz großen Schwächen der Schalker. Das Umschalten von Abwehr auf Angriff, das blinde Verständnis im Zusammenspiel nach vorn ist einfach zu wenig ausgeprägt, es dauert insgesamt viel zu lange und es treten dabei immer wieder viel zu viele Fehler auf.
Das Trainer-Team um Jens Keller ist nun gefordert, diese Mängel schnellstmöglich abzustellen, da es absehbar erscheint, dass konsequentere Mannschaften wie der SV Werder Bremen so noch den einen oder anderen Punkt aus der Veltins-Arena mitnehmen werden.

Erleichtert bin ich in diesem Zusammenhang vor allem über die Rückkehr von Jefferson Farfan in den Kader, bietet er mit seiner Schnelligkeit und Technik die doch teilweise so schmerzlich vermisste individuelle Klasse, um vor allem Julian Draxler aber auch Boateng entlasten zu können.

Handlungsbedarf besteht auch noch im defensiven Mittelfeld. Nach einem kurzen Zwischenhoch entwickelt sich Roman Neustädter zusehends wieder zu einem Unsicherheitsfaktor. Da Marco Höger und Leon Goretzka aufgrund von Verletzungen momentan nicht zur Verfügung stehen, wäre ich für den weiteren Einsatz von Dennis Aogo neben Jermaine Jones auf der Sechser-Position, obwohl er meiner Ansicht nach als linker Verteidiger noch stärker ist.
Dort müssten dann notgedrungen Christian Fuchs oder Sead Kolasinac spielen, während Neustädter damit erst einmal draußen wäre.

Weiterhin im Zentrum der Kritik steht auch Trainer Jens Keller. Noch immer vermittelt er nicht den Eindruck absoluter Souveränität, seine taktische Handschrift ist nicht immer erkennbar und seine Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar. So hängt sein Schicksal vor allem auch vom Erfolg der Mannschaft ab: entwickelt sie sich endlich spielerisch weiter, wird sich genauso sein Standing im Verein verbessern.

Ansonsten bleibt nur der Drahtseilakt: zweifeln Fans und Umfeld weiter, werden auch immer wieder Namen anderer Übungsleiter rund um die Veltins-Arena ins Spiel gebracht.

Ruhiges Arbeiten sieht da anders aus.

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