Die Zukunft ist unsicher, doch die Vergangenheit offenbar ebenso

In einer kürzlich veröffentlichten Studie zeigten die US-Notenbank-Ökonomen Alan Detmeister, David Lebow und Ekaterina Peneva neue Umfrageergebnisse zu den Inflationswahrnehmungen der Verbraucher.

Die bekannte Konsumenten-Erhebung der Uni Michigan fragt dagegen die Kunden nach ihren Erwartungen zur zukünftigen Inflation (im nächsten Jahr und in 5 bis 10 Jahren), erkundigt sich aber nicht bei ihnen, wie sich ihrer Ansicht nach die Inflation in den letzten Jahren entwickelt hat.

In vielen makroökonomischen Modellen sollten Inflationswahrnehmungen nahezu perfekt sein. Schließlich sind Inflationsstatistiken öffentlich zugänglich, und jeder sollte in der Lage sein, auf sie zuzugreifen.

Die Federal Reserve beauftragte das Michigan Survey of Consumers Research Center damit, die Verbraucher zu ihren Wahrnehmungen der Inflation im vergangenen Jahr und in den vergangenen 5 bis 10 Jahren zu befragen, mit einer analogen Formulierung dieser Fragen zu den Inflationserwartungen.

Wie man vermuten konnte, fehlte es den Verbrauchern in der jüngsten Vergangenheit an perfekter Kenntnis der Inflation. Wenn Sie den meisten Menschen gleichen, (das Lesen eines Wirtschafts-Blogs schließt dies jedoch eigentlich definitiv aus!) haben Sie wahrscheinlich ebenso wenig die Inflations-Statistiken oder die letzten Finanznachrichten gelesen.

Aber umso überraschender erscheint dann die Tatsache, dass die Konsumenten über die Inflation in der Vergangenheit genauso unsicher sind wie über die zukünftige Inflation. Dies zeigt sich eindeutig bei einem Blick auf die obigen Darstellungen der Inflationswahrnehmungen und -erwartungen aus den Umfragedaten vom Februar 2016.

Vergleichen Sie Panel A mit Panel C. Panel A zeigt die Inflationswahrnehmungen der Konsumenten in den vergangenen 5 bis 10 Jahren, und Panel C ihre Erwartungen für die nächsten 5 bis 10 Jahre. Beide Panels zeigen eine erhebliche Streuung oder eine große Anzahl an Schwankungen über alle Verbraucher hinweg. Aber auch eine Häufung von Antworten bei 5% und mehr. In beiden Panels wählte mehr als ein Zehntel der Befragten 5% und auch bei 10% sieht man wesentlich mehr Antworten als bei 9% oder 11%.

In einem Arbeitspapier wies die amerikanische Ökonomin Carola Binder darauf hin, dass diese Anhäufungen von Antworten eine hohe Unsicherheit anzeigten. Die von den Verbrauchern gewählten Aussagen von 5%, 10%, 15% usw. deuteten auf eine hohe Ungenauigkeit in ihren Schätzungen der zukünftigen Inflation. Doch zusätzlich ist es auch recht erstaunlich, dass mehr Verbraucher die 10, 15, 20 und 25% Antworten bei ihrer Wahrnehmung der vergangenen Inflation als bei den Erwartungen der zukünftigen Inflation wählen.

Die Antworten-Häufigkeit bei einem Vielfachen von 5% ist auch für die kurzfristige Inflationswahrnehmung recht beträchtlich (Panel B). Ohne Zugriff auf die zugrunde liegenden Daten kann man allerdings nicht sicher sagen, ob diese Annahmen mehr oder weniger weit verbreitet sind im Vergleich zu den Erwartungen über die zukünftige kurzfristige Inflation, aber es erscheint schon erwähnenswert.

Was sagt uns das? Die Menschen sind sich anscheinend ebenso unsicher über die Inflation in der jüngeren Vergangenheit als über die in der nahen bis mittelfristigen Zukunft. Und das sollte den Geldpolitikern etwas Wichtiges mitteilen. Ein Ziel der Federal Reserve ist die Verankerung der mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen bei etwa 2%. Bei stark verankerten Erwartungen sollten dann auch die meisten Annahmen mit geringer Unsicherheit bei nahezu 2% liegen.

Wenn die Menschen sich über die längerfristige Inflation nicht sicher sind, könnte es entweder sein, dass sie sich des Inflationsziels der Fed nicht bewusst sind oder aber es wahrnehmen, ohne davon überzeugt zu sein, dass die Fed ihr Ziel auch tatsächlich erreichen wird.

Es ist schwer zu sagen, was dabei tatsächlich der Fall ist. Ersteres bedeutet, dass wir mehr öffentliche Aufklärung über ökonomische Konzepte und die Fed benötigen, während letzteres darauf hinweisen würde, dass die Fed ihre Glaubwürdigkeit unter einer bereits informierten Öffentlichkeit verbessern muss.

Da die Wahrnehmungen etwa so unsicher sind wie die Erwartungen, unterstützt dies die Vorstellung, dass die Menschen schlicht nur uninformiert über die Inflation sind – oder dass die Erinnerung an die Wirtschaftsstatistiken relativ schlecht ist.

(eigene Übersetzung eines Blogbeitrages der amerikanischen Ökonomin Carola Binder)

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