Economic History: Schuldenexporteur Deutschland

„Handelsweltmeister. Das klingt wie Fußballweltmeister, wie Eurovisionssieger, das ist Balsam für die Seele eines Landes, das sein politisches Selbstbewusstsein immer noch überwiegend aus seiner schieren ökonomischen Wucht bezieht.

CMA CGM Christophe Colomb 01
Das Containerschiff CMA CGM Christophe Colomb auf der Elbe

Kein Wunder also, dass jede Kritik an dem enormen Missverhältnis zwischen deutschen Im- und Exporten, wie sie etwa die EU-Kommission nun übt, beinahe hysterisch als Neid, Gemeinheit oder Nestbeschmutzung gegeißelt wird.

Eine Welt aber, in der alle Staaten gleichzeitig mehr ex- als importieren, kann es schon rein mathe-matisch nicht geben. Wenn also Länder, die bisher hohe Handelsdefizite aufweisen, diese in Überschüsse verwandeln sollen, dann geht das nur, wenn Exportriesen wie Deutschland ihren Saldo schrittweise reduzieren.

Vernünftig ist das aber nur, so lange die Ungleichgewichte im Rahmen bleiben und die Defizitländer die hohen Importe bezahlen können. Sonst nämlich exportieren die Ausfuhr-Weltmeister die Verschuldung, die sie dann später mit Rettungsschirmen bekämpfen müssen, immer gleich mit.

Nicht jeder versteht diese Zusammenhänge, und mancher will sie auch nicht verstehen. Schließlich ist die Parole, gemeine Neider wollten uns das Exportieren verbieten, einfach zu schön. Dabei ist das blanker Unsinn. Was die Kritiker wollen, ist, dass Deutschland das Problem von der anderen Seite her angeht und die Lücke durch mehr Importe schließt.

Stimuliert werden könnten diese Einfuhren etwa durch höhere staatliche Investitionen, die ohnehin dringend erforderlich sind – dafür reicht ein Blick auf die Straßen, in die Schulen des Landes.“

Ausfuhrüberschüsse – Schuldenexporteur Deutschland – Wirtschaft – Süddeutsche.de bereits aus 2014!!

Man hätte es wissen können, so wie es dieser Artikel aus der Süddeutschen schon vor 12 Jahren sehr genau dargestellt hatte. Die Exportweltmeisterschaft ist auf Dauer keine Einbahnstraße, sondern schlägt irgendwann zurück auf ihren Verursacher.

China beweist nun, dass dieser Tag, den man immer verleugnet hat, jetzt gekommen ist. Und der rückwärtsgewandten Regierung Merz fällt nichts weiter dazu ein als noch mehr von der bitteren Medizin zu verabreichen, die uns erst in diese Lage gebracht hat.

Bei der derzeitigen, eher neoliberalen Politikberatung der Bundesregierung hat es wohl wenig Sinn, auf die saldenmechanischen Zusammenhänge des ökonomischen Transferproblems in der Eurozone hinzuweisen. Man hat sie ja beharrlich jahrelang ignoriert.