Direkte Champions-League-Teilnahme erreicht: eine kleine Nachlese zum letzten Spieltag

Mit einem souveränen Sieg über den Absteiger 1. FC Nürnberg hat sich Schalke endgültig das Saisonziel gesichert: die Teilnahme an der Champions League. Bemerkenswert dabei ist auch, dass es zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gelang, sich in drei aufeinander folgenden Jahren für diesen europäischen Pokal-Wettbewerb zu qualifizieren.
Respekt!!

FC Schalke 04 Fans

Um diesen Erfolg richtig bewerten zu können, muss man sich vor Augen führen, wo die Mannschaft zum Auftakt der Rückrunde herkam. In die Winterpause ging der S04 als Siebter der Bundesliga, und es gab damals eine Menge Kritik am Team und vor allem am Trainer.

Zudem litt man unter einer ganzen Welle von Verletzungen, bis zu elf Spieler hatten sich zeitweilig mit diversen „Wehwehchen“ vom Trainings- und Spielbetrieb abgemeldet.
Auch der Fußball, den die Mannschaft von Coach Jens Keller in der Hinrunde kickte, war weder besonders attraktiv noch über die Maßen erfolgreich. Den Anspruch, dritte Kraft der Liga hinter Bayern und Dortmund zu sein, konnte man nicht bestätigen, Teams wie Leverkusen, Wolfsburg und Gladbach schienen stärker zu sein.

Und dann kam die Rückrunde…

Was soll ich hier noch groß dazu schreiben, fest steht wohl, dass nur die größten Optimisten mit einem solchen Verlauf gerechnet hatten. So aber erreichten die Schalker mehr als erwartet und verdrängten Leverkusen sogar noch von Platz 3 und ließen den Rest der Bundesliga hinter sich.
Mission accomblished!!

Durchaus zu Recht bekam Trainer Jens Keller von Manager Horst Heldt danach die Garantie zur Weiterbeschäftigung auch in der neuen Spielzeit. Schließlich hatte er auch einen gehörigen Anteil an diesem Erfolg. Dass Horst Heldt zwischenzeitlich allerdings Zweifel hegte und vorsorglich versuchte, sich die Dienste des Mainzer Coaches Thomas Tuchel zu sichern, kann man ihm trotzdem nicht verübeln.

Es hätte auch alles etwas anders ablaufen können. Und schließlich gehört es zu den Aufgaben eines Managers, auch den „Worst Case“ in seine Überlegungen mit einzuplanen. Sicherlich kann man der Ansicht sein, aufgrund der erfolgreichen Rückrunde habe sich Keller die Jobgarantie für die neue Saison verdient, und man solle ihn dann auch erst einmal in Ruhe arbeiten lassen. Also ist die Trainerdiskussion damit endgültig beendet?

Ich glaube kaum. Denn an dem grundsätzlichen Credo der immer wieder (auch von mir) geäußerten Kritik, Keller habe kein modernes Spielsystem, hat sich ja nicht viel geändert. Wenn man sich die letzten Spiele ab der Begegnung gegen Frankfurt so anschaut, kann man die Probleme im Spielaufbau sehr gut analysieren. Es bleibt festzuhalten, dass es zumeist das individuelle Können der Spieler war, das letztlich für die erzielten Treffer ausschlaggebend war. Das reicht dann zwar durchaus aus, um den größten Teil der Bundesliga in die Schranken zu weisen, doch für mehr offensichtlich nicht.

Und das ist für mich denn auch der Kernpunkt der Kritik:
Mit Keller ist auch in den nächsten Jahren Rang 3 oder 4 durchaus möglich, doch zu den Spitzenteams in Europa wird vermutlich immer ein gewisser Abstand bleiben. Denn gegen Mannschaften wie München, Dortmund, Real Madrid, aber auch Chelsea und Co. reicht es nicht aus, nur auf die Qualitäten der Spieler zu setzen. Um gegen diese Vereine erfolgreich sein zu können, muss man ein eigenes taktisches System haben, mit dem man sie aussichtsreich daran hindern kann, ihre jeweilige Philosophie auf den Platz zu bringen.

Bestes Beispiel dafür war das Rückspiel bei den Bayern, wo die Schalker in der ersten Halbzeit mit einer extrem defensiven Ausrichtung vergeblich versuchten, die Münchener am Toreschiessen zu hindern. Vorteilhafter wäre es da gewesen, offensiver gegen das Ballbesitz-Spiel der Bayern vorzugehen, wie es einige andere Teams ja in dieser Saison schon (zumindest teiweise) recht erfolgreich vorgemacht hatten.

Offensichtlich ist aber eine solche Spielweise mit Jens Keller als Trainer nicht möglich. Will man also Auf Schalke in den nächsten Jahren mehr erreichen als „nur“ die Champions-League-Teilnahme, so sollte man in der Vereinspitze sich doch noch einige Gedanken bezüglich eines „modernen Übungsleiters mit System“ machen. Einfach gesagt: jede herausragende Mannschaft benötigt auch eine herausragende Trainer-Persönlichkeit, um wirklich erfolgreich zu sein. Da mag sich nun jeder Leser seine eigenen Gedanken machen, ob Jens Keller dieses Anforderungsprofil ausfüllen kann.

Bei aller Kritik muss ich Keller aber auch mal ausdrücklich loben: die Integration junger Spieler in den Bundesliga-Kader funktioniert zur Zeit bestens. Kaan Ayhan, Max Meyer, Leon Goretzka und Sead Kolasinac können da als leuchtende Beispiele dienen. Die Arbeit mit Nachwuchs-Akteuren scheint Keller offenbar sehr zu liegen. Eigentlich kein Wunder, wenn man seine vorherige Beschäftigung in der Schalker „Knappen“-Schule berücksichtigt.

Deren herausragende Leistungen seien hier auch einmal besonders gewürdigt: Die U-19 z. B. scheiterte im Pokalfinale erst im Elfmeterschießen, während sie kurz darauf den Titel im Westfalenpokal erfolgreich verteidigte. Eine Anerkennung der Schalker Nachwuchs-arbeit war auch die Aufstellung der Nationalmannschaft beim ansonsten bedeutungslosen Freundschaftsspiel gegen Polen. Mit Julian Draxler, Max Meyer und Leon Goretzka bestand das offensive Mittelfeld komplett aus S04-Akteuren. Damit würdigte Nationaltrainer Joachim Löw besonders die starken Auftritte dieser Akteure in der Rückrunde.

Schade zwar, dass Meyer und Goretzka nicht mehr auf den WM-Zug nach Brasilien aufspringen konnten, doch ihre Zeit wird auch im Adlerdress sicherlich noch kommen. Um die Veränderungen im Schalker Kader und deren mögliche Auswirkungen auf die kommende Saison geht es im nächsten Beitrag.

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