Vor 110 Jahren: Beginn der Schlacht an der Somme

Die Zahlen stehen für sich und sind doch absolut unfassbar: am 01. Juli 1916 begann an der Westfront des Ersten Weltkriegs die Schlacht an der Somme, eines der verlustreichsten Gemetzel der gesamten Weltgeschichte.

Lancashire Fusiliers Trench Beaumont Hamel 1916
Soldaten der Royal Lancashire Fusiliers in einem Schützengraben
bei Beaumont-Hamel an der Somme im Jahr 1916

Statista hat für den Zeitraum zwischen Juli und November 1916 eine Gesamtzahl von 318.700 gefal-lenen und 1.123.900 verwundeten britischen, französischen und deutschen Soldaten ermittelt.

Am ersten Tag des Angriffs erlitten alleine die Briten Verluste in Höhe von 20.000 Toten und 40.000 Verletzten, eine nahezu beispiellose Katastrophe für das Empire. Nach tagelangem Artilleriefeuer ließ man in der Annahme, nicht mehr auf nennenswerten Widerstand der Deutschen zu treffen, die angrei-fenden Truppen im Marschtempo in langen Schützenreihen vorrücken.

Doch die deutschen Soldaten hatten in ihren Bunkern und Unterständen den Beschuss nahezu unbe-schadet überstanden und begegneten dem alliierten Vormarsch mit einem vernichtenden Feuer aus ihren Maschinengewehren. Wie die Zinnsoldaten, Reihe für Reihe umgestoßen, brachen Welle für Welle vorstürmender Infanteristen im Feuer deutscher MGs zusammen.

Wegen der enormen Verluste gilt bei den Briten bis heute der erste Tag der Schlacht an der Somme als der schwärzeste Tag in der Militärgeschichte.

Durch Änderungen in der Strategie der Briten stiegen auch in den Wochen danach die deutschen Ver-luste, ein monatelanges blutiges Ringen um einige Quadratkilometer Grabensysteme folgte, mit wei-teren hohen Zahlen an getöteten und verletzten Soldaten auf beiden Seiten.

Ende August 1916 schrieb Ernst Jünger in sein Tagebuch: „Buchstäblich kein Grashalm. Jeder Milli-meter umgewühlt, die Bäume ausgerissen, zerfetzt, zu Mulm zermahlen. Die Häuser niedergeschossen, die Steine zu Pulver zerstaubt […]. Und alles voll Toter, die hundertmal wieder umgedreht und von neu-em zerrissen werden.“

Als die Schlacht am 18. November endlich abgebrochen wurde hatte man außer Hekatomben an Toten und Verstümmelten neben ein paar Kilometern Geländegewinnen eigentlich nichts erreicht, der ent-scheidende Durchbruch von Seiten der Alliierten blieb aus.

Stattdessen war so mancher krepiert wie jener Soldat in der Beschreibung des französischen Schrift-stellers Henri Barbusse in seinem Antikriegsroman „Das Feuer“: zerfetzt und in einem Augenblick ver-blutet, wie ein umgekippter Eimer.

Heute kommt angesichts der bedrohlichen Weltlage dem Gedenken an blutige und sinnlose Gemetzel wie denen an der Somme oder um Verdun eine besondere Rolle zu. Jedwedem Versuch, Krieg in ir-gendeiner Form zu verharmlosen oder als zulässige Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln wieder gesellschaftsfähig zu machen, muss auf den entscheidenden Widerstand der Zivilgesellschaft treffen.