Chelsea eine Nummer zu groß

Es war alles angerichtet für einen großen Champions-League-Abend:
Mit dem Londoner Verein FC Chelsea stand ein würdiger Gegner bereit, die Schalker Mannschaft hatte mit zwei Siegen in den bisherigen Gruppen-Spielen entsprechende Erwartungen geweckt.

Champions-League-Abend in der Schalke-Arena

Doch nach fünf Minuten war eigentlich schon alles vorbei. Nach einem Eckball und einem Stellungsfehler von Roman Neustädter gingen die Engländer frühzeitig in Führung.

Das taktische Konzept von Schalkes Trainer Jens Keller, Prince Boateng als „unechten“ Stürmer vor dem „Kindergarten“ Clemens, Meyer und Draxler spielen zu lassen, war damit bereits überholt.
Dieses frühe Gegentor machte es praktisch unmöglich, so wie in Basel eher abwartend und vorsichtig zu agieren und auf eigene Chancen zu warten.

Hätte Trainer Jens Keller früher reagieren müssen?

Die entscheidende Frage, vor allem auch im Nachhinein gesehen, ist die, ob Keller zu diesem Zeitpunkt bereits hätte handeln sollen.

Denn die oben skizzierte Taktik war erkennbar darauf ausgelegt, so lange wie möglich kein Gegentor zu kassieren und so immer in der Lage zu bleiben, gegen einen möglicherweise feldüberlegenen FC Chelsea eigene Nadelstiche setzen zu können.
Natürlich war sie auch aus der Not heraus geboren, da nach dem erneuten längeren Ausfall von Klaas Jan Huntelaar mit Adam Szalai nur noch ein Stürmer überhaupt zur Verfügung stand.

Trotzdem hätte meiner Ansicht nach Jens Keller spätestens bis zur Halbzeit reagieren müssen, mit Christian Clemens oder Max Meyer einen Mittelfeldspieler herunternehmen, Szalai als echten Stürmer bringen und Boateng auf die 10er-Position, für die er ja eigentlich überhaupt verpflichtet worden ist, zurückziehen sollen.

So hatte man in der Folgezeit den Eindruck, dass das Schalker Mittelfeld trotz ansehnlicher Offensivbemühungen etwas überfordert wirkte (was bei drei so jungen Spielern gegen den aktuellen Tabellenzweiten der Premier League nun wirklich kein Wunder ist) und Kevin-Prince Boateng oft ziemlich alleingelassen schien.

Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der dabei mutmaßt, dass sich der S04 damit eigentlich selber ein Stück seiner Angriffsstärke genommen hatte. Es ist wohl anzunehmen, dass eine frühere Umstellung zu konsequenteren Aktionen nach vorn geführt und wesentlich mehr Druck auf die Abwehr der Truppe von Trainer Jose Mourinho entwickelt hätte.

Schalke-Trainer Jens Keller

Sicherlich darf man natürlich nicht die Risiken einer solch frühen Auswechselung außer Acht lassen. Von außen war nicht erkennbar, wie fit Boateng und Szalai im Moment wirklich sind. Hätte das Knie des „Prinzen“ überhaupt einen Einsatz über die gesamte Spielzeit erlaubt?
Ebenso ist natürlich die Frage gestattet, ob Adam Szalai nach Grippe und kräftezehrenden Auftritten als Alleinunterhalter im Schalker Sturm nicht auch bewußt von Jens Keller geschont wurde.

Richtig ist natürlich auch, dass sich der Schalker Trainer mit einem frühen Spielerwechsel selbst einiger noch verbleibender taktischer Möglichkeiten beraubt hätte.

Trotzdem sehe ich es meiner Ansicht nach als einen Fehler an, mit der Einwechselung von Adam Szalai bis zum zweiten Chelsea-Tor zu warten. Das war definitiv zu spät, um noch wirkliche Chancen auf eine Wende entwickeln zu können.

So war es denn auch nur folgerichtig, dass die Schalker Angriffsbemühungen verpufften und sich den Londonern mit der Zeit weitere Möglichkeiten zum Kontern anboten, da die Blauen immer weiter offen machen mussten.

Als Fazit kann man nach dieser Niederlage wohl festhalten, dass nicht nur die größere individuelle Qualität der Chelsea-Spieler ausschlaggebend war, sondern auch die taktische Reaktion auf das frühe Gegentor unzureichend bzw. überhaupt nicht erfolgte.
So kommt man nicht umhin, auch Jens Keller eine gewisse Mitschuld am Ausgang dieser Begegnung geben zu müssen.

Auswirkungen auf das Derby gegen den BVB

Damit sollte sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass Schalke gegen Dortmund am Samstag mit einem „unechten“ Neuner auflaufen wird, so ziemlich erledigt haben.
Diese Variante sollte wirklich nur den allerletzten „Notfallplan“ darstellen, wenn es aufgrund von Stürmermangel gar nicht mehr anders geht.

Ich halte es daher unbedingt für notwendig, dass Boateng und Szalai rechtzeitig zum Derby richtig fit werden müssen und auch von Anfang an spielen sollten.
Nur so hat Schalke überhaupt die Chance auf einen Sieg, denn nach den Ergebnissen in der Champions League halte ich die Dortmunder momentan für leicht favorisiert.

Doch das Ruhrpott-Derby hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze und auch wenn der BVB zur Zeit ohne Zweifel schon weiter ist als Schalke, ist hier allein die Tagesform ausschlaggebend.

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