„In schlechten Zeiten müsst ihr Schalker sein. In guten haben wir genug davon.“

Na ja, ganz so weit ist es vielleicht doch noch nicht, dass dieses Zitat des seligen Charly Neumann die derzeitige Schalker Situation korrekt beschreiben würde.

Charlie Neumann 1996
Der ehemalige S04-Mannschaftsbetreuer Charly Neumann 1996

Doch nach der 0:1-Niederlage beim Freiburger SC muss man sich vor allem aufgrund der Vorstellung der Mannschaft in der zweiten Halbzeit so einige Sorgen machen. Denn es stand an diesem Dienstag im krassen Gegensatz zur Vorsaison eben kein „Team“ auf dem Rasen des Schwarzwald-Stadions.

Stattdessen versuchten sich elf durchaus begabte Kicker isoliert voneinander mit eher geringem Erfolg einen Weg zum Tor der Breisgauer zu bahnen, teils wie schon aus den letzten Spielen gewohnt mit langen Bällen aus der Abwehr heraus, teils wie Amine Harit oder Neuzugang Hamza Mendyl mit ihren individuellen technischen Fähigkeiten.

Das Resultat dieser teilweise schon hilflos zu nennenden Versuchen blieb allerdings ausgesprochenen mager, gegen die stark pressenden und nahezu jeden Zweikampf gewinnenden Freiburger sprang so gut wie keine Torchance mehr heraus. Und so reichte der Mannschaft von Trainer Christian Streich ein unglücklicher Fährmann-Abpraller vollkommen aus, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.

Für die Blau-Weißen und Ihren Chefcoach Domenico Tedesco blieb danach nur noch die äußerst undankbare Aufgabe übrig, (wieder einmal) verbal das zerschlagene Porzellan zusammenzufegen. Immerhin hielt sich dabei das Schönreden in Grenzen, die Phrase vom „fehlenden Glück“ hätte sich auch in den Wochen zuvor schon eher schal angehört.

Es ist momentan viel mehr als das, was den Schalkern im Vergleich zur letzten Saison abgeht. Falsche Entscheidungen des Trainerteams (obwohl man Tedesco das gegen Freiburg nun gerade nicht vorwerfen konnte), nicht integrierte oder noch verletzte Neuzugänge, der fehlende Ersatz für den nach München abgewanderten Leon Goretzka, Leistungsträger weit entfernt von ihrer Normalform: man möge sich aussuchen, welche Gründe man für diese Pleitenserie von nunmehr fünf Niederlagen hintereinander verantwortlich machen will.

Gemischt mit Selbstzweifeln, mangelndem Selbstvertrauen und schieren Versagens-ängsten ergibt das einen extrem bitter schmeckenden Cocktail, an dem der Verein und sein Umfeld mitsamt den Fans momentan sehr schwer zu schlucken haben. Trotzdem wäre es jetzt grundfalsch, in blanke Panik zu verfallen. Wenn man aus der jüngeren Geschichte des S04 eins gelernt haben will, so ist das die Überzeugung, dass übereilte Trainer-Entlassungen keine Lösung auf Dauer darstellen.

Wie es nun mal so sein sollte im tobenden Orkan (vom aufziehenden Sturm kann leider schon nicht mehr die Rede sein): die Lücken schließen und enger zusammenrücken, um dem heftigen Gegenwind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, das sollte jetzt die Devise der Schalker Familie darstellen. Sich nicht auseinander dividieren lassen und so lange durchzuhalten, bis sich das Unwetter wieder legt, ganz im Sinne des obigen Zitats von Charly Neumann.

Denn es gibt derzeit nicht wirklich eine andere sinnvolle Alternative. Deshalb muss morgen gegen den FSV Mainz 05 endlich endlich der erste Sieg her! Sonst dürfte es im Auge des Orkans noch ungemütlicher werden als bisher…

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