Vorzeitiges Fazit dieser S04-Saison: immer wenn sie abliefern sollten, versagten die Schalker restlos

Peinlich, peinlich, was die Mannschaft des ratlos wirkenden Cheftrainers Markus Weinzierl sich da bei der 0:2-Niederlage gegen eher biedere Freiburger leistete.

2011-10-28 Freiburg1 (6296434266)
Hatten allen Grund zur Freude: Freiburger Fankurve im Schwarzwald-Stadion

Ideenlos, pomadig, ja überheblich wirkend schoben sich die blau-weißen Akteure über weite Phasen des Spiels das runde Leder zu. Ohne jeden Anflug von Tempo oder Spielwitz, ohne ein Fitzelchen von Risikobereitschaft ob der besonderen Konstellation (der S04 musste bekanntlich gewinnen, um sich noch eine Chance auf die Europa-League zu bewahren) spulten sie ihren Part herunter.

Wieder einmal bewies die Mannschaft eindrucksvoll, dass sie mit Ballbesitz aber auch so rein gar nichts anzufangen weiß. Was nützt es da, wenn man auf überfallartige Balleroberungen setzen will, wenn man das Spielgerät doch sowieso schon meistens in den eigenen Reihen hat…

Die Breisgauer dagegen agierten abwartend clever und legten überfallartig los, als sie merkten dass die Ruhrpott-Kicker nur mit lauwarmem Wasser kochen wollten. Nach einer halben Stunde stand es hochverdient bereits 2:0 für die Freiburger, und im weiteren Verlauf der Begegnung konnten sich die Schalker nur noch bei ihrem Tormann Ralf Fährmann bedanken, an diesem desolaten Sonntag nicht mit vier oder fünf Gegentoren im Gepäck wieder nach Hause fahren zu müssen.

Auch jetzt fällt es mir noch schwer, meine Enttäuschung, Wut, aber auch absolute Ratlosigkeit ob dieser neuerlichen „Nicht“-Leistung halbwegs vernünftig zu kanalisieren und in Worte zu fassen. Eigentlich bleibt nur Sprachlosigkeit, denn ein solches Versagen auf allen Ebenen erzeugt eigentlich nichts anderes.

Was haben sich Spieler und Trainer vor dieser Begegnung bloß gedacht, was sie da im Schwarzwald erwarten wird? Eine Freiburger Truppe, die in der Hoffnung auf Europa das Spiel an sich reißen und über Ballbesitz zum Erfolg kommen wollte? Ausgerechnet Freiburg? Hat wirklich niemand ernsthaft damit gerechnet, dass genau das Gegenteil eintreten würde?

Aber was schreibe ich da eigentlich? Es ist ja nicht die erste Saison, in der die Schalker echte Probleme dabei haben, gegen dicht stehende Abwehrreihen das Spiel zu machen und nicht auch noch in etliche Konter zu laufen. Ist ja schön, wenn Weinzierl ein System einführen will, bei dem es streng genommen darum geht, genau solche Situationen zu vermeiden.

Was aber, wenn der Gegner da nicht mitmacht? Muss man dann nicht trotzdem in der Lage sein, Ball und Kontrahenten laufen zu lassen und mit Tempowechseln und sicheren Anspielen Gefahr vor dem Kasten auf der anderen Seite hervorrufen zu können? Ist es da eine Entschuldigung, wenn andere Teams, von denen so etwas ebenfalls erwartet wird, zur Zeit ähnliche Probleme haben, siehe Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach?

Wie auch immer, die desolate Vorstellung in Freiburg war mal wieder ein echter Offenbarungseid, sowohl was Mannschaft als auch das Trainerteam angeht. Ist Weinzierl womöglich mit seiner Kunst schon am Ende? Erreicht er die Spieler überhaupt noch? Oder hören sie ihm eigentlich noch zu? Kann er es mit einem so schwierigen Kader auf diesem Niveau schaffen?

Der ehemalige Schalker Keeper Jens Lehmann brachte es bei Sky90 meiner Ansicht nach auf einen richtigen Nenner: Es sei etwas völlig anderes, mit einem Underdog wie dem FC Augsburg ohne jede Erwartungshaltung auf die Gegner zu reagieren als in einem so schwierigen aber auch anspruchsvollen Umfeld wie in Gelsenkirchen unter einem gewissen Druck zu agieren. Offensichtlich sei Weinzierl dieser Aufgabe nicht wirklich gewachsen.

Scheinbar trifft diese Aussage auf die Causa „Übungsleiter“ im Falle Schalke 04 durchaus zu, doch was soll dann die Konsequenz daraus sein? Wieder einmal den Trainer feuern? Die jüngere Geschichte in Gelsenkirchen mit durchschnittlich einer Saison pro Trainer spricht dagegen, dies als eine besonders gute Lösung anzusehen.

Und die Spieler? Kann man sie so einfach außen vorlassen, wenn man doch feststellt, dass da keine Mannschaft auf dem Platz steht? Keine eingeschworene Truppe wie der SC Freiburg, der es immer wieder schafft, auch nach hohen Niederlagen die Motivation nicht zu verlieren? Muss der von Christian Heidel eingeläutete Umbruch nicht noch verschärfter weitergehen?

Apropos Sportdirektor…Wie sieht die Transferbilanz des neuen starken Mannes am Schalker Ruder aus? Die Bentalebs, Stamboulis, Burgstallers, Caligiuris und Konoplyankas? Wer soll bleiben, wer kann wieder gehen?

Ehrlich gesagt, im Moment habe ich auf alle diese Fragen keine wirklichen Antworten parat. Ganz im Gegenteil bin ich ratlos und müde, wenn es um meinen Lieblingsverein geht. Ganz im Gegenteil wünsche ich mir wieder einmal das Ende der Saison herbei…

Wenn es aber mal wieder soweit gekommen ist, was bleibt da noch von der Aufbruchs-stimmung, mit der Heidel und Weinzierl im letzten Sommer hier angefangen haben?

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